10.04.2026, 16.48 Uhr   |   Matthias Müller   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Betrug mit KNIPEX-Altmetall: In die eigene Tasche „verwertet…!

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Die beiden wegen der Altmetall-Manipulationen vor Gericht stehenden Unternehmer (2.v.l./2.v.r.) mit ihren Verteidigern am Prozesstag vor dem Amtsgericht. | Foto: Matthias Müller

Metallschrott ist alles andere als für die Tonne…! Dass sich das Geschäft mit Altmetall auch zum Wirtschaftskrimi eignet, wurde Mitte März am Amtsgericht Wuppertal deutlich: Am Eiland mussten sich der frühere Cronenberger Unternehmer Rudolf E. (72) und sein damaliger Geschäftsführer Andreas Peter S. (57) wegen gewerbsmäßigen Betrugs in insgesamt 42 Fällen verantworten. Laut Anklageschrift sollen E. und S. in 36 Fällen gemeinsam, der Angeklagte S. in sechs Fällen allein, bei der Verwertung von Metallschrott betrogen haben. Geschädigt wurde die Firma KNIPEX – der Cronenberger Zangen-Weltmeister soll um einen Millionenbetrag geprellt worden sein. 

Waagen-Manipulationen als zentrales Betrugssystem
Das inzwischen in einen großen Entsorgungskonzern aufgegangene Küllenhahner Traditionsunternehmen war damit beauftragt, Metallschrott von der Firma KNIPEX abzuholen und als Sekundärrohstoff zu verwerten. Je nach Rohstoffpreis erhielt KNIPEX dafür eine entsprechende Vergütung. Das dubiose Geschäftsmodell: Der ehemalige Firmeninhaber und sein Geschäftsführer sollen die analoge Lkw-Waage so manipuliert haben, dass ein erhöhtes Leergewicht angezeigt wurde. Ergebnis: Mit KNIPEX sollen auf diese Weise geringere Metallschrottmengen abgerechnet worden sein. Nachdem die Lkw-Waage später digitalisiert worden war, soll der Angeklagte S. laut Staatsanwaltschaft die festgestellten Wiegeergebnisse nachträglich manipuliert haben, indem er an einem zweiten Computerterminal das Lkw-Leergewicht erhöht habe.

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420.000 Euro Schaden in dreieinhalb Jahren
Laut Anklageschrift soll Unternehmer E. die Manipulationen bereits vor 2014 vorgenommen haben. Vor dem Amtsgericht ging es jedoch nur um die 42 Fälle zwischen Januar 2018 und Juni 2021. Allein in diesen knapp dreieinhalb Jahren sei KNIPEX durch die Betrügereien mit dem Leergewicht ein Schaden von rund 420.000 Euro entstanden, heißt es in der Anklage. Rund 30 Minuten benötigte die Staatsanwaltschaft, um die Anklageschrift zu verlesen. Akribisch wurden alle Daten der 42 Monate sowie die Verluste infolge der Betrügereien aufgeführt.

Verteidigung zweifelt Berechnungen an
Der Kölner Rechtsanwalt Dr. Zeller, der Andreas Peter S. vertrat, zeigte sich bestens vorbereitet. Nach der Verlesung ging er sofort in die Offensive: Er stellte den Antrag, sein Mandant solle wegen seiner Selbstanzeige unter die Kronzeugenregelung fallen. Die Manipulationen – rund 500 Kilogramm pro Ladung weniger abzurechnen – seien ein System der Firma E. gewesen, argumentierte Zeller. Zugleich zog der S.-Vertreter die von der Anklage vorgebrachten Summen grundsätzlich in Zweifel: „Keine Zahl ist richtig!“ So seien beispielsweise unterschiedliche Lkw mit unterschiedlichem Gewicht im Einsatz gewesen. Zeller verlangte daher eine genaue Darlegung der jeweiligen Berechnungen und stellte infrage, ob überhaupt ein Schaden entstanden sei…

„Deal“: Verurteilung zu Geldbußen
Richter Christian Podeyn zeigte sich überrascht. Er schloss die Öffentlichkeit aus – Anwälte, Staatsanwältin und Richter verhandelten hinter verschlossener Tür. Auf dem Gerichtsflur machten schnell Spekulationen die Runde: Kommt es zu einem Deal? Als nach rund 40 Minuten die Öffentlichkeit wieder zugelassen wurde, schien die Stimmung unter Anwälten und Angeklagten deutlich entspannter. Warum, zeigte sich kurz darauf: Richter Podeyn entließ sämtliche geladenen Zeugen und stellte das Verfahren gegen beide Angeklagten gegen Zahlung von Geldbußen ein. Laut dem „Deal“ muss Rudolf E. insgesamt 40.000 Euro an vier Vereine zahlen. Andreas Peter S. hat derweil 7.800 Euro an die Staatskasse zu entrichten.

KNIPEX-Chef: Kritik an Konzern
Den Prozesstag verfolgte auch KNIPEX-Chef Ralf Putsch. Gegenüber der CW erklärte er, dass KNIPEX seit Generationen mit der damals am Küllenhahn ansässigen Entsorgungsfirma E. zusammengearbeitet habe. Putsch erläuterte, dass der Entsorgungskonzern R., der die Küllenhahner Firma übernommen hatte, im Juli 2021 erste anonyme Hinweise auf betrügerische Handlungen erhalten habe. Enttäuscht zeigte sich Putsch darüber, dass KNIPEX zunächst nicht informiert worden sei. Den Betrügereien sei sein Unternehmen erst auf die Spur gekommen, als auch an der Oberkamper Straße ein anonymer Hinweis einging.

„Vertrauensbruch und mangelnde Kontrolle“
„Natürlich waren wir schockiert, dass uns ein sehr langjähriger Geschäftspartner, dem wir immer vertraut hatten, über so lange Zeit und in so großem Umfang betrogen hat“, sagte Firmenchef Putsch. Ebenso entsetzt habe ihn, dass der Konzern R. zunächst nicht reagiert habe. Daraufhin leitete KNIPEX zivilrechtliche Schritte ein und klagte auf Schadenersatz – es ging immerhin um einen siebenstelligen Betrag. Nun kam Bewegung in die Angelegenheit: Geschäftsführer Andreas Peter S. erstattete Selbstanzeige.

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Während Ex-Firmenchef Rudolf E. zunächst jede Schuld von sich gewiesen habe, gab S. zu, auch weitere Firmen betrogen zu haben. Zugleich bot er KNIPEX einen gewissen Schadensersatz an. Schließlich übernahm auch der frühere Unternehmer E. Verantwortung – laut KNIPEX-Chef Putsch in finanziell nennenswertem Umfang. Der gesamte Vorgang sei schon schlimm genug gewesen, kommentierte Ralf Putsch die Ereignisse. Besonders empört habe ihn jedoch das Verhalten des Konzerns: „Unter deren Inhaberschaft gingen die Betrügereien ungestört weiter“, kritisiert der Cronenberger Unternehmer. Im Hause R. habe es offenbar keine wirksamen konzernweiten Kontrollmechanismen gegeben, um betrügerische Handlungen von Mitarbeitenden zu verhindern.

Schadensersatz in Millionenhöhe
Schließlich habe der Konzern sogar zulasten einer gründlichen Aufklärung agiert: Einzelne Beweismittel zu den betrügerischen Handlungen seien vernichtet worden. Dadurch sei auch die Chance vertan worden, den weiteren Weg der unterschlagenen Stahlmengen nachzuvollziehen. Immerhin aus der Sicht von KNIPEX: Zivilrechtlich wurde Schadensersatz in Millionenhöhe geleistet…!