17.08.2018, 18.03 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Wolfgang Bernadowitz: Seit 50 Jahren ein gutes Stück Knipex

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Zwei Urgesteine von Zangen-Weltmeister Knipex: Seniorchefin Ilse Putsch und Mitarbeiter-Jubilar Wolfgang Bernadowitz. -Foto: Meinhard Koke

Knipex – die Zangenmarke, 136 Jahre ist sie nunmehr alt. „Je oller, desto doller“, könnte die Überschrift dazu lauten – das Cronenberger Unternehmen ist Weltmarktführer in Sachen Qualitätszangen, mit aktuell rund 1.200 Mitarbeitern sind mehr Knipexler denn je an der Oberkamper Straße tätig. Ein gutes Stück dieser Erfolgsgeschichte verkörpert Wolfgang Bernadowitz: Der 64-Jährige ist der dienstälteste Mitarbeiter am Stammsitz – Anfang August 2018 feierte der gelernte Maschinenschlosser sein 50-jähriges Mitarbeiter-Jubiläum im Hause Knipex.

Nur eine Person übertrumpft Wolfgang Bernadowitz: Seniorchefin Ilse Putsch, die Mutter von Knipex-Chef Ralf Putsch und gute Seele des Unternehmens, ist bereits seit Mitte der 1950er Jahre im Betrieb. Als Wolfgang Bernadowitz 1968 seine Lehre bei Knipex begann, hat sie ihm den Lehrvertrag nicht überreichtm Ilse Putsch war damals für den kaufmännischen Bereich zuständig: „Die Männer habe ich eigentlich nie eingestellt“, erinnert sich die Knipex-Grande-Dame.

Etwa 400 Mitarbeiter, schätzt Ilse Putsch, waren an der Oberkamper Straße tätig, als der damals 14-jährige Wolfgang Bernadowitz zur Knipex-Familie stieß. Sein Traum war die Lehre zum Maschinenschlosser nicht, Berufswunsch war vielmehr „irgendetwas im Büro“. Ob der dazu aber wenig geeigneten Handschrift riet der Berufsberater jedoch ab, sondern vielmehr zur Bewerbung bei Knipex – nach einem Praktikum hatte Bernadowitz den Lehrvertrag in der Tasche. Wobei: Den Vertrag gab’s erst eine Woche später, weiß Wolfgang Bernadowitz noch – „damals war alles etwas lockerer als heute“. Da ist was dran: Bernadowitz war der einzige gewerbliche Azubi seines Jahrganges, heute hat Knipex insgesamt 52 Azubis und eine topmoderne Lehrwerkstatt.

Beim Durchblättern des großen Knipex-Lohnbuches aus dem Jahr 1968 stolpern Ilse Putsch und Wolfgang Bernadowitz über so einige Namen, die ihnen gemeinsam in Erinnerung sind – Kunststück, damals war der Zangen-Weltmeister ja noch von einem etwas übersichtlicherem Kaliber… -Foto: Meinhard Koke

Beim Durchblättern des großen Knipex-Lohnbuches aus dem Jahr 1968 stolpern Ilse Putsch und Wolfgang Bernadowitz über so einige Namen, die ihnen gemeinsam in Erinnerung sind – Kunststück, damals war der Zangen-Weltmeister ja noch von einem etwas übersichtlicherem Kaliber… -Foto: Meinhard Koke

„Eigentlich wollte ich gar nicht so lange bleiben“, schmunzelt das Knipex-Urgestein, nach der Bundeswehr-Zeit kehrte er dennoch an die Oberkamper Straße zurück. Ölkrise, wackelnde Wirtschaft – da blieb Wolfgang Bernadowitz lieber an der Knipex-Werkbank – sicher ist sicher: „Ich hab‘ mich ja auch schließlich wohlgefühlt.“ Beste Erinnerungen hat er nicht nur an seinen Meister Frohn („Mit dem kam ich prima zurecht“), sondern auch an den damaligen Knipex-Chef Karl Putsch.

Der habe nie den Chef raushängen lassen, sondern auch selbst mit angepackt, wie Wolfgang Bernadowitz anhand einer Werkbank-Anekdote zu belegen weiß: „Ich war schon sehr nervös, er war für mich eine Respektperson“ – auch ein Mosaikstein, warum Bernadowitz beim Zangen-Hersteller blieb. Dafür aber wechselte er innerbetrieblich: Nach einigen Weiterbildungen wurde Bernadowitz zunächst Refa-Techniker, bevor er schließlich die Karriereleiter bis zum Teamleiter SAP-Stammdaten erklomm – und damit dort landete, wo er einst einmal hinwollte: im Büro…

In der Freizeit: Rollhockeyschläger statt Knipex-Zange

Parallel dazu machte Wolfgang Bernadowitz sportlich Karriere: Der Rollhockey-Junioren-Meister von 1972, dessen Sohn Marco noch heute im Dress des RSC Cronenberg spielt, war viele Jahre Betreuer der RSC-Löwen und der Nationalmannschaft sowie RSC-Sportwart und Vorsitzender der Rollsport- und Inline-Jugend des DRIV. Und das verbindet Bernadowitz mit Ilse Putsch, denn auch sie stand einst auf Rollschuhen: Bei RSC-Vater Alfred Henckels war sie Rollkunstlauf-Schülerin, im damaligen Festsaal „Deutscher Kaiser“, dem heutigen „Haus Mees“, lief sie auf Holzrollen zu Vorführungen auf – „als Kunstlauf habe ich das aber nicht bezeichnet“, schmunzelt Ilse Putsch.

Auch wenn sich vieles bei Knipex verändert hat, er längst nicht mehr jeden Kollegen persönlich kennt, die Eingangskontrolle heute verhindert, dass drei Italiener plötzlich neben ihm an der Werkbank stehen könnten, Wolfgang Bernadowitz hat es nie bereut, an der Oberkamper Straße geblieben zu sein: Firma gestern wie heute top, Möglichkeiten zur Fortbildung – „das ganze Paket stimmt“, unterstreicht Wolfgang Bernadowitz: „Ich habe mich hier rundum wohlgefühlt“, zumal: „Meine Handschrift brauche ich heute ja nicht mehr…“

Bis er die 65 Lebensjahre voll hat, wird er noch weiter am Knipex-Schreibtisch sitzen, die 51 Knipex-Jahre wird Wolfgang Bernadowitz aber nicht mehr ganz voll machen. Seine Knipex-Treue wird wohl dennoch niemand mehr übertrumpfen können – abgesehen von Ilse Putsch, natürlich…