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28.09.2018, 16.15 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Allzeit gute Fahrt! „Drei Mann in einem Boot“ im TiC-Theater

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„Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön“, denn mit „Drei Mann in einem Boot“ kann man sich im TiC-Theater jedenfalls vergnügt zurücklehnen… -Foto: Martin Mazur

Drei Männer im Boot schippern flussauf- und -abwärts durch die Republik – die Komödie, in den 1960er-Jahren nach damaligem Geschmack klamaukig mit Walter Giller und Heinz Ehrhardt auf dem Rhein verfilmt, ist ein Evergreen. Nun schippern drei Männer auf der Wupper: Am vergangenen Freitag feierte der „Brit“-Spaß von Jerome K. Jerome im TiC-Theater Premiere.

TV-Star Thomas Gimbel brachte den Klassiker-Spaß aus dem späten 19. Jahrhundert an der Borner Straße auf die Bühne. Zuletzt war Gimbel in „Vier gegen die Bank“ im Kino zu erleben, nun setzt er „Sechs ins Boot“. Denn die geschickt-stimmige Bühnenfassung von TiC-Co-Chef Stefan Hüfner bringt nicht drei Männer und einen Hund an Bord. Bei der Hüfner-Adaption gesellen sich drei Frauen zu dem Männer-Trio, das eine Frauen-Auszeit nehmen will.

Als nach der kargen Eingangsszene der Vorhang fällt, gibt’s den ersten Zwischenapplaus: Ein echtes Segelschiffchen auf der kleinen TiC-Bühne – Jan Bauerdick und Benedikt Fiebig (Bühne) haben das Unmögliche möglich gemacht – da staunte das Premieren-Publikum nicht schlecht. Zunächst plätschert die Herren-Tour so dahin – eben wie auf einer Hausboot-Tour mit gedrosseltem Motor. Die Themse-Tour wird geplant, das Steuerrad in der Hand hat Harry. Bei der Erstellung der Packliste für die Seesäcke kommen zwar Diskussionen auf, ob tatsächlich je eine Unterhose oder eine Zahnbürste für alle ausreichend seien und tatsächlich kein Käse in die Kombüse dürfe.

Männer-Tour geht schnell „über Bord“…

Landratte Harry ist aber – obwohl genauso wenig Seemann wie Jerome und George – Kapitän und gibt den Kurs vor. Und schließlich gilt für die drei Leichtmatrosen: Hauptsache, zwei Wochen keine Frauen! Kaum ist das Rotationsprinzip für die beiden Kajüten und das Zelt an Deck geklärt, geht es schon über Bord – Überraschung: Mary entert das Männer-Boot. Damit kann Hypochonder George seine Seekrankheit nun auch in Weißwein ertränken, und auch der Verstand an Bord hat sich verdoppelt, wie Mary süffisant feststellt. Dann steigt Mildred über die Reling: „Du möchtest mich nicht dabei haben?“, fragt sie ihren Freund Jerome – „doch“, versichert der einigermaßen entsetzt – nun nimmt die gescheiterte Männer-Tour Fahrt auf.

Und zwar nicht nur, weil Mildred für das marode Segel genüsslich ein Betttuch mit der Stick-Aufschrift „Psst, hier schläft Jerome“ hisst. Mildred verpasst ihrem Jerome so manchen weiteren Nackenschlag – der Ärmste! Die ohnehin brisante Bord-Crew komplettiert Ann. Die Freundin des bemitleidenswerten Hypochonders George ist aber vor allem eine Überraschung für „Käpt’n Harry“, denn der hat ein Verhältnis mit ihr – ohne dass er von George wusste… Da kommt Sturm auf der Themse auf, dass Ann jede Menge Regenschirme im Gepäck hat, bringt das Sextett nicht wirklich in ruhigeres Fahrwasser…

Stürmische Bootsfahrt mit Gefühlen und Pointen

„Drei Mann in einem Boot“ bietet zwei vergnügliche Stunden im viktorianischen Stil. Die szenische „Kreuzfahrt“ bietet einige Pointen, umschifft dabei aber geschickt die Klippen zum Klamauk. Beispiele: Herrlich wie der unterjochte Jerome darüber sinniert, in welcher Bett-Stellung er sich am besten lagert, um über seine Mildred ungestraft hinwegatmen zu können; lustig, wie das Männer-Trio nach der Themse-Reinigung (tolle Kostüme: Carmen Fett) ihre Flanell-Anzüge drei Nummern eingelaufen vorfindet; ein Spaß, wie die drei Leichtmatrosen im Feinripp übers Deck irren und ihre Kapitäninnen zur Freude des Publikums feststellen: „Männer-Unterwäsche hat keine ästhetischen, sondern nur praktische Gründe…“

Mit Bravour meistert die „TiC-Crew“ die turbulent-vergnügliche Bootspartie, auch wenn Sebastian Freund als Harry bei der Jungfernfahrt am Steuer etwas nervös schien. Besondere Komplimente verdienen sich Vassilis Sachinidis als bejammernswerter George sowie David Parke als gutmütig-knuffeliger und zugleich bemitleidenswerter Jerome. Man möchte fast auf die Bühne springen und ihn in den Arm nehmen, wenn er mal wieder von seiner „Aal-in-Gelee“-liebenden Mildred (wunderbar gemein: Livia Caruso) getriezt wird. Nina Jestel bezaubert als Mary, Anja Bielefeld macht als ihre Nebenbuhlerin Ann überzeugend das Boot-Chaos komplett.

Karten & Kontakt

„Drei Mann in einem Boot“ ist das richtige Kontrast-Programm zum Herbst: Mit dem neuen TiC-Stück kann man zwei vergnügliche Stunden lang die stürmischen Zeiten draußen umschiffen… Karten gibt es unter Telefon (02 02) 47 22 11, im TiC-Büro, Hauptstraße 3, sowie unter tic-theater.de.