25.05.2018, 17.05 Uhr   |   Matthias Müller   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Online City Wuppertal: Aus der „Not“ eine Tugend machen…

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Zwei Online-City-Pioniere unter sich: Christoph Kuberka, erster OCW-Händler Cronenbergs (re.), mit Experte Andreas Haderlein. -Foto: Matthias Müller

„Wenn der Trend beim Online-Shoppen so weiter geht, wird es in zehn Jahren vielleicht auch in Cronenberg keine Läden mehr geben“, befürchtet Christoph Kuberka. Der Musiklehrer und „umtriebige“ Inhaber des „Kultur-Kontors“ ist längst alarmiert. Kuberka hat sich daher dem Wuppertaler Einzelhändler-Verein „Online City Wuppertal“ (OCW) angeschlossen – als Cronenberger Pionier. Die Plattform ist eine Kombination aus stationärem und Online-Handel mit dem Ziel, die lokalen Einzelhändler in Wuppertal zu stärken.

Amazon, ebay und andere Online-Plattformen machen es dem lokalen Einzelhandel immer schwerer, kostendeckend zu arbeiten. Besonders, wenn sich Kunden vom Fachmann beraten lassen, um dann aber dennoch im Internet einzukaufen. Manches Fachgeschäft nimmt daher schon eine „Beratungsgebühr“, die beim Kaufabschluss abgezogen wird. Um die Risiken für den örtlichen Einzelhandel, aber auch die Chancen aus der Digitalisierung zu vertiefen, hatte Christoph Kuberka nun den Wirtschaftsjournalisten Andreas Haderlein an der Hauptstraße 88 zu Gast.

Online City Wuppertal: Online einkaufen, Einzelhandel vor Ort stärken

Der 44-jährige Frankfurter stellte dabei sein Buch „Local Commerce – Wie Städte und Innenstädte die digitale Transformation meistern“ vor. Ziel des „Local Commerce“ ist es, Käufer wieder in die Läden zu locken beziehungsweise eine Online-Alternative zu bieten, die dem ansässigen Einzelhandel nützt. Weil der Online-Handel wächst und Kunden nach einem Kauf per Klick möglichst schnell ihr Paket auspacken wollen, hat die „Online City Wuppertal“ Alternativen entwickelt. Bei den städtischen OCW-Einzelhändlern kann man mittlerweile über 30.000 Artikel online kaufen – und es werden immer mehr.

Vier Cronenberger zählen zur Online City Wuppertal

Wuppertal war dabei die „Geburtsstadt“ der Idee, Andreas Haderlein startete das deutsche Pilotprojekt im Jahre 2013: Der Startschuss fiel in Vohwinkel, seit 2014 wird der Wuppertaler Online-Marktplatz weiter und weiter ausgebaut. „Wenn es hier klappt, dann klappt es überall“, meint Haderlein – inzwischen hat er 90 City-Initiativen in Deutschland porträtiert und unterstützt. Die Hoheit bleibt bei den Städten, Hilfe zur Selbsthilfe steht im Vordergrund. Zum Projekt „Online-City“ gehören in Cronenberg mit dem „Kultur-Kontor“, Big Herrenmode, der Weinhandlung Lapinski und der Metzgerei Kaufmann aktuell vier Einzelhändler. DHL ist der Lieferpartner, welcher die bestellte Ware beim Händler abholt.

Vor allem wurden die Suchmaschinen optimiert: Wer zum Beispiel nach „Schokolade Wuppertal“ sucht, stößt zuerst auf einen Einzelhändler vor Ort – auch das soll die Schrumpfung des stationären Handels im Tal aufhalten. „Es gibt sogar die Möglichkeit, beim Cronenberger Einzelhandel Waren online zu bestellen und diese ohne Aufpreis noch am gleichen Tag geliefert zu bekommen“, unterstreicht Christoph Kuberka. In Zukunft soll die Online-City zudem Partner für Handwerker und Dienstleister werden. In Wuppertal ist Michael Frieling von MST (Mode, Schmuck, Taschen) in der Neumarktastraße Ansprechpartner für „Online-City Wuppertal“. Er alleine hält deutschlandweit 1.445 Produkte online verfügbar.

Der Abend im Kontor machte Mut, gegen den Trend darauf hoffen zu können, dass der örtliche Einzelhandel doch eine Zukunft haben kann und zum Beispiel die Hauptstraße nicht aussterben wird. Zudem bot die Veranstaltung auch Musik, denn Andreas Haderlein ist auch Musiker – gemeinsam mit Christoph Kuberka und Peter Krugmann unterhielt er mit Gitarre, Blues und eigenen Kompositionen. Sein Buch „Local Commerce, Wie Städte und Innenstädte die digitale Transformation meistern“, ist leicht verständlich geschrieben und hat die ISBN 978-3-00-058854-9 und kostet 49,90 Euro – online und im Laden…

Weitere Folgen des Online-Shoppens

Die Paketflut infolge von Online-Bestellungen führt zu mehr Verkehr auf den Straßen. Oftmals liefern schlecht bezahlte Fahrer die Warenpakete aus, die dann zu einem großen Teil wieder zurückgeschickt werden. Die Kosten trägt zwar zumeist der Versandhandel, sie gehen aber zu Lasten von Umwelt und Mensch. Ob der Flut von Paketen arbeiten „Hermes“ und andere schon an neuen Konzepten: Pakete werden hier nicht mehr nach Hause, sondern an Paketshops geliefert, wo der Kunde sie selbst abholt. Ob es somit auch zukünftig noch attraktiv bleibt, online zu bestellen, das muss der Kunde entscheiden…

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