Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

06.05.2020, 19.34 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Corona-Besuchsverbot: Altenhilfe-Senioren via Tablets in Kontakt

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Ruth Langsdorf im Reformierten Gemeindestift in der Südstadt zeigte sich zugleich gerührt, aber auch zu einem Späßchen am Tablet aufgelegt: „Hätte ich gewusst, dass ich heute mit einem Videoanruf überrascht werde, dann hätte ich noch etwas Rouge aufgelegt…“ | Foto: privat

Ab Sonntag, 10. Mai 2020, dürfen sie wieder Besuch bekommen – in den letzten Wochen wohl mit am stärksten von der Corona-Krise betroffen waren aber die Bewohner von Seniorenheimen: Da sie zur Hochrisikogruppe zählen, gilt für sie ein totales Besuchsverbot, sodass sie in den Einrichtungen so gut wie abgeschottet von sozialen Außenkontakten sind.

„Für unsere Bewohnerinnen und Bewohner ist das das Schmerzlichste“, sagt Kai Hof von der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal. Doch der Abteilungsleiter der Altenhilfe-Informationstechnik hatte unter Hochdruck einen Weg geschaffen, damit die Senioren trotz der Kontaktsperre mit ihren Familien sprechen können: Mit seinen Kollegen hat Hoff Tablets für alle Altenhilfe-Einrichtungen der Diakonie eingerichtet, sodass auch die Bewohner am Eich oder in der Blankstraße nun mit ihren Angehörigen Video-Telefonieren können.

„Die Bewohner strahlen, wenn sie mit ihren Enkelkindern, Töchtern und Söhnen zusammen auf einem Tablet sprechen und sich sehen können“, berichtet Cornelia-Maria Schott, die Geschäftsführerin der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal. Zwar zeigen die Senioren kaum Berührungsängste mit den „kleinen Fernsehern“, wie sie die Tablets mitunter nennen. Wie Cornelia-Maria Schott weiter berichtet, fiel manchen aber das Sprechen vor Rührung schwer, wenn sie von ihren Familien mit auf Rundgängen durch den Garten daheim genommen oder mit „Rudel-Anrufen“ überrascht werden.

Es sei rührend anzusehen, wie manche Bewohner dann über das Tablet streicheln, um das Gesicht des Angehörigen zu berühren: „Unsere Bewohnerinnen und Bewohner haben einen digitalen Weg, ihre Liebsten zu sehen und mit ihnen zu sprechen“, freut sich Altenhilfe-Geschäftsführerin Schott: Das sei zwar keine Lösung auf Dauer, aber „es ist eine Lösung, die uns in diesen Zeiten auf neuen Wegen Nähe und Vertrautheit bringt.“ Und ab dem kommenden Muttertags-Sonntag wird das ja auch wieder analog möglich sein – aber vielleicht auch weiterhin per Tablet…