24.09.2013, 17.37 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Sensation: Kicker der Bayer-Realschule stehen im Bundesfinale

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Bescheren dem Wuppertaler und NRW-Schulsport ein Herbst-Märchen: Die B-Jugend-Fußballer der Friedrich-Bayer-Realschule und ihre Trainer Michael Bergenthal (2.v.r.) und Axel Kilz (re.) stehen als bislang erste Realschule aus NRW in der JTFO-Geschichte im Endspiel des Fußball-Bundesfinales.

„So eine Realschule, das ist nicht zu fassen“, bescheinigten Peter Bubatz und Manfred Werner von der Turnierleitung am heutigen Dienstagvormittag, 24. September 2013, nach Abpfiff: Mit 1:0 (1:0) hatte die Friedrich-Bayer-Realschule (FBR) da den Brandenburg-Meister Cottbus ausgeschaltet und beim Fußball-Bundesfinale „Jugend trainiert für Olympia“ (JTFO) das Ticket fürs Halbfinale gelöst.

Den entscheidenden Treffer besorgte einmal mehr FBR-Torjäger Julian Kray: Nach einem feinen Pass von Jonas Figge setzte sich Kray auf links durch und drosch den Ball aus etwa 13 Metern unter die Latte in die Cottbuser Maschen. Damit trug sich Kray bereits zum fünften Mal in die Torschützenliste ein. Angetrieben von ihren Trainern Michael Bergenthal und Axel Kilz zeigten die FBR-Kicker in dem Viertelfinale ihre bisher beste Turnierleistung: Mit großer Kampfbereitschaft hielten die Bayer-Realschüler den knappen Vorsprung bis zum Abpfiff fest und zogen letztlich verdient ins Halbfinale ein.

„Sowas hat eine Realschule seit Urzeiten nicht geschafft!“

„Das ist einmalig in Deutschland“, attestierte Peter Bubatz von der Turnierleitung dem Bergenthal-Team eine „Sensationsleistung“: „Dass es eine Realschule so weit geschafft hat, das hat es seit Urzeiten nicht gegeben“, weiß das Mitglied des Schulfußball-Ausschusses Berlin, der seit Jahren in der JTFO-Turnierleitung engagiert ist: „Das ist fast das Beste was bislang nach Berlin gekommen ist – das ist eine Mannschaft des Jahrzehnts“, zollte Bubatz den Jungs von Michael Bergenthal und Axel Kilz sein großes Kompliment.

Nachdem die Küllenhahn-Kicker, wie bereits berichtet die einzige Realschule im Feld der 16 Landessieger und zudem eine der wenigen Nicht-Sportschulen oder Elteschulen des Sports im Teilnehmerfeld, es unter die letzten Vier schafften, hatten sie schon mehr erreicht, als Michael Bergenthal und Axel Kilz zuvor erwartet hatten. Entsprechend positiv entspannt konnten die NRW-Meister zwei Stunden nach dem Viertelfinal-Erfolg in das Halbfinale gegen den Rheinland-Pfalz-Meister aus Mainz gehen.

Im Halbfinale Mainz erfolgreich Paroli geboten

Auf ungewohntem Naturrasen-Geläuf erwischten die Mainzer den besseren Start: In den ersten zehn Minuten kontrollierten die Rheinland-Pfälzer die Partie und setzen die FBR-Elf gehörig unter Druck. Bei der größten Mainzer Chance bot FBR-Keeper Yannik Radojewski sein ganzes Können auf und hielt mit einer artistischen Flugeinlage das 0:0 für die Küllenhahner fest. Das war offenbar die Initialzündung: Anschließend ging ein Ruck durch das Bergenthal/Kilz-Team, nun konnte der NRW-Meister die Partie ausgeglichen gestalten.

