Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

10.09.2014, 18.31 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Reinhard Biehl: Dörper Gottesacker zu schönen Parks geformt

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Reinhard Biehl (5.v.l.) bei seinem Abschied mit Sohn und Nachfolger Thorsten Biehl (mi.) sowie Ingo Schellenberg (3.v.l.), Volker Heuwold (4.v.l.) und seinem Mitarbeiter-Team.

Eine Ära ging am vergangenen Freitag auf dem evangelischen Friedhof Solinger Straße zu Ende: Nach 43 Jahren wurde dort Reinhard Biehl in den Ruhestand verabschiedet. Das Ausscheiden des ebenso anerkannten wie beliebten Friedhofsverwalters bedeutete jedoch nicht das Ende der Ära Biehl: Sohn Thorsten Biehl tritt die Nachfolge von Reinhard Biehl an.

Die Festreden machten es deutlich: Ob beim evangelischen Friedhofsverband, der Gemeinde, den Mitarbeitern oder auch den Bestattern – Reinhard Biehl erwarb sich allenthalben große Wertschätzung. Dabei dachte der naturverbundene Berghauser früher gar nicht daran, Friedhofsgärtner zu werden. Der seinerzeitige Verwalter Walter Dzingel wurde auf den damaligen Mitarbeiter des Sudberger Gartenbaubetriebs Knof aufmerksam („Das ist der Mann!“) und lud ihn zum „Schnuppern“ auf den Gottesacker ein. Er wollte zwar nicht unbedingt, aber Reinhard Biehl folgte der Einladung dennoch. Und ihm gefiel der Job – er sagte zu und blieb schließlich mehr als vier Jahrzehnte: „Ich bin dankbar dafür“, blickte Biehl bei seiner Verabschiedung auf das schicksalshafte Angebot seines Vorgängers zurück.

Vom Plumpsklo auf dem Feld zum modernen Maschinenpark

Fast ein halbes Jahrhundert am selben Arbeitsplatz, das klingt nach viel Kontinuität. Stimmt, aber die Ära Reinhard Biehl war geprägt von Veränderungen. Als er seine Tätigkeit vor 43 Jahren aufnahm, verfügte der Friedhof über keinen Bagger, die Toilette war ein Plumpsklo auf einem Kartoffelfeld, Urnen-Bestattungen gab’s kaum – „daran sieht man, wie lange er schon da ist“, so Thorsten Biehl. Beispiel der Veränderungen war schon der Ort der Verabschiedung seines Vaters: Eine moderne Halle, in welcher der Maschinenpark der Cronenberger Friedhofsverwaltung untergebracht ist.

Daneben erlebte Reinhard Biehl mit der Fusion der evangelischen und der reformierten Gemeinden auch die Zusammenlegung der beiden Friedhöfe und später die Integration in den evangelischen Friedhofsverband Wuppertal, nicht zuletzt „verschliss“ er fünf Pfarrer. Zugleich kam es zu einer drastischen Änderung der Bestattungskultur: Erdbestattungen sind heute die Ausnahme, Urnengräber die Regel. Auch diesen Trend nahm Reinhard Biehl auf: Das Kolumbarium auf dem Friedhof an der Solinger Straße, das erste Urnen-Haus Wuppertals, halbanonyme Urnenfelder oder auch die erst Anfang des Jahres eingeweihte Gemeinschaftsgrabanlage mit dem Galvano-Engel im Mittelpunkt gehen mit auf Biehls Initiative zurück.

Toller Gärtner, Top-Chef und vertrauensvoller Ansprechpartner

Pfarrer Ulrich Weidner würdigte allerdings nicht nur, dass Reinhard Biehl ein Vorreiter gewesen sei. Weidner betonte auch, dass Biehl ein hervorragender Gärtner sei: In ganz Wuppertal sei bekannt, dass die evangelischen Friedhöfe in Cronenberg bestens gepflegt seien. Und zwar so gut, dass sie sogar zum Spazierengehen einlüden – „das hier ist wie ein schöner Park“. Nicht umsonst bekam Reinhard Biehl von seinen Mitarbeitern auch eine goldene Pflanzkelle geschenkt.

Zugleich sei Biehl auch „ein sehr guter Chef“ gewesen: „Er ist den Anforderungen der Arbeit und der Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeitern immer gerecht geworden“, würdigte Pfarrer Weidner die Menschlichkeit Reinhard Biehls: „Das hat uns auch als Gemeinde gut getan – das war ein ganz großer Gewinn für die Gemeinde“, sagte Ulrich Weidner und nahm Reinhard Biehl zum Abschied herzlich in den Arm.

Dass in den folgenden Grußworten von Ingo Schellenberg, dem Geschäftsführer des evangelischen Friedhofsverbandes Wuppertal, von Volker Heuwold, dem Friedhofskirchmeister der Evangelischen Gemeinde Cronenberg, oder auch von Frieder Kotthaus, dem Inhaber des gleichnamigen Cronenberger Bestattungsunternehmens, dieselbe Anerkennung anklang und sogar Tränchen in einigen Augenwinkeln zu sehen waren, bestätigte die Würdigung von Pfarrer Ulrich Weidner.

Reiner Biehl sei stets ein treuer Verbündeter gewesen, er habe die Gemeinde nach außen super vertreten, lobte Volker Heuwold. Dass er seinen Friedhof als „seinen Garten“ angesehen und entsprechend gepflegt habe sowie zugleich ein einfühlsamer Ansprechpartner für die Angehörigen wie für die Bestatter gewesen sei („Es war eine schöne Zeit mit dir!“), würdigte Frieder Kotthaus.

So ganz geht Reinhard Biehl aber nicht in den Ruhestand

Ingo Schellenberg schließlich unterstrich noch einmal, dass die beiden Cronenberger Friedhöfe zu den schönsten und gepflegtesten Wuppertals zählen – „und nicht nur an Totensonntagen“. Dafür gab’s ebenso Applaus wie für den Satz, dass Reinhard Biehl nicht nur Vorgesetzter, sondern auch Freund gewesen sei. Und dieser „Freund“ geht nicht so ganz: Reinhard Biehl wird dem Friedhofsverband auch weiterhin bei Projekten, wie der Konzeption weiterer Gemeinschaftsgrabanlagen, zur Seite stehen – insofern war der „Abschiedsschmerz“ dann letztlich doch etwas gemildert…