23.03.2026, 09.36 Uhr   |   Oliver Grundhoff   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Notdienst am Hahnerberg: Auch Apotheken im Dorf streiken heute

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Wer am heutigen Montag, 23. März, sein/ihr Arztrezept in einer Cronenberger Apotheke einlösen will, steht vor einer verschlossenen Türen. Grund ist der bundesweite Streik, an dem sich auch die vier Dorper Apotheken beteiligen wollen. Trotz des Protests lassen die vier Apotheken im CW-Land ihre KundInnen natürlich nicht im Regen stehen: Für dringende Notfälle bietet die Hahnerberg-Apotheke an der Cronenberger Straße 347 am heutigen Streiktag einen Notdienst.

Anlass für den Ausstand ist ein Aufruf des Apotheken-Verbands, der zu Demonstrationen mit zentralen Kundgebungen in Berlin, Düsseldorf, Hannover und München aufgerufen hat. Der Streik ist angesichts einer sich dramatisch zuspitzenden Situation dringend erforderlich, findet Uwe Jockel, Inhaber der Dorper Apotheke. Arbeitsaufwand und Entlohnung drifteten seit Jahren immer weiter auseinander. Wie bei vielen seiner Kollegen sind auch bei ihm 60-Stunden-Wochen mittlerweile nicht ungewöhnlich. Der Apotheker-Verband hat deswegen eine Resolution zur Zukunft der Apotheken verabschiedet. Darin wird unmissverständlich festgestellt, „dass die wohnortnahe Arzneimittelversorgung aufgrund der sehr schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Apotheken und der daraus resultierenden Schließungswelle an einem kritischen Wendepunkt angekommen ist“.

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Konkret fordert der Verband die Bundesregierung dazu auf, die zugesagte Erhöhung des Packungsfixums auf 9,50 Euro unverzüglich umzusetzen. Dieses Vorhaben steht auch so im Koalitionsvertrag und mit den zusätzlichen 1,15 Euro soll das Apothekenhonorar zeitgemäß angepasst werden, nachdem es in den letzten 13 Jahren trotz steigender Kosten und Inflation nicht mehr erhöht wurde. Zudem fordert der Verband, den Gedankenspielen „Apotheke ohne Apothekerin oder Apotheker” eine klare Absage zu erteilen. „Fakt ist es, dass zu wenig Geld in der Gesundheitskasse ist und es bleibt an denjenigen hängen, wo bis dato am wenigsten Widerstand zu erwarten war“, erklärt Markus Hausmann (Amboss-Apotheke) die Situation der Apotheken.

Apotheken-Sterben in Deutschland
Im Gegensatz zu Ärzten und der Pharmaindustrie verfügen Apotheker über keine stimmgewaltige Lobby. Ein Blick auf die nüchternen Zahlen belegt, es muss etwas geschehen: „Derzeit schließen pro Tag etwa 1,5 Apotheken in Deutschland”, beschreibt Julian Grabner, Inhaber der Löwen-Apotheke, die Lage. Und die Tendenz ist seit Jahren steigend. Mit 20 Apotheken pro 100.000 Einwohner liegt Deutschland mittlerweile im unteren Drittel im europäischen Vergleich. Sehr zum Nachteil der Kunden, die immer weitere Wege in Kauf nehmen müssen. Gleichzeitig sind die Betriebskosten einer Apotheke in den letzten zehn Jahren um gut 70 Prozent gestiegen. „Wir würden unser Personal auch gerne besser bezahlen“, erklärt Meike Roßberg, Inhaberin der Hahnerberg-Apotheke, im Gespräch mit der CW. Aber dies ist aufgrund der hohen Betriebskosten einfach nicht möglich. Deswegen wechseln viele der gelernten Kräfte lieber zur Pharmaindustrie oder in andere Bereiche des Gesundheitssystems.

Online-Apotheken: Bequem, aber kein Notdienst
Was jedoch ständig zunimmt, sind die Anforderungen, die an den Betrieb einer Apotheke gestellt werden. Problematisch ist auch das wachsende Feld der Online-Apotheken. Diese machen zwar nur etwa acht Prozent des derzeitigen Medikamentenumsatzes aus, sind aber dennoch ein „Störfaktor“. Was viele Käufer vergessen, die nur auf den letzten Cent schielen: Online-Apotheken bietet im Notfall keinen 24-Stunden-Notdienst, und im Notfall ist der Ruf nach kurzen Wegen plötzlich wieder laut. Sollte sich an der misslichen Lage nichts ändern, wird es aber irgendwann keine Apotheken mehr in der Nähe geben…!

Online-Petition
Es gibt eine Online-Petition, welche die Umsetzung des Koalitionsvertrages einfordert, um dem Apotheken-Sterben entgegen zu wirken: Via www.openpetition.de/!fgpmn kann diese unterzeichnet werden.