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20.02.2015, 10.32 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Viel Potenzial: „Die Südstadt könnte groß rauskommen…“

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SKG-Vorsitzender Andreas Mucke (mi.), zugleich Chef der Südstädter SPD, moderierte den Abend mit den Elberfelder SPD-Ratspolitikern sowie Dezernent Frank Meyer (re.).

Mit der Entwicklung der Elberfelder Südstadt befasste sich ein Diskussionsabend, zu dem die Sozialdemokratische Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SKG) einlud. Vorsitzender Andreas Mucke, gerade erst von der SPD zum Oberbürgermeister-Kandidaten gekürt, begrüßte dazu vier Gesprächspartner: die Südstädter SPD-Ratsfrauen Maren Butz und Dilek Engin, ihren Fraktionskollegen und Elberfelder SPD-Bezirksvertreter Thomas Krieg sowie Stadtentwicklungsdezernenten Frank Meyer.

Es werde viel über die Quartiersentwicklung im Wuppertaler Osten oder auch in der Nordstadt, am Arrenberg und Ostersbaum diskutiert, die Südstadt sei indes kaum ein Thema, führte Andreas Mucke in den Abend ein. Dabei biete auch das Quartier zwischen Johannisberg und Grifflenberg Gesprächsstoff: Leer stehende Geschäfte und Wohnungen, eine in die Jahre gekommene Bausubstanz – „es wird Zeit, sich mit den Nachkriegsquartieren zu beschäftigen“, unterstrich Mucke.

Was er damit meinte, erläuterte anschließend SKG-Geschäftsführer Ulf Klebert: Weite Teile der Südstadt wurden am 25. Juni 1943 durch alliierte Bombenangriffe in Schutt und Asche gelegt. In den 1950er und 60er Jahren erfolgte der Wiederaufbau – zumal die Bauqualität hier und da zu wünschen übrig ließ und zwischenzeitlich vielfach nicht saniert wurde, seien viele Gebäude in der Südstadt heute in die Jahre gekommen, ergänzte Baudezernent Meyer: „Die Nachkriegsbebauung gerät mehr und mehr in den Fokus der Stadtentwicklung.“

Südstadt: Viele Bewohner, wenig Probleme

Gleichwohl drängt sich die Südstadt nicht auf: Das rund 10.000 Bewohner zählende Quartier weise eine sehr hohe Bevölkerungsdichte auf, ansonsten sei die Südstadt unauffällig, berichtete Frank Meyer: Nicht sonderlich viele Empfänger von Sozialleistungen, durchschnittlicher Ausländeranteil – es gebe keine signifikanten Probleme, „das ist ein sehr durchschnittlicher Stadtteil“. Allerdings sei die Südstadt keine Insel der Glückseligen, attestierte der Dezernent weiter. So schlage der Südstraßenring eine Schneise durch das Quartier, entlang des Rings nehme die „Verlärmung“ zu.

Südstadt: Viel Potenzial, aber wenig los

SKG-Vorsitzender Andreas Mucke zeigte das Potenzial des Quartiers auf: Die Universität, der Hauptbahnhof, Schwimmoper und Stadthalle, Anbindung an den ÖPNV sowie Nähe zum Wald und zur Autobahn – „die Südstadt ist eigentlich ein toller Standort“. Während solche Standortvorteile in Köln kaum zu bezahlen wären, zahlen sie sich zwischen Grifflen- und Johannisberg aber kaum aus: Ratsfrau Dilek Engen sprach die Leerstände von Geschäften und Restaurants, fehlende Parkplätze und die sanierungsbedürftige Bausubs-tanz an; Ratskollegin Maren Butz hatte im Wahlkampf derweil den Verkehr und den Wunsch nach einem Bahnhofsaufzug zur Distelbeck als die Südstadt-Themen ausgemacht, die unter den Nägeln brennen.

Einig war man sich auf dem Podium und unter den Zuhörern, dass die Südstadt nicht mehr das ist, was sie einmal war. Unisono war die Verwunderung groß, dass das Quartier aus seinen Standortvorteilen offensichtlich keinen Profit schlage, es zum Beispiel trotz der Uni keine Kneipen-Szene gebe oder die Bevölkerung überaltert sei. Es gelte neue Konzepte zu entwickeln, eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen, forderte Gastgeber Andreas Mucke, Stadtentwicklungsdezernent Meyer machte jedoch keine Hoffnungen auf Fördergelder – dazu seien die Südstadt-Probleme nicht gravierend genug.

Aus der Zuhörerschaft kam zum Ende des Abends ein Satz, der die Zustimmung aller fand: „Die Südstadt könnte richtig groß rauskommen“, befand ein Teilnehmer. Andreas Mucke versprach, dass das SGK-Treffen nicht das letzte dazu gewesen sei: „Es gibt Visionen – Probleme sind dazu da, gelöst zu werden…“