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06.03.2018, 18.59 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

„Fünf Frauen und ein Mord“ im TiC: Top wie ein Münster-Tatort!

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Fünf Frauen und ein Mann liefern im neuen TiC-Krimi eine „Mordsleistung“ ab: Monika Owart, Charlotte Reinke, Andreas Wirth, Christina de Bruyckere-Monti, Karin Schwarz sowie Anja Bielefeld bescheren spannende Unterhaltung der Bestklasse. -Foto: Martin Mazur

Mit über zehn Millionen Zuschauern fuhr der Kieler „Tatort“ am 25. Februar den TV-Tagessieg ein. In den Erfolgs-Fußstapfen von ARD-Ermittler Borowski wandelt TiC-Inspektor Edward Hollister: Zwar werden Millionen Zuschauer nur schwerlich den Weg ins kleine TiC-„Podium“ an der Borner Straße finden, der neue TiC-Krimi „Fünf Frauen und ein Mord“ hätte sie aber verdient. Denn der „viktorianische Kriminalfall“, den Krimi-Experte Ralf Budde am 23. Februar 2018 auf die Bühne des TiC-Theaters brachte, bietet alles, was sich Krimi-Fans wünschen.

Einen tödlichen Unglücksfall, der Mord-Gedanken aufkommen lässt, undurchsichtige und zugleich skurrile Figuren, reichlich Wendungen, grandiose Schauspieler, Spannung bis zum Schluss und obendrein noch eine gehörige Portion Spaß – so geht Krimi! Die Handlung spielt im 19. Jahrhundert auf dem abgelegenen Anwesen der Heartstones. Hausangestellter Malcolm, der einzige Mann auf dem Landgut, hat einen tödlichen Treppensturz erlitten und Inspektor Edward Hollister nimmt die Ermittlungen auf.

Zwei tote Männer unter fünf Frauen – kann das Zufall sein?

Gesellschafterin Miss Ratow gibt an, Malcolm habe sie belästigt. Als sie ihn wegschubste, sei er Treppe hinuntergestürzt – ein Unglücksfall also. Alles scheint klar, aber vor gar nicht langer Zeit war auch Mr. Heartstone zu Tode gekommen – ebenfalls durch einen Treppensturz, angeblich angetrunken. Zwei tödliche Treppenstürze – kann das Zufall sein? Zumal: Die fünf Frauen auf Heartstone sind alles andere als durchschaubar.

Da ist die vornehm-distanzierte Hausherrin Mrs. Heartstone, bei Tochter Jane fragt man sich, ob sie einfach nur pubertierend-phantasierend oder doch verrückt ist. Auch Hausdame Vera Ratow gibt Rätsel auf: Sie gibt sich unnahbar, hinter der Fassade verbirgt sie jedoch ein Schicksal. Dienstmädchen Ruby scheint die Einfalt in Person und Köchin Mrs. Worthing die handfeste gute Seele des Hauses. Im Laufe seiner akribischen Befragungen kommen dem Inspektor zunehmend Zweifel an der Unglücksversion. Denn Hollister deckt auf: Jede der fünf Heartstone-Frauen hatte eine besondere Beziehung zum Opfer, jede hat etwas zu verbergen.

War es doch Mord? Vielleicht, aber wer hat ihn begangen, oder waren es die Heartstone-Frauen im Quintett? Das Publikum rätselt mit dem Inspektor, wird immer wieder aufs Neue überrascht und kann sich keinen rechten Reim darauf machen – bis zum Schluss. Zumal: Auf Heartstone soll ja der Geist des verstorbenen Hausherrn umgehen…

Alles, was ein Dörper Lieblingskrimi braucht…

Schon der Titel verrät es: „Fünf Frauen und ein Mord“ braucht nicht viel Gewalt, ist ein Krimi alter englischer Schule, der seine Spannung – und davon hat er viel – allein aus seinem reizvollen Stoff und seinen zwielichtigen Figuren bezieht. Spannend ist allein schon die Autorin: Bei Gladys Heppleworth soll es sich um eine fiktive Figur handeln, hinter der sich womöglich Krimi-Meister Edgar Wallace verbarg. Ralf Buddes Adaption des rätselhaften Kriminalstückes verdient das Prädikat „meisterlich“.

Budde setzt die fünf jeweils so charakteristischen Frauen-Figuren genauestens justiert in Szene, da ist nichts zu viel und nichts zu wenig! Ob der kalte Blick der Mrs. Heartstone (Monika Owart), der durch spannungsgeladene Hintergrundmusik passend untermalt wird – auf den Punkt gebracht! Oder die verrückten Eskapaden des Wirbelwinds Jane (Charlotte Reinke) – dafür gab’s Szenenapplaus. Ob die dümmlich-naive Ruby, die das Vorbild für das gleichnamige Hausmädchen in der Kult-Serie „Haus am Eaton Place“ gewesen sein könnte – Neuling Anja Bielefeld direkt mit einem Glanz-Debüt. Ob die rustikal-einfache Köchin Mrs. Worthing – eine Paraderolle für TiC-Neuling Karin Schwarz. Und ob Christina de Bruyckere-Monti als durch das Leben gestählte Gesellschafterin Ratow und Andreas Wirth als beinahe wadenbeißerischer Ermittler Hollister – jede Rolle ist brillant besetzt, ohne Abstriche, jeder TiC-Darsteller spielt seine Rolle mit Bravour – Riesen-Kompliment!

Die Sache endgültig rund machen das Bühnenbild von Jan Bauerdick, das auf der kleinen Podium-Bühne mit schwarzer Holztäfelung, Kerzenschein und natürlich Treppen ebenso trefflich ins vorletzte Jahrhundert versetzt, wie die kunstvollen Kostüme von Noëlle-Magali Wörheide – um abermals einen Tatort-Vergleich zu bemühen: „Fünf Frauen und ein Mord“ im TiC-Theater ist von A bis Z „top“ wie ein Münster-Tatort! Das fand jedenfalls das Premieren-Publikum: Es sparte nicht mit reichlich Applaus und trampelte sogar begeistert mit den Füßen – „Fünf Frauen und ein Mord“ avanciert zum Dörper Lieblings-Krimi!

Karten & Kontakt

Karten für den spannenden TiC-Renner gibt es unter Telefon 0202 47 22 11, im TiC-Kartenbüro an der Hauptstraße 3 sowie online unter www.tic-theater.de.