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02.08.2015, 18.50 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Seilbahn zum Süd: Neue Bürgerinitiative spürt Aufwind

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Unter anderem informierte Sabine Schnake (re.) Volker Ditgen (li.), Bezirksbürgermeisterin Ursula Abé, Peter Vorsteher (Grüne) und Thomas Gaffkus-Müller (CDU) zum Seilbahn-Projekt.

Wie berichtet, gaben eine Handvoll Befürworter, darunter die Spitzen von CDU, Grünen und SPD aus Cronenberg in der vergangenen Woche die Gründung der „Bürgerinitiative Pro Seilbahn“ bekannt. Bislang hätten vor allem die Seilbahn-Gegner die Meinungshoheit gehabt, nun wolle man auch Argumente dafür in die Diskussion einbringen, so die Befürworter zu ihrer Initiative.

„Das ist ein wichtiges Cronenberger Thema, das über die Parteigrenzen fasziniert“,  erläuterte der Dörper CDU-Vorsitzende Thomas Gaffkus-Müller am Dienstag die Dörper „GroKo“ zur Seilbahn. Mit Sabine Schnake von den Wuppertaler Stadtwerken (WSW) traf sich die Initiative da am geplanten Gelände für die Bergstation Küllenhahn zum Ortstermin. Mit dabei war auch Volker Dittgen (SPD) – er berät die Initiative.

Rot-Grün-Schwarz: Cronenberger „Kenia-Koaltion“ für die Seilbahn-Idee

Er ist ein „gewichtiger“ Berater: Dittgen ist nicht nur der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Rates. Auch im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), von dem man sich eine 90-Prozent-Förderung der 50-Millionen-Seilbahn erhofft, spielt der SPD-Verkehrsexperte eine exponierte Rolle: In der VRR-Verbandsversammlung ist Dittgen der stellvertretende Vorsitzende.

„Im Rat werden etwa 90 Prozent aller Entscheidungen im großen Konsens gefällt“,  fand Dittgen nichts Ungewöhnliches an der schwarz-rot-grünen „Kenia-Initiative“ pro Seilbahn. Peter Vorsteher (Grüne) betonte, dass die Seilbahn-Befürworter zunächst Informationen zu dem Projekt sammeln wollten. Das, was von den Gegnern schnell an Kritik geäußert worden sei, „war nicht immer so richtig“, befand Vorsteher.

Anwohner: „Wenn die Mehrheit dafür ist, bin ich es auch…“

So unterstrich der Sprecher der Initiative, dass die Seilbahn auch für Behinderte oder Senioren problemlos nutzbar wäre. Aus eigenem Erleben zum Beispiel der Seilbahn in Bozen wusste Vorsteher zu berichten, dass auch das Lärm-Argument der Kritiker unzutreffend sei. „90 Prozent der Leute, die ich gesprochen habe, sind dafür“, erklärte derweil Wilfried Schotte, der in Kürze  direkt neben das Gelände umzieht, auf dem die Bergstation entstehen soll. Dennoch engagiert sich der Küllenhahner für die Seilbahn: „Wenn die Allgemeinheit dafür ist, bin ich es auch“, erklärte Schotte: „Wenn eine neue Autobahn gebaut wird, sind zuerst auch alle dagegen und dann fahren alle darüber.“

Unisono sehen die Befürworter eine positive Grundstimmung zur Seilbahn in der Stadt. Und auch beim VRR, wie Volker Dittgen zu berichten wusste. Aber: Eine Seilbahn über bewohntem Gebiet gebe es noch nicht, daher sei auch noch nichts beschlossen – „wir sind ja nicht in La Paz“, so Dittgen. Man wolle alle Stimmungen aufnehmen, betonte die Befürworter-Runde, auch Gespräche mit den Seilbahn-Gegnern werde man selbstverständlich führen.

NRW-Seilbahn-Gesetz: Enteignungen sind möglich

Allerdings verwies man auch auf das NRW-Seilbahn-Gesetz – und die Möglichkeiten zu Enteignungen beziehungsweise Entschädigungen, welches das Gesetz vorsieht. Bis es soweit kommen könnte, werden aber noch Jahre ins Land gehen: Fürs Frühjahr 2016 wird ein Ratsentscheid zur Seilbahn angepeilt, im Anschluss würde das Planfeststellungsverfahren eröffnet – etwa zwei Jahre werden dafür veranschlagt.

Für den Bau der Seilbahn rechnen die Stadtwerke mit etwa 18 Monaten Dauer – frühestens 2020 könnte die Seilbahn also fertig sein. Da die Planer stets 2023 als Zeitpunkt der Seilbahn-Jungfernfahrt benennen, bliebe ein Puffer von rund drei Jahren – wohl genug Zeit, um die Klagen gegen die Seilbahn „abzuarbeiten“. Dass geklagt wird, davon gehen die Befürworter fest aus…