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13.04.2015, 20.07 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Bahnhofs-Aufzug: Südstadt-Bürgerverein kritisiert die Stadt

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Will weiter für einen Aufzug vom Hauptbahnhof zur Distelbeck kämpfen: Südstadts Bürgervereinsvorsitzender Ralph Hagemeyer. Foto: Archiv

Einträchtig standen sie noch Anfang März 2015 für die CW zum Foto bereit, der Vorstand des Bürgervereins der Elberfelder Südstadt und Oberbürgermeister Peter Jung. Sechs Wochen nach seiner Jahreshauptversammlung macht der Bürgerverein nun seinem Ärger in einem offenen Brief an den OB Luft. Anlass ist die Unzufriedenheit darüber, wie die Stadtverwaltung mit dem vom Bürgerverein vorgeschlagenen Aufzug-Projekt vom Hauptbahnhof zur Distelbeck umgeht.

Bei der Mitgliederversammlung des Vereins klang das alles noch ganz anders: OB Peter Jung bezeichnete hier den Südstadt-Aufzug als einen besonders wichtigen Projektteil des Döppersberg-Umbaus (die CW berichtete). Die Kosten bezifferte Jung auf rund 1,2 Millionen Euro, hinsichtlich von Fördermitteln habe es vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) „bereits das Signal eines positiven Votums gegeben“, ließ Jung die Südstädter wissen. Den Antrag müsse man 2016 beim VRR einreichen, der Baubeginn für den Aufzug sei für 2017 geplant.

Kosten-Wirrwarr: Aufzug soll nun fünf Mal teurer werden

Das klingt danach, als wäre alles klar. Doch der Bürgerverein sieht das ganz anders: Die Vorbereitungen für den Aufzugsbau „scheinen uns unterbrochen, wenn nicht abgebrochen zu sein“, kritisiert Vereinschef Ralph Hagemeyer, dass die Stadt noch keinen Förderantrag gestellt hat: Ursprünglich sei der Antrag zum 30. April 2014 geplant gewesen, dann zum 30. April 2015 zugesagt worden, nun spreche die Verwaltung vom 30. April 2016 – „dass die Stadt an dem Aufzugs-Bau noch ein Interesse hat, müssen wir leider bezweifeln“, resümmiert Ralph Hagemeyer.

Weiterer Grund für die Kritik ist eine Explosion der Kostenschätzung für den Aufzug: Aus ursprünglich etwa 240.000 Euro in 2013 wurden nach Worten von Ralph Hagemeyer zunächst 350.000 Euro, dann 470.000 Euro, im Februar bezifferte das Gebäudemanagement Wuppertal (GMW) die Kosten nun auf 1,19 Millionen Euro. Die Verfünfachung bezeichnete OB Jung bei seinem Vortrag auf dem Südstädter Mitgliedertreffen als eine „belastbare Kostenermittlung“. Wie sie zustande kommt, dazu wartet der Bürgerverein noch immer auf eine längst zugesagte Erklärung der Stadt.

Kosten-Wirrwarr: Will die Stadt abschrecken?

Irritiert zeigen sich die Südstädter auch über Medienberichte, nach denen Baudezernent Frank Meyer den bestehenden Aufzug an Bahnsteig 3 ausbauen und zur Distelbeck verlängern wolle. Das entspreche keinesfalls einer bereits im Frühjahr 2014 getroffenen Abmachung. Sollte dies der Fall sein, so wäre die Kostenexplosion für die Südstädter erklärbar. Denn: Allein Abriss und Neubau des Regenschutzes über Bahnsteig 3 würden auf 800.000 Euro geschätzt.

Auch zu den Kosten für die Unterhaltung schwirren viele Zahlen im Raum: Von 10.000 Euro jährlich sei anfangs die Rede gewesen, dann von 60.000 Euro, berichtet Ralph Hagemeyer. OB Jung nannte bei der Jahreshauptversammlung indes 10.000 Euro, sein Dezernent Meyer spreche in Zeitungsberichten derweil von 30.000 Euro pro Jahr, während der Bürgerverein im Internet Aufzugsanbieter gefunden hat, die die jährlichen Unterhaltungskosten für Außenaufzüge auf maximal 6.000 Euro veranschlagen.

Aus dem Kosten-Wirrwarr zieht Ralph Hagemeyer ein harsches Fazit: „Als Grund für diese unseres Erachtens völlig überzogenen Kostendarstellungen können wir uns nur vorstellen, dass wir abgeschreckt werden sollen.“ Als Zielsetzung der Verwaltung vermutet der Bürgerverein: Man solle dazu bewegt werden, den Aufzugs-Antrag zurückzuziehen. Der Bürgerverein will sich aber nicht ins Bockshorn jagen lassen: „Wir ziehen den Aufzugsantrag nicht zurück, sondern kämpfen im Interesse der Südstadt weiter für dessen Realisierung“, unterstreicht der Verein in seinem offenen Brief.

Damit der Aufzug mit dem „Döpps“ fertig wird: „Förderantrag jetzt stellen!”

Ralph Hagemeyer appelliert vielmehr an den Oberbürgermeister, den Fördermittelantrag nicht auf 2016 zu verschieben – schon allein, weil 17 Monate vor der Baumaßnahme wegen der notwendigen Umleitungen die Anträge bei der Deutschen Bahn gestellt werden müssten, sei Eile geboten. „Sorgen Sie bitte dafür, dass die Förderungsanmeldung beim VRR doch noch zum Ende April dieses Jahres erfolgt“, fordern die Südstädter, denn: „Der Aufzug soll doch fertig sein spätestens zum Zeitpunkt der Beendigung des gesamten Döppersberg-Projektes!“

Aber womöglich besteht gar kein so großer Handlungsdruck wie die Südstädter befürchten – wenn der neue Döppersberg doch nicht 2017 fertig wird, dann hätte es auch mit dem Südstadt-Aufzug noch etwas mehr Zeit…