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27.10.2017, 08.15 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

„Ganz in Pink“: „Kreisch-Alarm“ bei Premiere im TiC-Atelier

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Die schrille Elle (mi.) wandelt sich in dem neuen TiC-Musical vom „Blondchen“ zur Karrierefrau – sie bleibt aber ganz in Pink… -Foto: Martin Mazur

Es war ziemlich pink, schrill und laut am 14. Oktober 2017 im Atelier Unterkirchen: Auf der Musical-Bühne des TiC-Theaters feierte „Natürlich blond“ Premiere. Zur Pause fanden einige Premieren-Besucher den „Kreisch-Alarm“ etwas zu schrill, nach dem Schlussvorhang kreischte jedoch das Publikum: Mit minutenlangem Applaus feierten die TiC-Zuschauer die Inszenierung von Musical-Sänger Dustin Smailes und Stefan Hüfner (Musik) sowie die Leistung der Mitwirkenden – wer den „Hollywood-Way of life“ mag, wird „Natürlich blond“ im TiC lieben.

Das Musical basiert auf der gleichnamigen US-Filmkomödie aus dem Jahr 2001, die ein Blockbuster in den Kinos war. Nach der Uraufführung 2007 am Broadway kam das Musical 2013 in Wien zur deutschsprachigen Erstaufführung. Das Stück dreht sich um die naturblonde Elle Woods: Reichlich mit körperlichen Vorzügen gesegnet, hat das „Blondchen“ vor allem eins im Sinn – shoppen und Party. Und die Verlobung mit Warner Huntington III.

Vom pinken „Blondchen“ zur pinken Karrierefrau

Doch der ist auf dem Sprung zum Jura-Studium in Harvard und möchte Karriere machen: Kanzlei, Sitz im Senat, „drei Kinder wie die Kennedys“, so lautet sein Plan – da passt sein pinkes Püppchen nicht rein, Warner serviert Elle ab. Die ist am Boden zerstört, Haar- und Fingernagel-Fee Paulette baut sie jedoch auf. Elle macht den Aufnahmetest in Harvard und bekommt einen Studienplatz – sie will ihren Warner zurückerobern, aber nicht mit dem „Faktor Blond“, sondern durch Leistung.

Als Warner sie auf dem Campus trifft, bleibt ihm die Spucke weg. Doch er ist inzwischen mit Vivienne verlobt: „Sie ist der Typ Frau, der Schwarz trägt, obwohl keiner gestorben ist“, befindet Elle. Aber Vivian ist auch der Typ Frau, mit der man Karriere machen und drei Kinder haben kann – eben wie die Kennedys. Elle derweil läuft im ehrwürdigen Harvard-Betrieb zunächst vor die Wand: Sie fliegt aus dem Seminar („Wir sind hier an der Universität, nicht bei Parship“), aber sie gewinnt mit ihrer unkonventionell-schrillen Art auch den jungen Anwalt Emmett für sich.

Er wird soetwas wie Elles Mentor, und als Professor Callahan für seine Kanzlei ein Team aus Praktikanten für den Mordprozess gegen Fitness-Star Brooke zusammenstellt, schafft es Elle ins Team. Und nicht nur das, sie trumpft auch groß auf – bei Star-Anwalt Callahan, bei Emmett und vor Gericht… Ob sie den Mega-Prozess und das Warner-Herz gewinnen kann, bleibt hier offen. So viel sei aber verraten: Wie in Hollywood üblich, gibt es auch in „Natürlich blond“ natürlich ein Happy End, aber ein etwas anderes als man denken möge…

„Knick und Popp“ contra Karriere und Prestige

Das Musical spielt mit dem amerikanischen Traum: Man kann alles schaffen, wenn man es nur will und an sich glaubt – sogar ein dummes Party-Blondchen in Pink. Da gibt Pink im ersten Musical-Teil im TiC-Atelier den Ton an, da ist der Zuschauer hin- und hergerissen zwischen Naserümpfen und viel Spaß, die schrillen Kostüme und das Bühnenbild von Kerstin Faber tun das Ihrige dazu. „Aber so ist es eben in Amerika“, attestierte eine Premierenbesucherin.

Annika Tahiri als Elle, Florian Siegmund als Emmett oder auch Jonathan Lutz als Warner und Elisabeth Wahle als Vivienne singen und spielen sich in die Herzen der Zuschauer. Und tanzen sich in sie hinein: Ob Natascha Neugebauers (Brooke) Knast-Choreo zu „Peitsch dich in Form“, Karolin Hummerichs (Paulette) Irland-Soli à la Riverdance oder auch die Tanzeinlage von Annika Tahiri (Elle), Karolin Hummerich, Natascha Neugebauer und Kerstin Trant zu „Knick und Popp“ – für die Tanzszenen gab’s immer wieder Zwischenapplaus, Star-Choreograph Paul Kribbe hat erneut ganze Arbeit geleistet.

Klasse auch André Klem, der als Reggae-Mann Grandmaster Chad  groovt, um dann als Professor Callahan zu dozieren – sein sexueller Übergriff gegen Elle machte „Natürlich blond“ vor dem Hintergrund des gerade bekannt gewordenen Hollywood-Skandals hochaktuell. Weitere Highlights auch Maximilian Leuchter als überreizend-aufreizender UPS-Bote und Regaip Cetin beim Stück „Schwul oder Franzose“ – da jubelte das TiC-Publikum.

Karten und Kontakt

„Sehr gut gemacht“, bescheinigte ein Ehepaar, das schon den Film gesehen hatte: Trotz der beschränkten Möglichkeiten im TiC, „das ist genau das“, lobten die beiden Premierenbesucher. So ist es: Man kann das pinkfarbene US-Märchen mögen oder nicht, Dustin Smailes und seine TiC-Darsteller muss man mögen! Karten für „Natürlich blond“ gibt es unter Telefon (02 02) 47 22 11, im TiC-Theaterbüro an der Hauptstraße 3 sowie im Internet unter www.tic-theater.de.