01.08.2012, 15.03 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Traditionslokal Gelper Hof: Es geht weiter!

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Helmut Dänner vor dem "Gelper Hof": Die Ursprünge des Gebäudes, das im Laufe der Zeit immer wieder erweitert wurde, sollen 350 Jahre zurück reichen.

Das Gelpe-Salbachtal gehörte zu Zeiten des Deutschen Reiches zu den industriellen Keimzellen Deutschlands; ganz so alt ist der „Gelper Hof“ zwar nicht, das Ausflugslokal ist allerdings die älteste noch bestehende Gaststätte Cronenbergs und eine der ältesten von ganz Wuppertal. „Seit 1882 in Familienbesitz“, steht am Eingang zum Gelper Hof auf den Karten, die Ursprünge der Gastwirtschaft, in der Gustav Ernenputsch zunächst selbst gebrannten „Fusel“ für die Schmiede, Schleifer und Händler des Gelpetales ausschenkte, liegen Jahrzehnte davor vermutlich in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Am 21. Juni 2012 verstarb Ruth Dänner-Henk im Alter von 85 Jahren: Die Wirtin des Gelper Hofes, Witwer Helmut Dänner möge es verzeihen, war nicht nur mit ihm, sondern auch mit dem historischen Ausflugslokal „verheiratet“. Ihre Mutter, Helene Henk, die wegen ihres Engagements für das Bachtal auch als „Mutter des Gelpetales“ bezeichnet wurde, hatte den Gelper Hof Anfang des 20. Jahrhunderts von den kinderlosen Vorbesitzern übernommen; Tochter Ruth Dänner-Henk kam nicht nur im Gelper Hof zur Welt, sie stand hier auch fast bis zuletzt hinter dem Tresen – zunächst an der Seite ihrer Mutter Ruth, nach deren Tod Anfang der 1970er Jahre als ihre Nachfolgerin und neue Wirtin.

Über Generationen beliebt: „Kaffee durchs Sieb“,
Kartoffelsalat und Kottenbuttern

Neben ihr stand Ehemann Helmut Dänner: Nach der Heirat im Jahre 1972 unterstützte der damalige Bauleiter seine Frau an den Feierabenden und am Wochenende in dem beliebten Ausflugslokal. Das Geschäft brummte: Das Gelpetal war bis in die 1970er Jahre das Ausflugsgebiet vor der Haustüre für Cronenberger und Elberfelder, die auf „Bütterkestouren“ das Bachtal durchwanderten. Und gerne in die früher zahlreichen Lokale einkehrten: Sieben Gaststätten warben 1928 unter der Überschrift „Auf ins Gelpetal“ zur Einkehr, neben dem Waldrestaurant „Haus Zillertal“ ist nur noch der Gelper Hof übrig geblieben. Würstchen mit Kartoffelsalat, Bergischer Platz, Kottenbuttern – es waren die einfachen Gerichte, mit denen der Gelper Hof zu einer stärkenden Rast lockte – bis heute. Eine flüssige Spezialität des Traditionslokals ist der „Kaffee durchs Sieb“: Das Kaffeepulver wird nicht durch einen Filter, sondern direkt aufgebrüht und durch ein Sieb dann aus dem Kännchen in die Tasse gegossen – ebenso bis heute!

Der Gelper Hof als Reklame-Motiv in Ostasien

Der Biergarten mit seinen 100 Plätzen sowie der Saal und die Schankstube mit ihren insgesamt 70 Plätzen waren sommers wie winters besonders an den Wochenenden gut gefüllt, zwei Bedienungen unterstützten Ruth und Helmut Dänner: „Im Sommer ging es bis spät abends und im Winter standen 25/30 Paar Skier vor der Tür“, blickt Helmut Dänner auf die Hoch-Zeiten zurück. Der Gelper Hof diente damals nicht nur auch als Postkarten-Motiv, sondern sogar international als Aushängeschild: In den 1970er Jahren, erinnert sich Helmut Dänner, erhielten die Wirtsleute einen Anruf eines Bekannten, der gerade in Ostasien weilte: „Ich gucke gerade auf den Gelper Hof“, berichtete der fernreisende Gast den überraschten Wirtsleuten – er schaute von seinem Hotel-Zimmer auf eine Wicküler-Reklametafel mit dem Gelper Hof darauf.

Ruth Dänner-Henk: „Du machst weiter!“

Seine nun verstorbene Ehefrau sei Gastwirtin mit Leib und Seele gewesen, habe nur zu gerne mit den Gästen über die Gelpe & die Welt geplaudert – „sie wusste so viele Anekdoten aus der Gelpe, ob alles stimmte, weiß ich nicht“, schmunzelt Helmut Dänner: „Meine Frau war Unterhaltungskönigin!“ Dass sie vor ihrem Ehemann sterben würde, habe Ruth Dänner-Henk geahnt, „Du machst weiter!“, habe sie ihm aufgegeben. Und so kommt es nun: Unterstützt von einem Verwandten wird Helmut Dänner das über 130 Jahre alte Traditionshaus fortführen.

Die Gewerbeaufsicht hat zwar einige Umbauten für das alte Fachwerkgemäuer zur Auflage gemacht, ansonsten aber gibt es grünes Licht: „Für mich ist die Gelpe Überleben“, bekräftigt der immerhin schon 87-jährige Helmut Dänner seinen Willen zum Weitermachen: „Das macht mir Spaß und ich bewege mich dabei!“ Hoffnung nach dem Tode seiner Frau macht Helmut Dänner nicht nur die Unterstützung aus der Familie, sondern auch, dass wieder junge Gäste den Weg in die Gelpe finden: „Sie kommen wieder und finden: ‚Ist das schön hier!'“, freut sich Helmut Dänner. Ganz so wie früher wird es für ihn aber wohl nie wieder sein…

Der Gelper Hof hat aktuell noch montags bis mittwochs geschlossen, telefonisch ist das Traditionshaus in der Straße „In der Gelpe 85“ unter 0202-40 13 46 zu erreichen.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel

  1. Renate Windgassen
    29.10.2012, 01:01 Uhr   |   Direktlink

    Hallo Herr Dänner, ich bewundere Sie, daß Sie die Gelpe weitermachen und bedaure sehr, daß Ihre Frau nicht mehr lebt, wir haben sie sehr gern gehabt, uns werden die Dönekes fehlen.Wir wünschen Ihnen viel Kraft und noch schöne Jahre im Gelper Hof.Leider können wir ja nun nicht mehr kommen, meinem Mann geht es manchmal gut manchmal gar nicht und an Autofahren ist nicht zu denken,Wenn meine Kinder mal Zeit finden, werden sie uns bestimmt fahren.Liebe Grüsse und gute Gesundheit Ihre Dieter und Renate Windgassen

  2. Petra Anderso
    06.12.2012, 12:35 Uhr   |   Direktlink

    Ich freue mich auch sehr, dass es dieses Gasthaus weiter geben wird! Es ist gastronomisch sowiso so tot geworden in der Gelpe, obwohl dieses Ausflugsziel so wunderschön ist.
    Nun werden wir bei unseren Wanderungen also gelegentlich dort wieder einkehren können. Wunderbar!

    Ich wünsche Ihnen und den neuen Betreibern viel Kraft und Erfolg. Möge die bergische Gastlichkeit erhalten bleiben. Genügend sterile und laute Kneipen gibt es im Tal ja leider genug…..

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