24.02.2026, 19.49 Uhr   |   Matthias Müller   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Zillertaler Straße: Heftige Debatten bei Stadt-Abend zu Bauprojekt

Artikelfoto

Auf diesem ehemaligen Areal einer Werkzeugfirma an der Zillertaler Straße, wo aktuell unter anderem auch Wohnmobile, Wohnwagen & Co. einen Stellplatz gefunden haben, sollen Einfamilien- und Doppelhäuser entstehen. | Foto: Meinhard Koke

Die Stimmung bei dem städtischen Infotermin war aufgeheizt am Mittwochabend letzter Woche: Rund 50 Interessierte waren der Einladung der Stadt im Rahmen des Bauleitplanverfahrens zur Zillertaler Straße gefolgt – und machten ihrem Unmut lautstark Luft. Auf dem rund ein Hektar großen Gelände der ehemaligen Werkzeugfirma Kottmann soll ein Wohngebiet entstehen. Das Grundstück wurde mit Unterstützung der städtischen Wirtschaftsförderung an ein Architekturbüro verkauft. Geplant sind zwölf Einheiten mit Ein- und Mehrfamilienhäusern.

Verfahren läuft seit 2023
Bereits zu Beginn der Versammlung war die angespannte Atmosphäre deutlich spürbar. Trotz eiskalter Temperaturen: Es „brannte die Luft“ in der Firmenhalle – teilweise schlug den Verantwortlichen offener Zorn entgegen, nachdem Bezirksbürgermeisterin Pia Kötter die Veranstaltung eröffnet hatte. Stephanie Kahrau von der Stadtplanung erläuterte, dass das Gebiet in der Nähe eines Naturschutzbereichs liege und als Mischgebiet ausgewiesen sei. Das Planverfahren sowie der Aufstellungsbeschluss seien bereits Ende 2023 erfolgt. Dennoch stünden noch mehrere Verfahrensschritte aus; ein Baubeginn sei voraussichtlich nicht vor 2027 zu erwarten.

Anzeige

Naturschutz im Fokus
Besonders im Mittelpunkt der Diskussion stand das sogenannte „Grabeland“ – eine bislang unbebaute Fläche mit Gärten, die viele gerne als Naturschutzgebiet erhalten sehen möchten. Biologe Fritz Ludescher hatte das Grundstück im Hinblick auf naturschutzrechtliche Belange untersucht: Trotz des Vorkommens von Waldohreule und Zwergfledermaus konnte er nach eigenen Angaben keine rechtlichen Hinderungsgründe für eine Bebauung feststellen.

Architekten verteidigen Pläne
Im weiteren Verlauf stellten sich die Architekten Antonio Pinca und Robert Düssel den Fragen der Gäste. Düssel eröffnete mit den Worten: „Wir sind die Bösen!“ – ein Satz, der die angespannte Lage treffend widerspiegelte. Die Eigentümer erklärten, verschiedene Nutzungsvarianten geprüft zu haben, darunter auch sozialen Wohnungsbau oder alternative Konzepte wie Tiny Houses. Letztlich sei jedoch nur eine Bebauung mit Einfamilien- und Doppelhäusern wirtschaftlich und planungsrechtlich umsetzbar gewesen. Konkrete Angaben zu möglichen Kaufpreisen konnten sie nicht machen.

Widerstand angekündigt
Marc Walter von der Bauleitplanung der Stadt betonte, dass sozialer Wohnungsbau stets in das jeweilige Gebiet passen müsse. „Die Stadt baut nicht, die Stadt bietet nur an. Den Rest entscheidet der Markt“, so Walter. Zugleich unterstrich er, dass bei der geplanten Bebauung Aspekte wie Wasserabfluss und der Schutz des angrenzenden Naturschutzgebiets berücksichtigt würden. Am Ende des Abends kündigten einige Anwohner an, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um das Bauvorhaben in der geplanten Form zu verhindern.

Anzeige

Klare Forderungen von „Haus Zillertal“-Chefin
Mit Lea Rücker meldete sich auch die Inhaberin des Café-Restaurants „Haus Zillertal“ in einem offenen Brief zu Wort: Die Gastronomin begrüßte darin grundsätzlich die Schaffung von Wohnraum, formuliert zugleich aber deutliche Bedingungen. So fordert Rücker, deren Traditionshaus am unteren Ende der Zillertaler Straße gelegen ist, vor allem klare Regelungen für Zufahrt, Bauphase und Starkregenvorsorge – bei dem Jahrhundert-Hochwasser im Jahr 2021 war das „Haus Zillertal“ schwer durch das Hochwasser des Gelpe-Saalbaches betroffen.

Bezirksbürgermeisterin Pia Kötter (2.v.l.) moderierte den städtischen Infoabend zu den Bauplänen an der Zillertaler Straße. | Foto: Matthias Müller

Zillertaler Str. ist Lebensader
Als zentrale Erschließung ins Gelpetal müsse die Zillertaler Straße als Zufahrt, Rettungsweg und „Lebensader“ offen gehalten werden und dürfe nicht zum Nadelöhr werden. Lea Rücker fordert verbindliche Vorgaben zur Baulogistik und Verkehrsführung – etwa zu Bauphasen, Anlieferzeiten, Engstellen und Begegnungsverkehr – sowie feste Ansprechpartner: „Die Zillertaler Straße ist für das Gelpetal eine Lebensader – für Lieferverkehr, Gäste und Rettungswege. Die muss während der Bauphase und dauerhaft verlässlich funktionieren.“

„Was oben abregnet fließt zu uns runter…“
Vor dem Hintergrund des Hochwasserereignisses 2021 mahnt die „Haus Zillertal“-Inhaberin ein belastbares Entwässerungs- und Starkregenkonzept an. Dieses müsse Rückhalteflächen, Überlastfälle und Abflusswege berücksichtigen: „Starkregen ist für mich nicht theoretisch. Was oben auf der Zillertaler Straße regnet, kommt früher oder später ganz konkret als Wasser an.“

Weitere Informationen zum Bebauungsplan sind auf der Internetseite der Stadt Wuppertal abrufbar.