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08.11.2016, 19.41 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

TiC-Theater: Professionell und jetzt auch „professoral“

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Mit Professor Stefan Hüfner hat das TiC-Theater einen profunden Musikleiter an seiner Spitze.

Rund 30.000 Zuschauer besuchten im vergangenen Jahr das „Theater in Cronenberg“ (TiC). Damit verzeichneten die Cronenberger Bühnen mehr Zuschauer als das städtische Schauspiel oder auch das Musiktheater. Der TiC-Erfolg hat viele Namen: Natürlich zu nennen sind da die Laien-Darsteller, die zahlreichen Ehrenamtlichen, die sich für das Dörper Theater engagieren, die Firmen und Unternehmer, die sich als Sponsoren beziehungsweise Gesellschafter im TiC-Beirat einsetzen, oder auch die Förderer im TiC-Club.

Nicht zu vergessen die beiden TiC-Geschäftsführer, die nach der Insolvenz das Cronenberger Theater seit 2007 wieder in ruhiges Fahrwasser lotsten. Gemeinsam mit Ralf Budde ist Stefan Hüfner der zweite Erfolgsgarant des TiC-Theaters und sein Name darf sich mit Beginn des neuen Semesters an der Folkwang-Universität der Künste mit einem Zusatz schmücken: Die vielleicht renommierteste Kunsthochschule Deutschlands erkannte dem TiC-Co-Geschäftsführer den Professoren-Titel zu.

Die Ernennung ist eine Bestätigung der Arbeit, die Hüfner bereits seit Jahren leistet. Nicht damit gemeint ist seine Arbeit als musikalischer Leiter des TiC-Theaters und die zahlreichen Erfolge, angefangen mit „Eating Raoul“ bereits im Jahre 1995 über TiC-Hits wie „Anything goes“, „Das weiße Rössel“ oder „Kiss me Kate“ bis hin zum aktuellen Renner „Comedian Harmonists“ oder dem Weihnachtsstück „A christmas carol“. Neben der erfolgreichen Arbeit an der Borner Straße und in Unterkirchen ist der 52-Jährige vielmehr bereits seit 2009 an der Folkwang-Hochschule tätig.

Musiken für Tour de France, Expo oder Musicals komponiert

Im Studiengang Integrative Komposition unterrichtet der Diplom-Komponist, der an der Duisburger Mercator-Universität auch Musik und Geschichte studierte, im Schwerpunkt Jazz/Pop: „Natürlich hat mich die Ernennung gefreut“, sagt der TiC-Chef: „Das ist eine Anerkennung meiner jahrelangen Arbeit.“ Und die begann vor rund 25 Jahren nach dem Studium und einem Stipendium in Kanada zunächst mit dem harten Brot eines Freiberuflers.

Da betätigte sich Stefan Hüfner mit Auftragsarbeiten: Was im Fachjargon „Angewandte Musik“ heißt, bedeutete damals, dass Hüfner zum Beispiel die Musik für die TV-Werbung von „Theramed Liquid“ oder auch für die Tour de France-Übertragung in der ARD komponierte. Jan Ullrich gewann 1997 das Rad-Spektakel – insofern war Hüfners Musik wohl ein Hit. Viel war Hüfner für den WDR tätig, komponierte Musiken für Autofirmen, Henkel, Coca Cola, L’Oreal oder auch zur Expo 2000 in Hannover und zahlreiche  Stücke für Radio-Werbejingles – „das waren viele schöne Sachen“, blickt der Musik-Chef des TiC zurück: „Von irgendwas muss ein freischaffender Künstler ja leben.“

Von Stanke bis Smailes – zahlreiche TiC-Talente geschmiedet

Seit er mit Ralf Budde das TiC leitet und zudem an der Folkwang-Universität unterrichtet, müssen Zahncremes, Automodelle oder Radrennfahrer ohne Hüfner-Kompositionen auskommen. Zwar schafft der Wahl-Sudberger noch immer „Ausflüge“, so schrieb er den Titelsong für das Kinder- und Jugendstück „Der kleine Medicus“ von Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer oder arrangierte den Edith-Piaf-Abend mit Julia Meier und ist regelmäßig an CD-Produktionen beteiligt, so zum Beispiel mit Herbert Knebels Affentheater, Philipp Boa oder auch Till Grönemeyer.

Vornehmlich feilt Hüfner aber an den Talenten an der Hochschule und im TiC. Und hier hat sich der 52-Jährige seine „Lehrer“-Sporen in den letzten 20 Jahren längst verdient: Patrick Stanke ist einer der Stars der deutschen Musical-Szene, Patrizia Margagliotta bundesweit als Sängerin und Schauspielerin ebenso unterwegs wie Alen Hodzovic als Schauspieler, Sänger und Musicaldarsteller, Stefanie Pütz und Julia Meier sowie Dustin Smailes haben ebenso den Sprung auf die großen Bühnen geschafft, Lara Sienczak und Jana Konietzki schicken sich gerade dazu an – die Liste der Stars und Talente ließe sich verlängern, Stefan Hüfner hat sie alle (mit-)geschmiedet.

Stefan Hüfner: In der „Freizeit“ Big Band-Leader

Auch damit ist die Liste der Tätigkeiten Hüfners noch längst nicht abgearbeitet: Ob fürs TiC, die Wuppertaler Bühnen, das Stadttheater Gießen oder für den WDR komponierte und/oder produzierte der Sudberger Kinder-CDs und Bühnenmusiken, er leitet oder wirkt als Instrumentalist in zahlreichen Produktionen mit und, und, und nicht zuletzt arrangiert beziehungsweise spielt Stefan Hüfner fürs TiC fast alle Musiken selbst ein – im ersten Stock seines Hauses im Dörper Süden hat er den Platz und die Ruhe dazu.

Bleibt bei alledem Zeit und Raum für andere Interessen? Ja, sagt Stefan Hüfner, der Mülheimer Big Band „Bandfire“ steht der Professor als Bandleader vor. Wobei: Tischtennis würde er auch gerne mal wieder spielen – in der Jugend, plaudert er aus dem Nähkästchen, habe er mit der Stadtmeisterin von Mülheim durchaus ganz gut mithalten können…

Übrigens, die nächste Premiere im TiC steht bereits vor der Tür: Nachdem das Gerichtsdrama „Terror“ erst Mitte Oktober das TV-Ereignis im Ersten sowie in der Schweiz und in Österreich war, erobert das Stück von Ferdinand von Schirach nun das CW-Land: Am 11. November 2016 feiert „Terror“ Premiere im TiC-Theater. Die Erstaufführung ist ausverkauft, Karten für die weiteren Vorstellungen gibt es unter Telefon 0202 47 22 11, im TiC-Kartenbüro an der Hauptstraße 3 oder unter im Internet unter www.tic-theater.de. Mehr Infos zu Stefan Hüfner sind online unter www.stefanhuefner.de abrufbar.