22.06.2011, 10.15 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Kritik: Zu viel Geld für den Tunnel Hahnerberg?

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Während für den Umbau der Kreuzung Cronenfeld seit Jahren das Geld fehlt, sitzt das Portemonnaie ein paar hundert Meter weiter lockerer: 900.000 Euro steckt der Landesbetrieb Straßen.NRW aktuell in die technische Sanierung des Hahnerberg-Tunnels. Wie berichtet, wird dabei die Sicherheitstechnik des L 418-Tunnels auf den neusten Stand gebracht. Und zwar entsprechend der Bundes-Richtlinie für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln (RABT), die nach verheerenden Unglücken im Mont Blanc-Tunnel sowie im Tauern- und Gotthardtunnel mehrfach verschärft wurde.

Grundsätzlich sicher richtig. Aber alle 25 Meter Fluchtweg-Displays, die den kürzesten Weg aus einem Tunnel weisen, der nur 133 Meter lang ist, an dessen Portalen unschwer das Licht am anderen Ende des Tunnels erkennbar ist – ginge das nicht eine Nummer sparsamer? Nein, sagt ein Mitarbeiter des Landesbetriebs Straßen.NRW auf CW-Nachfrage: Die RABT sei eine Bundes-Richtlinie, „und die wird umgesetzt”. Was, wenn im Hahnerberg-Tunnel gespart würde und hier dann etwas passierte – dann wäre der Landesbetrieb „der Gelackmeierte“, so der Landesbetrieb-Mitarbeiter. Ein Kollege hingegen äußert Zweifel, ob dieser Aufwand notwendig sei: „Das ist ja nur ein Tunnelchen”, so der Mann gegenüber der CW.

Zweifel hat auch Dr. Detlef Mamrot: 900.000 Euro seien eine Menge Geld für den Hahnerberg-Tunnel, bei dem man sich frage, was an ihm denn so gefährlich sein möge; Mamrot: „Und ich meine, die Frage ist berechtigt.” Mamrot kann sich ein Urteil erlauben: Der Cronenberger Ingenieur, der ein Büro an der Hohlenscheidterstraße betreibt, ist anerkannter Fachmann in Sachen Brandschutz, Sachverständiger für die Prüfung des Brandschutzes oder auch vom Eisenbahn-Bundesamt anerkannter Prüfgutachter. Laut Mamrot ist die RABT keine starre Richtlinie, der Landesbetrieb könne durchaus individuelle Sanierungslösungen für die jeweiligen Tunnel entwickeln: „Dass beim Tunnel Hahnerberg abgewogen wurde, ist für mich nicht erkennbar“, kritisiert Dr. Detlef Mamrot.

Begründung: Der Tunnel sei mit 133 Metern sehr kurz, die Tunnelhöhe eher groß, vom Anfang bereits das Tunnel-Ende gut zu erkennen und schließlich gebe es auch keinen Begegnungsverkehr – Fazit des Brandschutzexperten Mamrot: „Eine besondere Gefährdung, die die Investition von 900.000 Euro rechtfertigen, ist für mich nicht zu erkennen. Das Vorhaben sollte hinterfragt werden.”

Dafür dürfte es zu spät sein, aber Detlef Mamrot hat eine andere Anregung: An den Portalen des Burgholz-Tunnels sollten die Hinweise „Aus Sicherheitsgründen Radio einschalten” doch allmählich einmal mit dem Hinweis „WDR 2” ergänzt werden. Schließlich sei dieser Sender der einzig empfangbare in dem Vorzeige-Tunnel. Und hohe Kosten würde dieser sinnvolle Zusatz sicherlich nicht verursachen, so Mamrot abschließend.

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