16.02.2026, 20.00 Uhr | Martin Hagemeyer | Artikel drucken | Instapaper | Kommentare
Ausverkaufte „Talfahrt“: Spiele, Abgesänge – und eine Hommage!
„Einer für alle, alle für Wuppertal…!“ Die drei „Kabarett-Musketiere“ Ulrich Rasch, Jens Neutag und Jürgen H. Scheugenpflug (v.l.) kämpften auch heuer wieder mit ihrer „Talfahrt“-Tournee dafür, dass der Wuppertal-Spaß bei allem Elend nicht zu kurz kommt – und zwar unter anderem auch dreifach in der ausverkauften KNIPEX-Schmiede…! | Foto: Talfahrt
Die „Talfahrt“ blieb sich treu. Ins KNIPEX-„Forum“ hatten Jürgen Scheugenpflug, Jens Neutag und Ulrich Rasch einmal mehr ihre Fans geladen, alle drei Cronenberg-Abende waren ausverkauft. Nicht nur der getreue „Talfahrt“-Takt von Monat zu Monat sorgte wieder für viel Spaß plus Erinnerung. Was die drei Kabarettisten überdies pflegten, waren Rubriken wie der „Abgesang“ – und so auch ihre Lieblingsfeinde. „Nur die Talfahrt vermisst dich!“, diese Liedzeile war als „Nachruf“ auf Johannes Slawig mit viel Genuss die reine Heuchelei… Denn der inzwischen auch als CDU-Chef zurückgetretene einstige Kämmerer war jahrelang bevorzugte Zielscheibe der drei Spaßmacher – damit dürfte es nun vorbei sein… Die Melodie für den hinterhältigen Gruß war einem alten Hit der Girlgroup „Tic Tac Toe“ entlehnt: „Verpiss dich!“
Ex-OB Schneidewind ging „über sieben Brücken“…
„Letzte Grüße“ gab’s noch mehr, gleich zu Beginn für den (bei der Bundestagswahl erfolglosen) früheren Verfassungsschutzchef: „Haldenwang scheitert geschwind, an unserm Sozi Helge Lindh.“ Da 2025 auch „Genosse“ Thomas Kring sein Amt (Bezirksbürgermeister in Elberfeld) unfreiwillig verlor, mutierten er und Slawig per Bild zu „Brüdern“ – im Stil der „2 Brüder Venlo“. Und was war sonst 2025 kabarettistisch „verwurstbar“? Klar, die Kommunalwahl musste rein! Jürgen Scheugenpflug ließ zum Klassiker „Über sieben Brücken“ den abgelösten OB Uwe Schneidewind auf seinen Arbeitsweg zum Rathaus singen: „Jeden Tag nach Barmen musst‘ ich geh’n“…
Hommage an „Striekspöen“ Paul Decker
Potenzial zum Running Gag bewiesen auch die „Geister-Glocken“ von Langerfeld, die in Februar-Nächten 2025 rätselhaft läuteten. Ein Anwohner zeigte sich nach einer schlaflosen Nacht „ganz kaputt“; das nutzten Scheugenpflug, Neutag & Rasch gnadenlos für Einspieler aus – irgendwas ist ja in Wuppertal im Grunde immer kaputt… Einer der „Nachrufe“ war ernst gemeint: Zur Erinnerung an das verstorbene „Original“ Paul Decker intonierten die drei leicht abgewandelt einen „Striekspöen“-Hit: „Olle Hüsjer, komplett marode Brücken: Siehste, dat is Wuppertal…“ „Tschüß Paul“, rief Scheugenpflug am Ende der Hommage gen Himmel.
Die bewährte Rollenverteilung sorgte auch diesmal für viel Spaß: Ulrich Rasch garantierte vom „Heimatlied“ bis Grönemeyer sichtlich gut gelaunt für den musikalischen Takt und animierte zu Beginn sogar zu einem kurzen Tänzchen. Jürgen Scheugenpflug sang mit Reibeisenstimme à la Wilfried Schmickler gewohnt Bissiges: „Diese Heuchelei halt‘ ich nicht länger aus“, ätzte er nach Udo Jürgens‘ „Ehrenwertem Haus“ zu Missständen im „Haus der Integration“ – integrieren sei schwer, wenn nie ein Mitarbeiter erreichbar sei…
Cronenberg-Party als Altenheim-Polonaise
Und Jens Neutag legte mal wieder mit treffstarken Soli vor – als begnadeter „Karl Lauterbach“-Parodist oder mit stur-trockenen Vorschriften wie „Stirbt ein Beamter während einer Dienstreise, ist die Dienstreise beendet“… Gelenkt hatte er dorthin von dieser 2025er-Meldung: FPD-Frau Karin van der Most hatte den Berliner Platz in Oberbarmen erst als bedrohlich bezeichnet, um nach Protest zum „gefühlten“ Angstraum zurückzurudern – für Neutag der „Steilpass“ zum Thema „German Angst“.
Verzeihlich waren auch die kleinen Späße auf Kosten Cronenbergs: Das 975. Stadtteiljubiläum fehlte beim „Talfahrt“-Rückblick nicht, statt Party mit Ramon Roselly & Co. blickte das vergnügte Publikum indes auf eine Altenheim-Polonäse rüstiger Senioren… In die gleiche Kerbe schlug feixend auch Jens Neutag: „Viele Cronenberger haben das Gründungsjahr noch selber miterlebt…” Am Ende riefen die drei Spaßmacher diesmal zu Spenden an die Initiative „Famos!“ auf, die benachteiligte Familien in Oberbarmen fördert – nicht zuletzt um den (Zitat) „Drecksäcken“ von der AfD den Wind aus den Segeln zu nehmen. Da bewiesen Scheugenpflug, Rasch und Neutag einmal mehr: Bei aller spitzen Zunge hat das „Talfahrt“-Trio doch das Herz am rechten Fleck…!
Nocke-Abwahl: Diesmal zu spät, aber für 2026 gesetzt?
Ein Thema, man könnte Wetten abschließen, dürfte für die nächste „Talfahrt 2026“ gesetzt sein: Ziemlich zeitgleich mit ihrem ersten Auftritt bei KNIPEX hatte der Stadtrat Matthias Nocke bei der Dezernenten-Wiederwahl durchfallen lassen. Fürs sofortige „Verwursten“ war das wohl zu knapp – man darf gespannt sein…! Zumal: Bei der aktuellen Ausgabe hatte Nocke vielfach die undankbare Rolle, per Einspieler an allen (un-)möglichen Stellen sagen zu müssen: „Ich bin ja auch kein Fachmann…“ Aber: Wer ist das schon in Wuppertal – die „Talfahrer“ Scheugenpflug, Neutag & Rasch allemal…!





