Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

26.01.2018, 13.48 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

„Café Knötchen“: „Es ist eine Freude mit den Gästen…“

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Mit Freude dabei: Einige der Ehrenamtlichen, die alle zwei Wochen das „Café Knötchen“ auf die Beine stellen. -Foto: Meinhard Koke

„Es ist nicht so, dass wir uns hier aufopfern und nur geben“, sagt eine Ehrenamtliche: „Es gibt auch uns etwas – wir gehen hier reich wieder hinaus.“ Gemeint ist das„Café Knötchen“, das seit dem Jahr 2013, also seit mittlerweile fünf Jahren, im Gemeindezentrum an der Hauptstraße 39 stattfindet. Von der zwischenzeitlich verstorbenen Diakonin Evi Boeddinghaus, Sabine Weidner, der Ehefrau des damaligen Pfarrers Ulrich Weidner, sowie Ulrike Steinfeld initiiert, richtet sich das Gemeinschaftsangebot von Evangelischer Gemeinde Cronenberg und der Diakonie Cronenberg gGmbH an Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen.

Alle 14 Tage montags wird in einem gemütlichen Raum des Gemeindebüros der Tisch gedeckt sowie Kaffee und Kuchen aufgetischt – ab 14.30 Uhr können die Gäste an der liebevoll eingedeckten Tafel Platz nehmen, um ein paar gesellige Stunden zu verleben. Allerdings nur nach Voranmeldung, denn das „Knötchen-Café“ hat höchsten acht Plätze frei. Das Angebot richtet sich vornehmlich an Personen mit Demenz. Aber auch Senioren mit anderen altersgemäßen Beeinträchtigungen sind herzlich willkommen. Vorausgesetzt, sie haben einen Pflegegrad, denn das Angebot wird über die Kostenträger abgerechnet.

Weitere Voraussetzung ist, dass die Gäste noch daheim leben: Das „Café Knötchen“ soll den Senioren nämlich nicht nur eine schöne Abwechslung vom Zuhause in Gesellschaft bieten, Grundgedanke ist auch, die pflegenden Angehörigen daheim kompetent zu entlasten und ihnen eine Auszeit zu ermöglichen – um vielleicht einmal zum Frisör zu gehen, einzukaufen oder einfach einmal einen Nachmittag für sich zu haben. Sie habe ihre Mutter bis zum Alter von 95 Jahren daheim betreut, weiß eine Ehrenamtliche zu berichten – „ich habe mich immer sehr gefreut, wenn mir jemand geholfen und mich etwas entlastet hat.“

Café Knötchen: „Wir erleben hier so viel Lebensfreude…“

Die aktuell acht Ehrenamtlichen, übrigens durchweg Frauen, gießen allerdings nicht nur Kaffee ein und legen Kuchen auf den Teller. Alle „Knötchen-Helfer“ haben zuvor eine spezielle Schulung zum angemessenen Umgang mit demenziell Erkrankten absolviert. Insofern nimmt die Kaffee-Runde nicht einfach Platz, jeder Nachmittag hat eine ähnliche Struktur, denn: Rituale sind wichtig, sie unterstützen Orientierung und Wahrnehmung der Gäste. Zunächst wird „zum Aufwärmen“ Kaffee getrunken und geklönt, dann folgt ein Thema, das die Ehrenamtlichen vorbereitet haben – beim Starttreffen 2018 wurde mit Fotos und kleinen Filmchen auf dem Monitor ein Rückblick auf das vergangene „Knötchen“-Jahr geworfen.

Um die geistigen Fährigkeiten anzuregen, wird dazu gesungen, gequizzt und Spiele gemacht oder auch – ganz wichtig, um die körperlichen Möglichkeiten zu schulen – Bewegungstrainings im Stuhlkreis absolviert: „Die drei Stunden vergehen so wie im Fluge“, berichten die Café-Mitarbeiterinnen: „Eine Gästin sagte mal zu mir, das seien ihre schönsten Nachmittage im Monat.“ Eine Bereicherung sind die Café-Stunden aber auch für die Ehrenamtlichen: Sie habe einst Angst vor dem Thema „Demenz“ gehabt, erzählt eine der Knötchen-Mitarbeiterinnen freimütig, diese habe sie nun völlig verloren: „Wir erleben hier so viel Lebensfreude“, betont sie, „es ist nicht so, dass die Betroffenen nur dahindämmern, sie freuen sich richtig – das ist toll.“

Bis Mitte „70“ sind die acht Helferinnen alt, absolutes „Nesthäkchen“ ist mit erst 22 Jahren Katharina Steinbach. Mit der Mutter, die sich auch für das Café engagiert, ging sie einfach mal mit – „das hat totalen Spaß gemacht“, erklärt die Mathematik-Studentin, warum sie sich nun auch für das „Café Knötchen“ engagiert: „Ich finde es sehr interessant, wenn die Gäste von früher erzählen – es ist eine Freude mit alten Menschen zusammen zu sein.“

Infos & Kontakt

Wer diese Freude teilen und sich ebenfalls für das Café-Angebot engagieren möchte, kann sich bei der Diakonie Cronenberg unter der Telefonnummer 0202 478 10 90 melden – gerne auch Männer! Natürlich sind auch Gäste unter dieser Nummer für die Voranmeldung richtig. Mehr Infos gibt es im Internet unter der Adresse www.diakonie-cronenberg.de.