Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

02.02.2018, 08.25 Uhr   |   Marcus Müller   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

OB Mucke für Stadtteilforum: „Cronenberg ist sehr engagiert“

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Stephan Ries (li.) vom Cronenberger Heimat- und Bürgerverein im Gespräch mit Wuppertals Oberbürgermeister Andreas Mucke. – Foto: Marcus Müller

„Wir kommen uns ein bisschen wie auf dem Abstellgleis vor“, stellte Vorsitzender Rolf Tesche direkt zu Beginn klar und stieß damit ins selbe Horn wie der stellvertretende Bezirksbürgermeister Michael-Georg von Wen­czowsky, der Cronenberg unlängst als „vergessenen und abgehängten Stadtteil“ bezeichnet hatte (die CW berichtete). Aus diesem Grund hatte der Cronenberger Heimat- und Bürgerverein (CHBV) am Dienstagabend Oberbürgermeister Andreas Mucke ins TiC-Atelier Unterkirchen geladen, um mit ihm die für den Stadtteil wichtigen Themen zu besprechen. Um es vorweg zu nehmen: Konkretes oder gar Neues kam dabei nicht heraus – wie Mucke mehrfach betonte, ermittle die Verwaltung in den verschiedensten Bereichen derzeit die Bedarfe, daher wollte sich das Stadtoberhaupt nicht auf bestimmte Zusagen festlegen.

„Dürfen die Stadtteile nicht vergessen, denen es noch gut geht“

„Mir ist wichtig, dass wir alle Stadtteile in ihrem Charakter erhalten“, betonte Mucke allerdings. „Wir dürfen auch die Stadtteile nicht vergessen, denen es noch gut geht.“ Natürlich gäbe es andere Stellen im Tal, an denen dringender gehandelt werden müsse. Im Hinblick auf die inzwischen fast 40 Jahre alten Planungen für die Ortsmitte machte Mucke etwas Hoffnung: „Wenn bald die Straßen erneuert werden, vielleicht können wir ja dann auch verkehrlich etwas auf die Beine stellen.“

Zweifel hatten die Anwesenden auch, ob Cronenberg jemals eine Sporthalle bekäme. Die sei bereits in den Planungen aus dem Jahr 1978 ins Auge gefasst worden, berichtete CHBV-Vorsitzender Rolf Tesche. Ob am Straßenbahn-Depot Unterkirchen (jetzt mit Supermärkten bebaut) oder an der ehemaligen Hauptschule an der Berghauser Straße (bald wohl für zwei bis drei Jahre zwischenzeitlicher Standort einer Rettungswache, um die Ausrückzeiten etwa in Sudberg zu gewährleisten) – geschehen ist bislang nichts. „Ich weiß, dass der Bedarf da ist“, erklärte Mucke, der die Kosten wohl auf 6 Millionen Euro bezifferte und darauf hinwies, dass bis 2021 keine Mittel dafür eingeplant seien. „In Langerfeld hat es 30 Jahre gedauert.”

OB Mucke im April auf „Zuhör-Tour“ in Cronenberg

In Sachen Busverbindung durch den Burgholztunnel nach Vohwinkel appellierte das Stadtoberhaupt an die Firmen, doch mit dem Erwerb von „JobTickets“ dafür zu sorgen, dass diese Strecke realisiert werden könne. Dass das Denkmalamt den geplanten Glasbau an der Reformierten Kirche abgelehnt habe, bedauerte auch Mucke: „Ich finde die Idee übrigens gut“, gab er zu. Ob Verkehr, Leerstände in der Ortsmitte oder Denkmäler: „Ich erwarte von der Verwaltung auch mal Kreativität und Lösungswillen“, gab Mucke zu Protokoll.

Da es Cronenberg ziemlich gut gehe, könne man hier nicht so viele Fördertöpfe anzapfen, erklärte der OB. Da aber die Dorf-Bevölkerung um 10 Jahre älter sei als die im Tal, böten womöglich Programme zur älter werdenden Stadt eine Perspektive. Um die Wünsche und Bedürfnisse auszuloten, kündigte Mucke ein Stadtteilforum an: „Ich weiß, dass Cronenberg ein sehr engagierter Stadtteil ist.“ Den Ball nahm auch CHBV-Vorsitzender Rolf Tesche auf: „Wir sind natürlich auch bereit, uns mit einzubringen.“ Nicht nur in einem möglichen Stadtteilforum will man weiter „am Ball“ bleiben – im April kommt OB Mucke im Rahmen seiner „Zuhör-Tour“ erneut nach Cronenberg. Da wollen CHBV und die anderen Institutionen noch einmal „nachhaken“.