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02.03.2020, 19.22 Uhr   |   Marcus Müller   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Premiere im TiC-Theater: Fitzek-Thriller fesselt bis zum Ende

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Eine außergewöhnliche „Therapie“: Nina Jestel (als Kinderbuch-Autorin Anna Spiegel) raubt Leon Gleser (Psychiater Dr. Viktor Larenz) in einem packenden Thriller auf der TiC-Bühne den Verstand. | Foto: Martin Mazur

Wenn die Tochter verschwindet: „Die Therapie“ von Thriller-Bestsellerautor Sebastian Fitzek feierte im TiC Premiere.

Nichts für schwache Nerven ist das neue Stück, welches – ganz ungewöhnlich – am Abend des Aschermittwochs im TiC-Theater an der Borner Straße seine Premiere feierte. Denn TiC-Chef Ralf Budde hat sich (zusammen mit Assistent Florian Ohligs) für die neueste Inszenierung einen der beliebtesten Thriller-Autoren Deutschlands ausgesucht. „Die Therapie“ von Sebastian Fitzek (für die Bühne bearbeitet von Marc Gruppe) beschreibt eine Situation, die wohl keine Eltern jemals erleben möchten: Josephine, die erkrankte zwölfjährige Tochter des bekannten Psychiaters Dr. Viktor Larenz (Leon Gleser), verschwindet unter mysteriösen Umständen in einer Arztpraxis. Es gibt keine Zeugen, keine Spuren und vor allem keine Leiche…

Vier Jahre später – hier setzt die Bühnenfassung an – hat sich Larenz in ein abgelegenes Ferienhaus auf der Insel Parkum zurückgezogen, um ein wenig Abstand zu gewinnen und ein Interview mit einem Klatschblatt vorzubereiten. Während draußen ein Sturm aufzieht, steht plötzlich eine ihm unbekannte Frau in der Strandtür – und hat eine heiße Spur zu Josy. Die (angebliche) Kinderbuch-Autorin Anna Spiegel (Nina Jestel) bittet den Psychiater um eine Therapie.

„Die Therapie“: Fesselnd von der ersten bis zur letzten Minute

Sie erzählt ihm, dass sie an Schizophrenie leidet: „Alle Figuren, die ich in meinen Gedanken entstehen lasse, werden real“, vertraut sie ihm an – und berichtet von einem jungen Mädchen namens „Charlotte“ aus ihrem noch unvollendeten Buch, das ihr in Berlin auf der Straße begegnet sei. Jedes Detail ist stimmig, sie ist zusammen mit dem Mädchen sowohl in Larenz’ Ferienhaus als auch in seiner Villa gewesen. Doch Spiegels Märchenmanuskript ist unvollendet – wie geht es Josy? Als dann Freund und Privatdetektiv Kai Strathmann, den Viktor Larenz telefonisch kontaktiert, auch noch frisches Blut im Badezimmer findet, läuft alles auf ein Verbrechen hinaus.

War es Anna Spiegel, vor der Larenz vor allem vom Insel-Bürgermeister Patrick Halber­staedt (Joachim Rettig) gewarnt wird („Mit der stimmt was nicht, Sie schweben in Gefahr!“)? Verlassen kann er die Insel wegen des Sturms nicht, doch was ist das „Böse“, vor dem „Charlotte“ flüchtete? Ist die Geschichte von Anna Spiegel wahr? Von der ersten bis zur letzten Minute fesselt „Die Therapie“ auch in der düster-rasanten Bühnenfassung. Das liegt nicht nur daran, dass die Handlung für den Zuschauer in kompletter Dunkelheit oft ein wenig dramatischer erscheint, sondern auch an der Besetzung.

Wer Fitzek mag, wird die TiC-Inszenierung lieben

Nina Jestel als Anna Spiegel verkörpert diese eiskalte Person, die Larenz Minute um Minute zappeln lässt und in den Wahnsinn treibt, perfekt. Leon Gleser als Viktor Larenz kann dem Zuschauer leid tun, wenn er schreiend in die Bühnenecken rennt und verzweifelt. Stellenweise erinnert er mit seinem Gesichtsausdruck auch ein wenig an Anthony Hopkins in „Das Schweigen der Lämmer“… Joachim Rettig als Patrick Halberstaedt agiert stürmisch aufgeregt und um das Wohl von  Larenz besorgt. Das nüchterne Bühnenbild von Jan Bauerdick und Benedikt Fiebig lässt den Fokus komplett auf der Handlung verweilen, während Mariola Kopczynskis Kostüme den Psychiater passend als gebrochene Persönlichkeit und die Kinderbuchautorin als feine Dame erscheinen lassen.

Darüber hinaus sind unter anderem am Telefon auch Annika Tahiri (als Sprechstundenhilfe), Cars­ten Müller (Dr. Grohlke), André Klem (Kai Strathmann) und Michael Baute (Professor van Druisen) mit ihren Stimmen von der Partie. Wer Fitzek-Bücher mit ihrer einfachen Erzählweise aber oft überraschenden Wendungen mag, wird auch die TiC-Inszenierung von „Die Therapie“ lieben. Für die Vorstellungen bis Anfang April sind nur noch Restkarten verfügbar – im Anschluss sind aber noch viele Tickets erhältlich. Diese können unter www.tic-theater.de, über die TiC-Hotline (02 02) 47 22 11 oder im TiC-Büro an der Hauptstraße 3 geordert werden.