12.06.2013, 16.07 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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„Magdeburg-Retter“ der FFH: Zurück von der Hochwasser-Front

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Die Hochwasser-Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Hahnerberg nach ihrer Rückkehr aus Magdeburg am Dienstagabend: Albert Kißlinger, Kim Kevin Hahn, Florian Krause, Dirk König, Jens Freund, Thorsten Lüdtke, Andres Sommer und Jochen Gietenbruch. Es fehlt: Carsten Klausner.

Am gestrigen Dienstagabend, 11. Juni 2013, waren sie kurz vor 20 Uhr wieder zurück am heimischen Feuerwehrhaus an der Theishahner Straße: die neun Fluthelfer der Freiwilligen Feuerwehr Hahnerberg (FFH), die in der Nacht zum vergangenen Sonntag ausgerückt waren, um gemeinsam mit 107 weiteren Helfern der Katastrophenbereitschaft V des Regierungsbezirks dabei mit anzupacken, die sachsen-anhaltinische Landeshauptstadt Magdeburg vor den historischen Elbe-Fluten zu schützen. Beim Willkommens-Eis von Salva-Bruder Patrizio (Eis Meran), der extra eine Sonderfahrt zum FFH-Löschhaus eingelegt hatte, waren die Hahnerberger Hochwasser-Helfer zum einen erschöpft von dem Einsatz, zum anderen zeigten sich Einsatzführer Albert Kißlinger und seine acht Mannen schwer beeindruckt: von den Ausmaßen des Jahrhundert-Flut einerseits wie von der Solidarität der Helfer und der Dankbarkeit der Bevölkerung andererseits.

„Es war unvorstellbar“, zeigen sich die Hahnerberger Floriansjünger von den Ausmaßen des Jahrhundert-Hochwassers nach wie vor beeindruckt: „Das geben die Bilder im Fernsehen einfach nicht wieder, das muss man selbst gesehen haben.“ Wo zuvor Straßen waren, Autos und Straßenbahnen fuhren, sei nur noch Wasser gewesen: „Man steht mitten auf der Straße und befindet sich mitten in einem Wildbach und sieht wie das Wasser in die Stadt hineinläuft“, schildert Albert Kißlinger die Situation an der Magdeburger Kraftwerkstraße, wo die Hahnerberger am Sonntag im Einsatz waren. Nachdem sie die Nacht durchgefahren waren, erhielten die 116 Helfer aus dem Bergischen Städtedreieck bereits etwa zwei Stunden nach ihrer Ankunft in einer leer stehenden Grundschule am August-Bebel-Damm den ersten Einsatzbefehl: Während ein Teil der Bergischen zum umkämpften Umspannwerk beordert wurde, ging es für die Einsatzkräfte der FFH in die Kraftwerkstraße.

Zunächst 40 Stunden auf den Beinen

Zunächst, so berichten Albert Kißlinger und seine Kameraden im CW-Gespräch, wurde hier ein Damm zum bereits evakuierten Stadtteil Rothensee geöffnet: Wie bei einem Schnellkochtopf wurde so der Hochwasserdruck etwas genommen, damit die Hahnerberger und weitere insgesamt 140 Einsatzkräfte um ein Heizkraftwerk einen Damm errichten konnten. Auf einer Länge von zwei Kilometern stapelten die FFH-Helfer & Co. Tausende Sandsäcke, anschließend wurde die Dammöffnung nach Rothensee wieder geschlossen. Der Plan glückte: Ebenso wie das Umspannwerk konnte auch das Heizkraftwerk gerettet werden, weite Teile Magdeburgs blieben somit am Netz und die Wasserpumpen konnten weiter arbeiten. Nach sechs Stunden als Deichbauer und insgesamt 40 Stunden ohne Schlaf rückten die Hahnerberger erschöpft, aber auch zufrieden wieder in ihre Unterkunft ein, um neue Kräfte zu tanken.

Bis um 12 Uhr am Montagmittag durften sich Albert Kißlinger und seine Mannen ausruhen, dann mussten sie sich wieder für neue Einsätze bereit halten: „Man war die ganze Zeit in Alarmstimmung, denn es hieß, dass wir im Einsatzfall in spätestens 15 Minuten abmarschbereit sein müssten“, berichtet einer der FFH-Helfer über den „Schwebezustand“. Bis zum gestrigen Dienstagvormittag dauerte dieser Zustand an, dann sickerte durch, dass die Bergische Bereitschaft wieder gen Heimat abrücken könnte – um 11.30 Uhr erging dann tatsächlich der Abmarschbefehl, um 12.45 Uhr traten die Fluthelfer aus dem Städtedreieck den Heimweg an.

Berührende Dankbarkeit der Bevölkerung

Die Ausmaße der Wassermassen und die beeindruckenden Dimensionen der Hilfe von Bundeswehr, Feuerwehren, Technischem Hilfswerk oder auch via Internet selbstorganisierten Studenten waren bei der Ankunft das eine; sehr berührt hat die Hahnerberger Feuerwehrleute aber ebenso die unglaubliche Dankbarkeit der Magdeburger Bürger: Ob Getränke, Obst und Gemüse oder auch Süßigkeiten – in Umzugskartons oder sogar auf Schubkarren brachten die Magdeburger selbstgebackenen Kuchen, belegte Brötchen, Kaffee und Co. zu den Helfern: „Die Leute haben ihre letzten Lebensmittel gebracht“, berichten die FFH-Helfer: „Egal wer, egal wo – jeder hat uns unterstützt, die haben ihre letzten Reserven frei gemacht.“ Und Andreas Sommer staunt noch immer: „Plötzlich waren 400 Döner da“…

„Da nimmt man was mit…!“

Ähnlich wie bei der Versorgung der Hochwasser-Helden lief es auch beim Transport der Sandsäcke: Ob Privatfahrzeuge, Firmentransporter bis zum 12-Tonner, Speditions-Lkw – „alles, was Räder hat, war unterwegs; wo das Wasser bereits zu hoch war, sprang die Bundeswehr in die Bresche – „sowas haben wir noch nicht erlebt, die Hilfe war unglaublich“. Es mag zynisch klingen, „die Welle“ der Hilfsbereitschaft und der Solidarität war denn auch abseits der Schrecken der Flut geradezu eine „schöne“ Erfahrung für die Helfer von der Theishahner Straße: „Da nimmt man was von mit“, sind sich alle Magdeburg-Retter der FFH einig. Das („Augenzwinker-„)Fazit der drei Tage an der Hochwasserfront von Albert Kißlinger und seinen Mannen lautete indes: „Wasser, Sand und Sonne – das war wie im Urlaub – eigentlich!“

Bevor dann die einen dann zum Duschen gingen und die anderen zum stärkenden Gulasch, das in der Feuerwache Hahnerberg für die Heimkehrer bereit stand, berichteten die Helfer noch, dass der Deichwart ihren Sandäcke-Damm als sehr stabil gelobt habe – die Menschen im Dörper Einsatzgebiet der Feuerwehr Hahnerberg müssen also keine Angst vor einem Hochwasser haben…

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