04.12.2025, 14.48 Uhr | Marion Heidenreich | Artikel drucken | Instapaper | Kommentare
Offener Abend: „Volles Haus“ zum Projekt „Urbaner Kunstraum“
Annette Leuchen, die Organisatorin der Reihe „Offene Abende“ der evangelischen Südstadt-Gemeinde, mit Dr. Stefan Kühn, der in der prall gefüllten Johanneskirche zu der Wuppertaler Street-Art-Galerie berichtete. | Foto: Marion Heidenreich
Kunst muss nicht nur in Museen und Galerien zu finden sein. Den Beweis lieferte der Verein „WupperOne929 UrbanArt“: Auf dessen Initiative sind in Wuppertal fast 50 Hauswände mit Werken internationaler Street Art-Künstler entstanden. Statt ehemals grauer Tristesse erzeugen die „Murals“ an vielen Stellen in der Stadt, so auch am Cronenfeld (die CW berichtete), Impulse und Aufmerksamkeit – weit über Wuppertal hinaus…! Hintergründe des Open-Air-Museums stellte Dr. Stefan Kühn beim letzten „Offenen Abend“ vor: Randvoll zeigte sich der Gemeindesaal der Johanneskirche, als Gastgeberin Annette Leuschen den ehemaligen Wuppertaler Sozialdezernenten begrüßte – auch ein Beweis für die Zugkraft des Street-Art-Projekts: „In Wuppertal ist etwas ganz Großes passiert“, fasste der „Laberbeauftragte der Chefin“ (Zitat Kühn) das Schaffen von Initiatorin Valentina Manojlov zusammen.
Zuvor 50 triste Häuserwände – jetzt 50 tolle Kunstwerke
Gut fünf Jahre sind seit der Anfangsidee vergangen – und Wuppertal, für die StreetArt-Szene zuvor (fast) völlig unbekannt, zu einem Hotspot geworden. Dafür ist Valentina Manojlov durch Europa gereist, um sich anderswo Inspiration zu holen – und natürlich Kontakte zu StreetArt-Künstlern zu knüpfen. Eine Herausforderung: In Wuppertal Hauswände mit entsprechenden Flächen zu finden, Eigentümer, Stadt und Denkmalschutz ins Boot zu holen sowie Fördergelder zu akquirieren. Mit der Unterstützung von Land NRW, Bund sowie vieler Groß- und Kleinspender gelang es: Wuppertal mauserte sich in den letzten drei Jahren „from zero to hero“ der StreetArt.
Die konzeptionelle Grundidee: „künstlerische Freiheit, keine Auflagen“. Dieser Freiraum für Kreativität sorgte indes auch für ein „Nein“ zu Wänden oder sogar für öffentliche „Empörung“ nach Fertigstellung (Beispiel: Skelett-Mural oder BV Uellendahl). Aber: „Alle Künstler fühlten sich willkommen geheißen und super betreut“, unterstrich Kühn das positive Echo bei den Kreativen. 49 Motive sind entstanden oder stehen kurz vor der Fertigstellung – darunter die „Pina Bausch Gallery“ mit Murals in zehn Stadtbezirken. Das 50. Fassadengemälde „ist zurzeit noch in der Schwebe“, berichtete Kühn: „Vielleicht klappt es noch in diesem Jahr…“
Dr. Stefan Kühn: „Wuppertal liebt seine Murals…“
Die Wirkung des Projekts spiegelt sich im Alltag wider: Die Murals regen nicht nur die Anwohner zum Innehalten und Betrachten an, sondern haben eine Strahlkraft über die Quartiere und Stadtgrenzen hinaus. Nicht nur die Einbindung verschiedener Vereine in Workshops oder auch der Eigenarten und Themen des Quartiers in die Kunstwerke – wie das Mural an der Schlieperstraße, das in Gebärdensprache „Heimat“ zeigt – verdeutlichen: die Wandbilder bewirken eine Aufwertung der Aufenthaltsqualität. Und auch die Kreativität der Menschen sei entfacht, wie gerahmte Mural-Fotografien und selbstgestaltete Kalender bewiesen. Wie bei einem „richtigen“ Museum, so erläuterte Stefan Kühn abschließend, gibt es auch Führungen: mit Übersichtskarte, HandyApp oder von Guides begleitet. Mehr auch dazu unter urbaner-kunstraum.de.
Schon heute: „Offener Abend“ zu Künstler Willi Dirx
Am heutigen 4. Dezember ist der nächste „Offene Abend“: Zum Finale 2025 wird es um „Willi Dirx und die Kunst des Holzschnitts“ gehen. Zu dem Wuppertaler Maler, Holzschneider, Bildhauer, Grafiker und Glasmaler wird Kunstpädagoge Rainer Schmücker berichten. Auch Dirx-Holzschnitte werden ab 19.30 Uhr zu sehen sein. Der Eintritt an der Altenberger Straße 25 ist frei.





