Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

12.05.2017, 13.53 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Fastwoche: Der erste Apfel „danach“ war fast zu viel…

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„Mmmmh, lecker…“: Nach seiner Fastenwoche genoss Martin Ribbe Quark & Knäcke in seiner Pause als Bürgerbus-Fahrer. -Foto: Meinhard Koke

Was fällt Ihnen zu Knäckebrot mit Kräuterquark ein? Ist mal ganz lecker, wenn nichts anderes da ist, oder?! Als Martin Ribbe in seiner Pause als Bürgerbus-Fahrer genüsslich eine Scheibe Knäcke in den Becher Quark stippte, jubilierte er geradezu – köstlich mundete der spartanische Snack dem 59-Jährigen.

Nun, der Kantor der Evangelischen Gemeinde Cronenberg ist kein Asket und kein Kostverächter, als seine Laster benennt Ribbe Schokolade oder auch ein Stück Kuchen mit einem fairen Kaffee im Gemeinde-Café Emmaus. Nur das Quark-Knäcke war eine der ersten „richtigen“ Mahlzeiten, mit denen sich Ribbe nach einer Fastenwoche zurück ins „normale“ Ernährungsleben zurücktastete – und da kann offenbar auch Knäckebrot und Kräuterquark ein Gaumengenuss sein.

Am Imbiss oder der Bäckerei vorbei ist schon hart…

Seit 2014 legt der Dörper Kirchenmusiker jährlich in der Passionszeit eine Heilfasten-Woche ein – um „alles loszulassen“, wie er seine Motivation beschreibt, um Schlacken und anderen Ballast loszuwerden. Beim Heilfasten ist es aber nicht so einfach, einfach nix mehr zu essen. Soll sie gesund sein, will die Fastenwoche strategisch angegangen und durchgeführt sein. Mit einem „Entlastungstag“, an dem nur Obst und Gemüse Trumpf ist, legt Ribbe los. Am Abend dann sorgt ein Abführmittel dafür, dass der Darm vollständig entleert wird. Details seien an dieser Stelle ungenannt, nur das Abführmittel sei eine Grundbedingung, erklärt Martin Ribbe: „Sonst ist das Hungergefühl da.“

In der folgenden Woche dann ist viel Wasser Trumpf, aber auch Fastentee, Molke, Gemüsebrühe oder auch Sauerkrautsaft. Kaffee geht nicht, leider, berichtet der Kantor weiter, aber immerhin Gerstenkaffee ist drin. „Am Anfang ist es schon hart, am Hauptgrill oder der Bäckerei vorbeizugehen und den Duft von Imbiss oder der Backwaren in der Nase zu haben“, schmunzelt Ribbe, zumal: „Man riecht ganz anders, viel sensibler.“

Eine Kartoffel und eine Möhre – „ein Himmel der Gefühle…“

Im weiteren Verlauf der Woche werde er jedoch gelassener, denn der innere Schweinehund lässt offensichtlich zunehmend locker: „Man klopft sich auf die Schulter, dass man es schafft“, beschreibt Martin Ribbe seine Gemütsgenese, ab Donnerstag/Freitag sei das Fasten dann schon wesentlich erträglicher – das Ende gerät dann ja auch in Sichtweite. Allerdings: Wenn es da ist, erklärt der Kirchenmusiker, kann nicht postwendend im Hauptgrill oder dem Café Emmaus wieder der „Völlerei“ gefrönt werden.

Nein, ebenso wie man sich behutsam hinein tasten sollte, muss man auch langsam „entfasten“. Bei Martin Ribbe machte das „Fastenbrechen“ ein Apfel am Sonntagmorgen aus: „Der war fast zu groß – man schafft ihn kaum“, blickt Ribbe auf seine erste „richtige“ Mahlzeit zurück. Dann ging’s zum Gottesdienst an die Orgel, im Anschluss gönnte sich Ribbe erneut etwas. Nein, keinen Sonntagsbraten, eine Kartoffel, eine Möhre und etwas Lauch standen auf dem Speisezettel – „das zu kauen, war ein Himmel der Gefühle“, schwärmt der 59-Jährige geradezu, „und ich war super-satt“.

Beim  nächsten Mal vielleicht ins Kloster…

Am kulinarischen Ende des ersten Tages der Aufbauwoche standen dann Tomatensuppe und ein Glas Dickmilch mit Leinsamen – „lecker“, versichert Martin Ribbe – und zwar glaubhaft. Jeder der fünf Schonkost-Tage hielt das nächste „Mmmmh…“-Erlebnis bereit, und der erste Latte Macchiato „danach“ – eine „Explosion of emotions“, beschreibt es Martin Ribbe im „neu-dörper Platt“.

Auch wenn obendrauf noch vier Kilo Gewichtsverlust auf der Habenseite verbucht werden konnten, auch wenn das Fahrradfahren selbst bis Mülheim kein Problem war und auch wenn sich am Ende ein großes Gefühl der Zufriedenheit und des Stolzes, es geschafft zu haben, einstellte, die nächste Fastenwoche will Martin Ribbe anders gestalten: Und zwar nicht nur ohne Essen, sondern auch ohne Arbeit, aber vielleicht im Kloster – Ruhe, Stille, Spiritualität und der Austausch mit anderen Fastenden – das wäre was…

„Ich meine, ja“, antwortet Ribbe auf die Frage nach einem nachhaltigen Effekt des Heilfastens: Er esse nicht mehr so viel und achte auch mehr darauf – „aber auf mein erstes Snickers freue ich mich trotzdem“, lacht der Dörper…