21.09.2026, 19.49 Uhr | Lutz Meyer-Pächtel | Artikel drucken | Instapaper | Kommentare
Roland Mönig im „Portrait“: „Museum lag mir immer am Herzen“
Der Direktor des Wuppertaler Von der Heydt-Museum, Dr. Roland Möning (mi.), war in der Reihe „Portrait“ der Evangelischen Gemeinde Cronenberg-Küllenhahn zu Gast bei Martin Probach (li.) und Prof. Dr. Martin Fleuß. | Foto: Lutz Meyer-Pächtel
Seit über sieben Jahren finden im Evangelischen Gemeindehaus Küllenhahn regelmäßig „Portrait-Abende“ statt. Die beiden Gastgeber Martin Probach und Prof. Dr. Martin Fleuß konnten bei der neuesten Auflage dieser Talk-Reihe Dr. Roland Mönig begrüßen, seines Zeichens Direktor des Wuppertaler Von der Heydt-Museums. Damit knüpfte der Portrait-Abend gewissermaßen an seine Wurzeln an, wie Martin Fleuss bei der Begrüßung betonte: Bei der Premiere 2019 war mit Dr. Gerhard Finckh Mönigs Amtsvorgänger als Museumsdirektor der allererste Gast auf dem Küllenhahn.
Von Marc bis Turner
Vor rund 80 Gästen an der Nesselbergstraße erwies sich Mönig als wortgewandter Gesprächspartner für einen launigen Abend. So entlockten ihm die bestens vorbereiteten Moderatoren auch Kindheitserinnerungen, die den heutigen Museumsdirektor schon früh mit Kunst und Literatur vertraut machten. Der gebürtige Bochumer beschrieb die Sonntagsausflüge mit der Familie zum Museum Folkwang in Essen, bei denen er mit dem Expressionismus von Franz Marc in Berührung kam, aber auch die Besuche im Bochumer Bergbaumuseum. Mönig erinnerte sich an eine Reise mit seinem Vater nach London und daran, wie er in der Tate Gallery von den „Licht- und Farbstürmen“ der Werke von William Turner „erfasst“ wurde.
Auf die Frage, wie ein Museum in den heutigen, von sozialen Medien und Influencern geprägten Zeiten mit Kindern und Jugendlichen umgehen müsse, erklärte der 61-Jährige: „Kinder zwischen drei und neun Jahren verstehen ein Museum wie ein Bilderbuch. Da muss man gar nicht viel tun.“ Mönig schilderte, wie ein Satz seines Physiklehrers ihn letztlich zur Kunst als Beruf finden ließ: „Was immer ihr macht, ihr müsst es gut machen. Und wenn ihr etwas mit Leidenschaft macht, werdet ihr es gut machen.“ So studierte er Germanistik und Kunstgeschichte und schaffte es sogar, seine Dissertation über beide Fakultäten zu spannen, indem er über „Franz Marc und Georg Trakl: ein Beitrag zum Vergleich von Malerei und Dichtung des Expressionismus“ schrieb.
„Nicht ich habe den Weg gefunden“
Bereits 1995 führte ihn sein Weg für knapp zwei Jahre als freier Mitarbeiter nach Wuppertal ins Von der Heydt-Museum: „Ich brauchte erstens Geld und zweitens Erfahrung – nicht ich habe den Weg gefunden, der Weg hat mich gefunden“, schmunzelte Mönig. Nach weiteren 17 Jahren als Assistent und späterer Nachfolger des Direktors des Museums Kurhaus Kleve leitete er fast sieben Jahre lang das Saarland Museum in Saarbrücken. Mit diesen Erfahrungen freute er sich, als ihn 2020 der Ruf zurück nach Wuppertal ereilte: „Dieses Museum hat mir immer am Herzen gelegen“, erklärt Mönig: „Das Von der Heydt-Museum hat einen Bestand, der sich von der Qualität und auch von der Quantität her mit den großen staatlichen Häusern messen kann.“ Schließlich befinden sich in Wuppertal 30.000 Arbeiten auf Papier, 700 Skulpturen und 2.300 Gemälde.
Zwischen Provenienzforschung und Museumsjubiläum
Neben kurzweiligen und humorvollen Anekdoten wurden an dem „Portrait“-Abend auch ernste Themen behandelt. Auf immer wieder aufkommende Diskussionen angesprochen, in denen es um einzelne Werke aus dem Bestand des Museums geht, die vom NS-Regime ihren Eigentümern gestohlen wurden, erklärte Roland Mönig, wie verantwortungsbewusst man in Wuppertal mit dieser Frage umgehe: „Wir gehören zu den wenigen Museen, die eine eigene Stelle für Provenienzforschung eingerichtet haben.“ Dort kümmere sich eine Mitarbeiterin ausschließlich darum, Herkunft und „Biografie“ der im Besitz des Museums befindlichen Werke zu erforschen, um an die Nachfahren der rechtmäßigen Eigentümer heranzutreten.
Ausblick auf nächstes Jahr
Der Direktor gewährte auch einen kleinen Einblick in die Planungen für das Jubiläum des Museums im kommenden Jahr. So werde es ab Februar eine Ausstellung mit dem Titel „125 Jahre Jetzt“ geben und im Herbst eine Ausstellung, die sich mit dem Thema „Wege in die Moderne“ beschäftige: „Sehr viele Wege der Moderne führten durch das enge Tal der Wupper. Der erste Picasso und der erste Kandinsky wurden hier im Tal gekauft“, stellte Mönig den lokalen Bezug zum Ausstellungsthema und zur Geschichte des Von der Heydt-Museums her.





