Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

22.06.2016, 13.21 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

92 Jahre alt – und immer noch für Tschernobyl-Kinder aktiv…

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Hannelore Geiss und Renate Buchholz (mi. re.) im vergangenen Jahr mit ihren Gästen am NaturFreunde-Haus. -Foto: Archiv

Eines traurigen Jubiläums konnte vor wenigen Wochen gedacht werden: Am 26. April 2016 jährte sich zum 30. Mal die Atomkatastrophe von Tschernobyl. Die verheerenden Folgen des Atom-GAUs von 1986, des bis dahin „größten anzunehmenden Unfalls“ (GAU) in einem Atommeiler, wirken bis heute in der strahlenverseuchten Kernzone fort.

Ebenso gibt es aber auch positive Folgen des Unglücks von Tschernobyl, die aktuell Bestand haben: Beispiel dafür ist das Engagement des Vereins „Ärzte in sozialer Verantwortung für die Kinder von Tschernobyl“. Seit drei Jahrzehnten engagiert sich der kleine Wuppertaler Verein für die Bewohner des kleinen weißrussischen Örtchens Merkolowitschi. Dieses liegt am Rande der Sperrzone, die vor fast 30 Jahren nach dem Tschernobyl-GAU schwer radioaktiv verseucht wurde.

Der Wuppertaler Verein errichtete in dem rund 1.700 Kilometer entfernten Ort zum Beispiel eine Zahnarzt-Station. „Diese arbeitet mittlerweile selbstständig“, freut sich Hannelore Geiss. Die Aktivistin reiste 1993 erstmals nach Weißrussland und brachte Hilfsgüter zu der Station, der kleinen Dorfschule sowie zu den Alten und Bedürftigen in Merkolowitschi. Weil sie mittlerweile 92 Jahre alt ist, kann Hannelore Geiss die Strapazen dieser jährlichen Fahrten nicht mehr bewältigen.

Hannelore Geiss: „Ich kann’s nicht lassen…“

Trotz ihres Alters und aller gesundheitlicher Erschwernisse lässt sich die mit dem Ehrenamtspreis „Wuppertaler“ ausgezeichnete Aktivistin eines jedoch nicht nehmen: Auch in diesem Sommer organisiert Hannelore Geiss den Erholungsaufenthalt von Merkolowitschi-Kindern in Cronenberg: Vom 12. Juli bis zum 2. August werden wieder 16 Kinder und drei Betreuer aus dem fernen Weißrussland im Dörper NaturFreunde-Haus zu Gast sein.

„Die Kinder freuen sich schon riesig“, berichtet Hannelore Geiss nach einem Telefonat mit der ehemaligen Leiterin der Dorfschule, welche die jungen Schüler im Alter von acht bis 12 Jahren auch diesmal begleiten wird – Urlaub in Cronenberg ist für die Kinder in jedem Jahr ein tolles Reiseziel. Das zu ermöglichen, treibt Hannelore Geiss und auch ihre rechte Hand Renate Buchholz von den NaturFreunden, an – „ich begreife es selbst nicht“ sagt die 92-Jährige, „das Laufen geht schlecht, aber ich kann’s nicht lassen“.

Geld, Bekleidung, Sachspenden – jede Hilfe ist willkommen

Und das bedeutet für Hannelore Geiss, dass sie auch in diesem Jahr wieder die „Spendentrommel“ schlagen muss: Schließlich kostet allein die Busfahrt nach Cronenberg und zurück nach Weissrussland 6.000 Euro – Geld, das die „Ärzte in sozialer Verantwortung für die Kinder von Tschernobyl“ aus ihren wenigen Mitgliedsbeiträgen nicht aufbringen können. Alle Jahre wieder bittet Hannelore Geiss daher auch die CW-Leser um Unterstützung.

Spenden & Kontakt

Dringend benötigt werden natürlich Geldspenden, aber auch Bekleidung für die Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren ist willkommen. Zudem fehlt es an Spielzeug, Schuhen oder auch Bettwäsche. Jeder Spenden-Euro auf das Konto 915 181 des Vereins „Ärzte in sozialer Verantwortung für die Kinder von Tschernobyl” bei der Stadtsparkasse Wuppertal (BLZ 330 500 00) hilft – auf Wunsch werden Spenden-Quittungen ausgestellt. Wer Fragen hat, kann mit Hannelore Geiss gerne unter Telefon 0178-717 00 33 Kontakt aufnehmen.