24.08.2013, 11.29 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Der nächste Arzt-Mangel: Dörper Augenarzt-Praxis schließt

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Ende September soll die einzige Augenarzt-Praxis Cronenbergs an der Berghauser Straße schließen.

Das Gerangel um eine Kinderarzt-Praxis in Cronenberg (die CW berichtete) hat sich gerade erst im Herbst 2012 mit dem Umzug einer Praxis in die Ortsmitte aufgelöst, da droht neues Ungemach im Hinblick auf die ärztliche Versorgung „em Dorpe“: Zum 30. September 2013 wird die einzige Augenarzt-Praxis Cronenbergs ihre Pforten schließen.

Die Praxis an der Berghauser Straße 26 wird seit 2009 als Dependance der großen Düsseldorfer Praxis Breyer & Kaymak Augenchirurgie betrieben. Nachdem der bisher dort angestellte Augenarzt nun ausschied, bemühte sich Breyer & Kaymak im vergangenen halben Jahr um einen Nachfolger. Jedoch vergeblich, wie eine Praxis-Mitarbeiterin gegenüber der CW erläutert: Man habe alles versucht, im Ärzteblatt inseriert, alle Verhandlungen, auch über eine selbstständige Nachfolge an der Berghauser Straße, hätten sich jedoch zerschlagen.

„Wir würden uns auch darüber freuen, jemanden zu finden, aber kein Interessent hat gewollt – vielleicht ist die Praxis nicht lukrativ genug“, berichtet die Praxis-Mitarbeiterin weiter: Eine Augenarzt-Praxis in Cronenberg werde schon gebraucht, insbesondere von älteren Patienten. Bis zur geplanten Schließung am 30. September fährt Breyer & Kaymak die Cronenberger Praxis daher im Interimsbetrieb mit einer Öffnungszeit von 20 Stunden pro Woche – offensichtlich als Mindeststandard für Praxen vorgeschrieben.

„Kein Zustand für uns Cronenberger!“

„Das ist natürlich ein großer Schlag für alle Patienten, die sich nun einen neuen Augenarzt suchen müssen“, kommentiert eine CW-Leserin auf unserer Facebook-Seite die wahrscheinliche Praxis-Schließung: „Vor allem die älteren Patienten, die über kein Auto verfügen, werden es schwer haben.“ Nach eigenen Worten hat die Cronenbergerin eine Beschwerde an die Ärztekammer geschrieben: „Das ist doch kein Zustand für uns Cronenberger, wo es keinen weiteren Augenarzt gibt“, findet die CW-Leserin.

Offensichtlich aber werden sich die Cronenberger mit diesem „Zustand“ abfinden müssen: Während die Wuppertaler Kreisstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) erst durch die CW von der geplanten Praxis-Aufgabe in Cronenberg erfuhr, zeigte man sich bei der KVNO-Zentrale in Düsseldorf pessimistisch, dass die Praxis weiter betrieben werden könnte. Wenn Breyer & Kaymak keinen angestellten Augenarzt für ihre Cronenberger Zweit-Praxis fänden, erlösche die Genehmigung dafür: „Dann gibt es keinen Augenarzt mehr in Cronenberg“, stellt KVNO-Sprecherin Karin Hamacher auf CW-Nachfrage nüchtern fest.

Überversorgung: „Wuppertal ist für neue Augenärzte gesperrt!“

Praxen könnten zwar weiterhin Niederlassungen im CW-Land einrichten, für einen neuen, eigenständigen Augenarzt-Praxissitz sieht die KVNO-Vertreterin allerdings schwarz: Mit derzeit 56,5 Augenärzten herrsche in Wuppertal aktuell eine Überversorgung – „Wuppertal ist für neue Augenärzte gesperrt“, so Karin Hamacher weiter. Ein „Schlupfloch“ hält die „Planwirtschaft“ aber offenbar im Cronenberger Augenärzt-Dilemma bereit: Angesichts der kleinstädtischen Struktur Cronenbergs und der Entfernungen zu nächsten Augenärzten könne man einen „Sonderbedarf“ geltend machen – die Erfolgsaussicht, so ließ Karin Hamacher durchblicken, sei allerdings als eher gering einzuschätzen.

Zur Erinnerung: In Sachen Kinderarzt-Versorgung in Cronenberg hatte sich die Bezirksvertretung Cronenberg mit der Forderung nach Düsseldorf gewandt, Cronenberg zum „ländlichen Raum“ zu erklären und die Unterversorgung festzustellen – bevor darüber entschieden wurde, zog allerdings ein Kinderarzt in die Ortsmitte und die Unterversorgung war damit erledigt…

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