07.12.2011, 10.10 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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„Talfahrt“: Satire-Rückblick war Höhenflug fürs Publikum

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Hat ohnehin die Narrenkappe auf, aber in seinem satirischen Jahresrückblick schlug Jürgen H. Scheugenpflug auch das "Trömmelsche" und führte eine Polonaise von Vohwinkel nach Vorpommern an...

Hat ohnehin die Narrenkappe auf, aber in seinem satirischen Jahresrückblick schlug Jürgen H. Scheugenpflug auch das "Trömmelsche" und führte eine Polonaise von Vohwinkel nach Vorpommern an...

Hat ohnehin die Narrenkappe auf, aber in seinem satirischen Jahresrückblick schlug Jürgen H. Scheugenpflug auch das "Trömmelsche" und führte eine Polonaise von Vohwinkel nach Vorpommern an...

Seit zwei Jahren lassen die Kabarettisten Jürgen H. Scheugenpflug und Jens Neutag, am Klavier begleitet von Ulrich Rasch, das jeweilige Jahr im Tal satirisch-musikalisch Revue passieren. Bei ihrer dritten Rückschau nahmen „Scheuge“, Neutag & Rasch erstmals auch das Cronenberger Publikum mit auf ihren „Schweinsgalopp“ durch das Tal-Jahr: Unter der Überschrift „Talfahrt“ erklomm das Terzett am 5. Dezember 2011 die Südhöhen und präsentierte seinen satirischen Jahresrückblick in der Alten Schmiede der Firma Knipex.

Trotz Schneeeinbruch vor gut gefüllten Reihen tauten die Kabarettisten ihr Publikum gleich auf: Nein, es hagelte keinen Hohn & Spott zum Winterdienst, das Terzett machte mit einem Schunkellied „auf“; unter dem Titel: „Kommste mal nach Wuppertal“… – „dann siehste ganz viel Elend“, intonierte Jürgen H. Scheugenpflug: „Ganz viel Schulden, Großbaustelle Döppersberg, Engels-Haus kaputt“ und, und, und – „siehste, das ist Wuppertal!“ Aber das diesjährige Elend im Tal hatte auch seine Vorzüge: Es lieferte den „Schandmäulern“ viel Stoff, um anderthalb vergnügliche Stunden lang über die Bergische Metropole herzuziehen – „siehste, das ist auch Wuppertal!“, so viel Unterhaltungswert muss eine Stadt erst einmal schaffen!

"Che Neutag" warf diverse Blicke über den Bergischen Tellerrand hinaus und forderte ein politisches Rotationssystem nach dem "Windel-Wechsel-Prinzip"...

"Che Neutag" warf diverse Blicke über den Bergischen Tellerrand hinaus und forderte ein politisches Rotationssystem nach dem "Windel-Wechsel-Prinzip"...

Vor allem „Kosmopolit“ Jens Neutag, weil in Velbert-Langenberg lebend und in Remscheid aufgewachsen offenbar mit „weiterem Blick“, wagte sich auch über die Wupper hinaus aufs bundespolitische Parkett. Dazwischen immer wieder musikalische Intermezzi, begleitet vom „Piano-Tester“ Ulrich Rasch – diese Mischung machte dem Publikum in der Knipex-Schmiede Spaß; gelacht & geklatscht wurde reichlich. In Quartalen arbeiteten „Scheuge“ und Neutag „20/11“ auf; ob WSV & WSW, CDU & SPD, Barmen & Elberfeld – der Themenreigen reichte von Vohwinkel bis Beyenburg(-er), und weiter ging die „Lustreise“ zu den Euro-Krise geschüttelten Griechen in Wichlinghausen und am Fuße der Akropolis sowie dem Italiener um die Ecke und am Tiber („Da leben sie am Mittelmeer und haben keine Mittel mehr…“). Aber auch Angela Merkel, Guido Westerwelle und Hermann Gröhe bekamen ihr Fett weg – und Freiherr zu Guttenberg ließen Scheugenpflug und Neutag natürlich auch nicht „unbespöttelt“…

"Wo die Autos noch rauschen,..." - als Scheuge, Neutag & Rasch ihre Version des "Bergischen Heimatliedes" vortrugen erhoben sich ihre Zuhörer auf und legten die Hand aufs Herz - ganz spontan war das nicht, aber machte Spaß!

