15.04.2014, 13.11 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Ehrenmal-Rekonstruktion: „Große Dörper Gemeinschaftsleistung“

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CHBV-Vorsitzender Rolf Tesche (2.v.r.) mit Gisbert Krämer (re.), dessen Firma an der Rekonstruktion ebenso beteiligt war, wie Robert Fischers Unternehmen "EGO3D", dessen Vertriebsleiter Dieter Jansen (li.) ebenfalls zur Wiedereinweihung nach Cronenberg kam.

Die alljährlichen Versammlungen zum Volkstrauertag am Ehrenmal Cronenberg haben andächtigen Charakter, kürzlich herrschte an der Cronenberger Gedenkstätte jedoch auch Grund zur Freude: Mit einer Feierstunde wurde die Wiederherstellung des Denkmals in der Ortsmitte begangen. Wie mehrfach in den letzten fast zwei Jahren berichtet, hatten Unbekannte in der Nacht zum 5. Juni 2012 bis auf eine alle bronzenen Tafeln mit den Namen Cronenberger Gefallenen des Ersten Weltkrieges darauf von der Gedenkstätte abgestemmt – vermutlich, um sie zu Geld zu machen.

Nach dem skrupellosen Metall-Klau sah es zunächst gar nicht danach aus, dass das Ehrenmal wiederhergestellt werden könnte: Nicht nur war dabei fraglich, ob die Namen der 460 Weltkriegs-Toten archiviert waren. Auch als die Stadt die Kosten für die Rekonstruktion im November 2012 auf 65.000 Euro bezifferte, schien die Wiederherstellung unmöglich – „kein Geld dafür”, hieß es zunächst aus dem Barmer Rathaus.

Dann jedoch startete der Cronenberger Heimat- und Bürgerverein (CHBV) eine groß angelegte Spendenaktion. Machbar erschien die Rekonstruktion nun auch deshalb, weil sich aufgrund der Presseberichte zu dem Metall-Diebstahl die Firma „EGO3D“ aus Mühlheim gemeldet hatte: Der Spezialist für Kunstguss bot an, die Namenstafeln aus Kunststoff nachzubilden – die Gesamtkosten schrumpften dadurch auf finanzierbarere 36.000 Euro

„EGO3D“: Schon die Vulpius-Büste ersetzt

Die Nachbildung war kein Neuland für „EGO3D“: Wie Firmenchef Robert Fischer gegenüber der CW berichtete, sorgte „EGO3D“ bereits bei einem anderen Metall-Diebstahl für die Wiederherstellung: Die „Vulpius-Büste“ in Bad Lauchstädt wurde im Jahre 2012 ebenfalls von Metall-Dieben gestohlen; mit Hilfe von „EGO3D“ steht die Büste der Goethe-Ehefrau heute wieder im Kurpark des sachsen-anhaltinischen Städtchens – aus Kunststoff. Das überzeugte offenbar auch die Stadt: Sie sagte zu, die Hälfte der Sanierungs-Kosten zu übernehmen.

Für die restlichen etwa 18.000 Euro gingen zahlreiche große und kleine Spenden auf dem Hilfskonto des CHBV ein. Nun freute sich CHBV-Chef Rolf Tesche darüber, dass fertig war, was vor zwei Jahren noch unmöglich erschien. „Ich bin stolz, dass wir in Cronenberg auch solche Aktionen stemmen können“, dankte der CHBV-Chef allen Spendern sowie den Firmen Gisbert Krämer, Gerüstbau Klaus Hobelsberger, Malerbetrieb Tesche, CHBV-Schriftführer Manfred Stader sowie „EGO3D“ und nicht zuletzt auch der Stadt.

OB Peter Jung: „Diebstahl war in barbarischer Akt“

Oberbürgermeister Peter Jung lobte „das wunderbare Zusammenrücken“ und „Auf-den-Pelz-Rücken“ der Cronenberger. Das Positive an der Schändung sei, dass die Rekonstruktion trotz knapper Mittel und eines engen Budgets gelungen sei: „Das ist eine große Cronenberger Gemeinschaftsleistung – es ist toll, dass Sie hier so zusammenhaulen.“ Cronenberg habe nun sein Ehrenmal wieder, noch dazu passend zum 100. Jahrestag der Erinnerung an den Ausbruch des 1. Weltkrieges: „Ich hoffe, dass das so bleibt.“

Den Metall-Diebstahl bezeichnete der Oberbürgermeister als „barbarischen Akt“: „Dass Täter wegen ein paar Tausend Euro selbst vor einem Ort nicht Halt machten, an dem der Weltkriegstoten gedacht werde, „das hat ins Mark getroffen“, prangerte Peter Jung eine Verrohung an.

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