Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

11.03.2015, 10.39 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

CDU Cronenberg: Wahlkampf statt Weizenbier-Polemik

Artikelfoto

Beim Weizenbier setzte der fastende Jürgen Hardt (li.) auf „alkoholfrei“, beim Heringsstipp langte der Bundestagsabgeordnete indes gleich zweimal zu – dieser sei schließlich „der Beste im Bergischen…“.

Weniger deftige „Festzeltreden“, dafür umso mehr Wahlkampf, das wurde beim traditionellen „Politischen Aschermittwoch“ aufgetischt – die Oberbürgermeister-Wahl am 13. September 2015 warf ihre Schatten voraus… Zunächst bat Cronenbergs CDU-Chef Thomas Gaffkus-Müller jedoch um eine Gedenkminute für den verstorbenen ehemaligen Oberbürgermeister Dr. Hans Kremendahl. Während Gaffkus-Müller dann Amtsinhaber Peter Jung einen engagierten Wahlkampf „em Dorpe“ zusicherte („Damit Peter Jung Oberbürgermeister bleibt“), warb auch Rainer Spiecker für den Amtsinhaber.

Rainer Spiecker: „Viel in der Stadt voran gebracht“

Man habe viel bewegt seit 2004, so Spiecker, der erstmals als neuer CDU-Kreisvorsitzender seine Visitenkarte in Cronenberg abgab. Und zwar nicht nur den Baubeginn am Döppersberg: Hunderte Millionen seien in die Sanierung von Schulen geflossen, die Stadt-Finanzen seien stabilisiert, Schwimmoper und Opernhaus saniert, die Kleine Spielstätte gebaut – „wir haben viele Sachen in der Stadt voran gebracht“, resümierte der Wuppertaler CDU-Chef. Mit Blick auf die Baustelle am Döppersberg, aber auch zahlreiche Firmeninvestitionen im Tal sagte Spiecker: „Wo Kräne stehen, da wird Mehrwert geschaffen – wir haben das in dieser Stadt geschafft“. Insofern rief Rainer Spiecker zur Wiederwahl von Peter Jung auf, denn: „Wir können noch viel bewegen.“

OB Jung: Kritik an „Stadt-Nörgeleien“

Unter der Überschrift: „Wo stehen wir in der Stadt“, zog Amtsinhaber Jung eine positive Bilanz seiner elf Jahre auf dem OB-Sessel. Der Einwohnerschwund gestoppt, die Arbeitslosigkeit erstmals wieder unter der 10-Prozent-Marke („Die Maßnahmen greifen jetzt“), das Leuchtturm-Projekt „Umbau Döppersberg“ („Diese Stadt hat ein Recht auf ein würdiges Eingangstor“), günstigeres Klima für Unternehmen, Bayer zum Beispiel tätige am Standort Wuppertal mit 400 Millionen Euro seine bisher größte Investition – jene, die Wuppertal immerzu schlecht redeten, sollten einmal still sein, forderte Jung: Wuppertal sei eine tolle Stadt – „das müssen wir uns aber immer von außen sagen lassen“.

Lebenhilfe-Kita und Rather Str.: Eigennutz vor Gemeinnutz

Er wünsche sich, dass in der Stadt mehr über den Tellerrand hinaus geschaut werde, sagte Peter Jung weiter. Wie zum Beispiel in der Heidestraße: Die Anwohner-Proteste und das Scheitern der KiTa-Pläne der Lebenshilfe „haben mich geärgert“, unterstrich der OB: „Die KiTa wäre eine Bereicherung gewesen.“ Immerzu werde von Inklusion geredet, „vor der Haustür will man ein solches Projekt aber nicht haben”.

„Dem Fass den Boden“ schlägt für den Oberbürgermeister der Wege-Streit an der Rather Straße (die CW berichtete) aus. Dass ein Eigentümer den Anwohnern das Jahrzehnte alte Wegerecht verweigere, konterte Jung mit einem Appell zum „Konsens im Zusammenleben“: „Die Menschen haben ein Gewohnheitsrecht – wir können doch nicht alles festschreiben.“ Quintessenz des OB: „Wir müssen wieder lernen, dass Gemeinnutz vor Eigennutz geht“, man müsse mehr danach fragen „Was können wir für andere tun“.

Zum Abschluss der Polit-Reden sorgte Bundestagsabgeordneter Jürgen Hardt mit seinem Bericht von der Spree und Erinnerungen an eine Strauß-Rede in Passau für etwas „Aschermittwoch-Stimmung“. Aber auch Hardt rührte die Wahlkampftrommel: Jung sei ein sehr guter OB, bescheinigte Hardt, nicht umsonst sei Jung auch zum Vorsitzenden des NRW-Städtetags gewählt worden: „Es hat mir gefallen, wie er die Sachen voran gebracht hat.“

MdB Hardt: „Da schüttelt man mit dem Kopf…“

Auch Hardt redete den Kritikern ins Gewissen. Am Beispiel „wippender Behelfstreppe am Döppersberg“ sowie den Protesten gegen eine Bebauung des Carnaper Platzes sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete: „Da schüttelt man schon ein bisschen den Kopf.“ Die Stadt habe doch so viel Tolles auf die Beine gestellt: Nordbahntrasse, Ohligsmühle-Bebauung, Döppersberg-Umbau – „Wuppertal kann optimistischer sein“, befand auch Jürgen Hardt. Am 13. September wird sich zeigen, ob diese Appelle Gehör fanden…