"Wo die Autos noch rauschen,..." - als Scheuge, Neutag & Rasch ihre Version des "Bergischen Heimatliedes" vortrugen, erhoben sich ihre Zuhörer und legten die Hand aufs Herz - ganz spontan war das nicht, aber machte Spaß!

Zu den Running-Gag-Lieferanten des Abends zählten, neben dem Helios-Klinikum, die Wuppertaler Stadtwerke. Zur Einführung des Vorne-Einstiegs in WSW-Bussen hieß es: „Da haben die Wuppertaler endlich einmal das Gefühl, vorne mit dabei zu sein“, kommentierte Jürgen H. Scheugenpflug die WSW-Neuerung. Ganz besonders intensiv widmeten sich „Scheuge“ & Neutag Anna Wittmer – als wenn es Barmens Citymanagerin es nicht schon schwer genug hätte…Dass Wittmer die Aktion „Liebenswertes Barmen“ ausgerufen habe, warf bei den Kabarettisten die Frage auf: „Wohin denn dann nur mit den Barmern?“ Kein Wunder auch, dass eine Video-Überwachung des Berliner Platzes abgelehnt worden sei – „wer soll sich das ganze Elend denn auch angucken?“ Und auch Sonnborn kam nicht ungeschoren davon: Dass am Autobahnkreuz die Lichter ausgingen, fand Jens Neutag keineswegs tragisch, denn: „Sonnborn ohne Sonne, da kann man doch von Stadtteilverschönerung sprechen!“

Neben CDU-Fraktionschef Bernhard Simon und Manfred Zöllmer traten die Kabarettisten auch der Polit-Kaste in Berlin gegen’s Schienbein: Bundespräsident Christian Wulfs Nähe zu AWD-Chef Maschmeyer, Gerhard Schröders Einsatz für Russen-Gas und Walter Riesters Rente („Die ist vor allem eine Rente für Riester“) ließen „Che Neutag“ radikal fordern: „Regierungen müssen gewechselt werden wie Windeln – und zwar aus demselben Grund!“ Nicht wundern konnte sich Neutag über die Wahl von Philipp Rösler zum FDP-Chef („Mal ganz ehrlich, bei dem Zustand der Partei hätte ich mir auch einen Arzt genommen“) und auch warum Ronald Pofalla wirklich „die Fresse“ des Parteifreundes Bosbach nicht mehr sehen konnte, hatte Neutag „ausermittelt“: Weil „die Fresse“ dafür gesorgt hatte, dass sich die CDU in Wuppertal wieder lieb hat.

Aber Jürgen H. Scheugenpflug und sein Partner Neutag entließen ihr ohnehin nicht Trübsal blasendes Publikum nicht ohne Vision: Nein, „Wuppertal raus aus der Euro-Zone“ war’s nicht, auch gegen „Cronenberg an Remscheid verkaufen“ regte sich spontaner Einspruch; dass das Publikum nach 100 Minuten Talfahrt frohlockend nach Hause ging, lag an einer anderen Perspektive, die Scheugenpflug & Neutag „den NRW-Griechen“ mit auf den Heimweg gaben: Dem Klimawandel sei Dank würden Köln und Düsseldorf bald im Rhein untergehen und Wuppertal werde dann neue Landeshauptstadt – wer auch sonst…!

Nur eine Frage ließen Scheugenpflug, Neutag & Rasch offen: War denn in Cronenberg überhaupt nichts passiert, worüber es sich zu spötteln lohnte…? Aber auch, wenn „em Dorpe“ alles „im Lack“ ist, war dieser satirische Abend alles andere als eine Talfahrt. Wer sie verpasst hat, hat noch drei Gelegenheiten, den launigen Abend zu erleben: Am 8.12.2011 gibt’s „Talfahrt“ in der Färberei, am 9.12.2011 in der Ref. Gemeinde in Ronsdorf und am 10.12.2011 im Brauhaus Barmen. Karten für den Jahresrückblick rund um Wuppertal, Westerwelle, Wittmer, WSV, WSW & Co. gibt’s unter www.wuppertal-live.de.

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