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11.03.2016, 14.04 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Südstadt-Bürgerverein: Wird die Seilbahn zur Belastungsprobe?

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Bürgervereins-Vorsitzender Ralph Hagemeyer (3.v.l.) und sein Vorstand sowie Beirat konnten OB Andreas Mucke (2.v.l.) zur Jahreshauptversammlung begrüßen.

Bei der Jahreshauptversammlung des Bürgervereins der Elberfelder Südstadt ließ Vorsitzender Ralph Hagemeyer zunächst das vergangene Vereinsjahr Revue passieren: Besuche des Von-der-Heydt-Museums, von Oper und Theater, Reise zur Bundesgartenschau, Landtags-Besuch und Mitwirkung am erfolgreichen Südstadt-Fest – es war ein ereignisreiches Jahr für den rund 230 Mitglieder zählenden Verein.

Auf der Haben-Seite konnte Hagemeyer ebenso die Bemühungen um den Gedenkstein zur 1.000-jährigen Zugehörigkeit des Rheinlandes zum Deutschen Reich am Freudenberg verbuchen: Der von „der Elberfelder Jugend“ 1925 gestiftete Felsblock ist mittlerweile in die Denkmalliste eingetragen, dank des Bürgervereinsmitgliedes Hans-Joachim Camphausen kann die Sanierung finanziert werden. Von der Jackstädt-Stiftung, so berichtete Ralph Hagemeyer, gibt es positive Signale für eine Unterstützung der Umfeldaufwertung des Gedenksteines.

Disharmonien bei den Vorstandswahlen

Auch im Hinblick auf den Wandbrunnen an der Kölner Straße, den der Bürgerverein aus seinem Dornröschenschlaf weckte, sieht es positiv aus: Der von Efeu überwucherte Zierbrunnen aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts wurde freigeschnitten, Experten sind dabei, die Kosten für die Sanierung zu berechnen. Erfreut erklärte Bürgervereinschef Hagemeyer, dass die Bezirksvertretung Elberfeld einen Zuschuss für die Brunnen-Instandsetzung zugesagt habe.

Eitel Sonnenschein also in der Südstadt? Zumal es ein stattliches Guthaben auf dem Bürgervereins-Konto gibt und der Vorstand einmütig entlastet wurde (Stimme: „Das ist ja wie in der DDR“) schien das so. Die Wahl des stellvertretenden Vorsitzenden, des Schriftführers und der Schatzmeisterin sorgte dann aber für Disharmonien. Ein Neu-Mitglied lehnte eine En-Bloc-Abstimmung der zur Neuwahl stehenden Vorständler ab. Ein anderer meinte, das ginge dennoch und drohte sogar mit Klage. Ralph Hagemeyer ging auf Nummer sicher und ließ zu jedem Kandidaten einzeln abstimmen.

Ob Bürgervereins-Vize Jürgen Schröder, Kassenwartin Brigitte Hagemeyer oder auch Schriftführer Michael Dickmann, alle Vorständler wurden dann aber einmütig wiedergewählt – viel Rauch um nichts also… Etwas anders sieht es in Sachen Seilbahn aus: Bürgervereinschef Hagemeyer bekannte, dass das Projekt auch im Bürgerverein kontrovers diskutiert werde. Hinter den Kulissen war zu hören, dass Hagemeyers Initiative für einen Versatz der Trassenführung für Diskussionen gesorgt habe – der Vereinsvorsitzende stellte eine Mitgliederbefragung in Aussicht.

„Sehr fundiert“: OB-Kompliment für die Seilbahn-Gegner

Dass die Seilbahn-Frage den Bürgerverein spaltet, zeigte die anschließende Diskussion mit Oberbürgermeister Andreas Mucke. Der neue Stadt-Chef bekannte, dass er die Seilbahn-Idee gut finde, unterstrich jedoch, dass das Projekt ergebnisoffen geprüft werde und er mit den Gegnern „auf Augenhöhe“ im Gespräch bleiben wolle. Insofern wolle man mit den angedachten Bürgergutachten und Seilbahn-Foren auch neue Wege in der Bürgerbeteiligung gehen: „Wir sind auf alle Seiten zugegangen“, betonte Andreas Mucke und zollte der Initiative gegen die Seilbahn zugleich ein Kompliment: Sie sei sachlich und sehr fundiert – „das gefällt mir“.

Obwohl der OB fast gebetsmühlenartig unterstrich, dass der Rat erst am folgenden 7. März über eine ergebnisoffene Prüfung des Seilbahn-Projekts beriet, trugen Mitglieder der Initiative „Seilbahnfreies Wuppertal“ ihre Ablehung vor. Aber auch Horst W. Tüsselmann vom Kleingartenverein Edelweiß meldete sich zu Wort: Das Vorstandsmitglied der Laubenpieper sprach von verheerenden Folgen für das Hatzenbecker Bachtal durch zwei der fünf Seilbahn-Stützen: „Das ganze Bachtal wird zerstört“, sagte Tüsselmann: „Seitdem bin ich Gegner dieser Luftschaukel.“

Seilbahn: „Nicht schon vor der Prüfung totreiten…“

Der Edelweiß-Vorständler appellierte an den Südstadt-Bürgerverein, einen Appell gegen die Seilbahn an den Rat zu richten. Dass es auch andere Meinungen im Bürgerverein gibt, brachte eine andere Wortmeldung zum Ausdruck: Er könne das alles nicht verstehen, sagte ein Mitglied, der Rat habe doch am 7. März nur über eine Prüfung der Seilbahn-Machbarkeit abgestimmt – „und jetzt wird das Projekt schon totgeritten“, mahnte das Bürgervereinsmitglied, doch die Prüfergebnisse abzuwarten.

In jedem Fall machte die Diskussion mit OB Mucke deutlich: Die Seilbahn-Idee könnte den Südstädter Bürgerverein vor eine Belastungsprobe stellen, die er so lange nicht, vielleicht noch nie zu bewältigen hatte – eine Zerreißprobe schwebt über dem bald 110 Jahre alten Verein…