Nachdem es mit dem 0:0 in die Pause gegangen war, verliefen die zweiten 20 Minuten ähnlich wie der erste Abschnitt aufgehört hatte. Die Bayer-Kicker hatten nun aber die größeren Chancen, die beste davon verwertete Torjäger Julian Kray in den Mainzer Kasten. In den Torjubel platzte jedoch der Pfiff des Schiedsrichters – Abseits, es blieb bis zum Schluss beim 0:0. Der nächste Erfolg war damit bereits geschafft, nun musste das Elfmeterschießen entscheiden. Hier avancierte FBR-Torwart Yannik Radojewski zum Matchwinner: Zweimal hielt die „Küllenhahner Katze“ einen Mainzer Elfer. Während beim Bergenthal/Kilz-Team lediglich ein Spieler verschoss, versenkten Felix Bender, Dominik Kaiser und Julian Kray ihre Schüsse.

Axel Kilz: „Ihr habt Geschichte geschrieben!“

Nachdem Johannes Koke den entscheidenden letzten Elfmeter eingenetzt hatte, kannte der Jubel keine Grenzen mehr: Jubelnd fielen sich Spieler und Trainer auf dem Platz in die Arme – mit „Finale, oh-oh“-Gesängen feierten sie ausgiebig die Sensation, den Einzug ins Endspiel. Während der Mainzer Trainer anerkennend staunte, dass der Küllenhahner Underdog bei dem Turnier derart auftrumpfen konnte, zeigte sich FBR-Trainer Axel Kilz beinahe fassungslos: „Ihr habt Geschichte geschrieben“, sagte Kilz an die Adresse seiner Jungs: „Danke, dass ich dabei sein darf!“

Michael Bergenthal, FBR-Lehrer mit immerhin 20-jähriger JTFO-Erfahrung, konnte den größten Erfolg seiner im Januar endenden Sportlehrer-Laufbahn ebenfalls kaum fassen. Bei Bergenthal kamen Erinnerungen an den sensationellen EM-Gewinn des krassen Außenseiters Griechenland auf: „Wahsinn!“, schüttelte Bergenthal immer wieder den Kopf: „Ich war während des Turniers zunehmend von den Jungs begeistert, aber dass sie jetzt noch einen drauf gesetzt haben, das ist unglaublich!“

Wird das nächste Kapitel des Herbst-Märchens geschrieben?

Für den Überraschungsfinalisten geht es nun am morgigen Mittwochmittag im Endspiel gegen den sächsischen Landesmeister aus Leipzig. Die Sachsen boten in ihren Spielen bislang eine souveräne Vorstellung und gelten als klarer Favorit – aber vielleicht können die „Könige Otto Bergenthal und Otto Kilz“ mit ihren Jungs ja einmal mehr das Unmögliche möglich machen, ein letztes Kapitel dieses Herbst-Märchens schreiben und den nächsten Favoriten schlagen – in Fußball-Märchen werden manchmal ja Träume wahr…

Aufstellung B-Jugend Friedrich-Bayer-Realschule: Yannik Radojewski (Torwart) Linus Sacher (ETW); Abwehr: Jerome Feußner, Nico Stefanidis, Johannes Koke, Murat Yildirim, Alexander Kamphoff und Jonas Figge; Mittelfeld und Angriff: Fabian Schmidt, Leon Brieda, Kevin Schmitt, Felix Benz, Luca Lenz, Julian Kray, Dominik Kaiser und Manuel Gomez.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel

  1. H.-R.Kray
    25.09.2013, 17:02 Uhr   |   Direktlink

    Die Eltern sind Stolz auf Euch.
    Feiert schön.

  2. Dirk Heinrichs
    25.09.2013, 17:44 Uhr   |   Direktlink

    Herzlichen Glückwunsch! Ein Hinweis hierzu: Die Handelsschule wurde 1968 und 1969 Stadtmeister und anschließend als Sieger der Bezirksmeisterschaften Vertreter für NRW für das 1.Deutschen Fußballbundesturnier der Berufsbildenden Schulen. Als Deutscher Vizemeister nahmen die Kfm. Unterichtsanstalten 1970 am 1. Europaturnier der Schulen in Kaiserslautern teil. Einer der Leistungsträger war der leider früh verstorbene Kurt Jürgen Lorenz vom SC Sonnborn, der damals als Mittelstürmer gemeinsam mit u.a. Höneß, Breitner, Bonhof und Rüssmann in der DFB-A-Jugend-Nationalmannschaft spielte.
    Damals hatte der Schulsport einen ganz schlechten Stand. Umso erfreulicher ist die derzeitige Entwicklung.

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