Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

01.03.2017, 10.12 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Unklar, unmoralisch, unrichtig: Kritik an Text für Gedenktafel

Artikelfoto

Derzeit erinnert am ehemaligen Schießstand im Burgholz lediglich ein längst verblichenes Schild an das grausame Massaker, das hier in den letzten Kriegstagen 1945 verübt wurde. -Foto: Archiv

„Dieser Punkt ist schon fast historisch“, sagte Bezirksbürgermeisterin Ursula Abé in der Februar-Sitzung 2017 der Bezirksvertretung (BV) Cronenberg: Bereits im Jahr 2014 hatte sich das Dörper Stadtteilparlament für eine Gedenktafel an das Burgholz-Massaker, bei dem im Frühjahr 1945 30 sowjetische Zwangsarbeiter am damaligen Schießstand im Burgholz von den Nazis ermordet wurden, ausgesprochen (die CW berichtete). In der ersten Sitzung 2017 der BV lag nun endlich der Entwurf der Stadt dafür vor. Was lange währte, war damit gut?

Überhaupt nicht! Vize-Bürgermeister Michael-Georg von Wenczowsky (CDU) blieb mit seinem Dank an die Adresse des Leiters des Historischen Zentrums, Dr. Eberhard Illner, allein. Nachdem Illner den Entwurf des Gedenktextes und die umfangreiche Recherche dazu erläutert hatte, war die Kritik im Stadtteilparlament groß. SPD-Vorsitzender Oliver Wagner bemängelte, dass der Eingangssatz dazu völlig verschachtelt und damit unverständlich sei: „Wenn das ein normaler Schüler liest, dann verliert er die Lust“, regte Wagner an, den Text verständlicher zu formulieren.

Gedenkstätte-Leiterin Schrader: „Text für eine nüchterne Infotafel…“

Die Bezirksvertreter Dirk Wallraff (Grüne) und Hartmut Kissing (Linke) bemängelten, dass der Textentwurf eine Einbettung in den politischen Kontext vermissen lassse, also die Gewaltherrschaft der Nazis zu wenig thematisiert werde. Dann kam’s aber noch „dicker“ für den Entwurf der Stadt: Auf Antrag der Linken erhielt Lieselotte Bhatia Rederecht. Bhatia ist Tochter eines Kriminalbeamten, der an dem Massaker beteiligt war. Seit vielen Jahren ist sie mit dem Verein „Spurensuche – NS-Geschichte in Wuppertal“ engagiert, das Gedenken an die schrecklichen Geschehnisse im Burgholz wach zu halten.´

Lieselotte Bathia schloss sich der Kritik von Dr. Ulrike Schrader an: Die Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge hatte in einem Schreiben an die Stadt bemängelt, dass der Textentwurf für eine „nüchterne Informationstafel“ geeignet sei, nicht aber für eine Gedenktafel: „Die Leser dieser Tafel werden, völlig zu recht, den Ausdruck einer moralischen Haltung der Urheber des Textes vermissen“, schreibt Schrader. Sie halte es für notwendig, dass der „Unrechtscharakter der Erschießungsaktion“ ausgedrückt werde – erst dann „kann man von einer Gedenktafel sprechen“.

Lieselotte Bhatia ging über diese Kritik noch hinaus: Der Textentwurf enthalte auch eine ganze Reihe von Fehlern, bemängelte sie, um den Text anschließend geradezu zu zerpflücken. Zugleich berichtet Bhatia, dass der Verein Spurensuche von der städtischen „Kommission für Erinnerungskultur“ ausgeladen worden sei. „Das ist nicht hinnnehmbar“, unterstrich Bhatia, „das ist kein Text für eine würdige Gedenktafel“ – zwischenzeitlich hat der Verein einen Gegenvorschlag für den Gedenktext vorgelegt. Etwas irritierend war, wie Bezirksbürgermeisterin Ursula Abé die Diskussion abschloss: „Ich denke, wir sind in der Sache auf einem guten Weg“, sagte Abé – die Geschichte wird es zeigen…

Gedenk-Wanderung zum Burgholz-Massaker

Anlässlich des 72. Jahrestages des Burgholz-Massakers veranstaltet der Verein „Spurensuche – NS-Geschichte in Wuppertal“ am 11. März 2017 eine neuerliche Gedenk-Wanderung: Ab 14.30 Uhr wird dabei über die Hinrichtung in den letzten Kriegswochen 1945 berichtet. Die Gedenk-Wanderung führt zu dem Massengrab und zum geplanten „Erinnerungsort Burgholz“ am „Helena Matrosowa-Platz“. Im Anschluss an die Wanderung ist ein Besuch der Gedenkstätte auf dem Friedhof Schorfer Straße geplant. Treffpunkt zu der Wanderung ist um 14.30 Uhr an der Bushaltestelle Obere Rutenbeck/Küllenhahner Str.