21.12.2011, 12.16 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Nach 152 Jahren: Bäckerei Evertsbusch schließt

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Der Schein trügt: Mit feuchten Augen verabschieden sich Dirk und Gudrun Evertsbusch (3.v.li.), Tante Magdalene Budt (mi.) sowie die Mitarbeiterinnen der Berghauser Traditionsbäckerei von ihren treuen Kunden.

„Wir finden es doof, dass Ihr schließt“, schreiben die Kinder der Betreuungseinrichtung der Grundschule Rottsieper Höhe – das „Doofe“ ist: Am 24. Dezember 2011 schließen Dirk und Gudrun Evertsbusch ihre Bäckerei an der Berghauser Straße 62. Nicht nur über die Weihnachtsfeiertage, die Bäckerei schließt für immer und damit endet eine besondere Familientradition in Cronenberg.

Es war im Jahr 1859, als Urgroßvater Carl Abraham Putsch mit der Eröffnung einer Bäckerei in Mittelsudberg die Tradition begründete. Gründer-Enkel Karl Putsch war es, der 1928 einen Lieferwagen für die beliebte Bäckerei und Schankwirtschaft anschaffte – das erste Automobil in Sudberg! 1942 brannte die Bäckerei nach einem Bombenangriff völlig aus, Anfang 1943 zog der Betrieb an die Berghauser Straße um – bis heute der Standort der Bäckerei.

Als Schwiegersohn Gert Evertsbusch 1957 das Geschäft übernahm, hieß der Betrieb fort an „Bäckerei und Konditorei Evertsbusch“. Sohn Dirk Evertsbusch stieg 1989 in die Fußstapfen seines Vaters: Zwar musste der 52-Jährige Bäckermeister im Jahr 2001 nicht zuletzt aufgrund einer Mehlstaub-Allergie die Produktion am Lenzhaus einstellen; das Berghauser Bäckerei-Geschäft blieb jedoch bis heute für viele im Ortsteil und nicht zuletzt auch die Schüler der gegenüber liegenden Hauptschule eine beliebte Anlaufstelle in Sachen Brot & Kuchen oder auch eine kleine stärkende Pause „zwischendurch“.

Dirk und Gudrun Evertsbusch hätten die fünfte Familientradition gerne noch einige Jahre fortgesetzt, allerdings erhielt das Ehepaar nun die Kündigung für seine Geschäftsräume. Nicht nur Dirk & Gudrun Evertsbusch fällt der Abschied „mit Schrecken“ schwer, auch viele Kunden bedauern die Geschäftsaufgabe: „Es gibt Dinge, die begreift man nicht“, schreibt zum Beispiel eine Stammkundin in einem Gruß zum Abschied am Samstag: „Wer strahlt mich denn in Zukunft so nett an – niemand!“ „Eine Kundin hat mich sogar in den Arm genommen“, berichtet Gudrun Evertsbusch: „Wir weichen mit traurigen Augen, aber die Resonanz tut gut!“

Der Holz-Engel, den ihnen die Rottsieper Grundschüler zum Abschied und als Dank dafür geschenkt haben, dass sie manches Brötchen für das Betreuungsfrühstück gesponsert haben, bekommt einen Ehrenplatz in der neuen Evertsbusch-Wohnung in Sudberg; und auch für seine Kunden hält Dirk Evertsbusch ein Abschiedsschmankerl bereit: Am heutigen 21. Dezember 2011 hat er letztmals den Backofen angestellt und den Evertsbusch’schen „Bergischen Nuss-Zwieback“ gebacken – dafür ist die Bäckerei seit 152 Jahren „im Dorf“ bekannt, sogar bis in die USA oder an den Gardasee ging die Cronenberger Spezialität. Wer schnell ist, bekommt vielleicht noch ein Zwieback-Paket, in Kaffee „gezoppt“ – lecker!

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