20.11.2018, 19.57 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Initiative am Wilhelmring: „Dieser Spielplatz ist unbespielbar…“

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Einige der jungen Mütter mit ihren Kindern, die den Zustand des städtischen Spielplatzes am Wilhelmring nicht länger (tatenlos) hinnehmen möchten… -Foto: Meinhard Koke

An diesem grau-regnerischen November-Nachmittag wirkt der städtische Spielplatz am Neusiedlerheim Wilhelmring vielleicht noch einmal trister, als er es ohnehin ist. Eigentlich könnte das weitläufige Areal zwischen Kindertagesstätte Neuenhaus und Neusiedlerheim eine Spiel-Oase sein: Tischtennisplatten, Bolzplatz, Kleinkinderbereich, verschiedene Spielgeräte, Sandflächen und Wiesen – alles ist da. Doch der Spielplatz macht eher einen traurigen Eindruck.

Ein Holzbau ist gesperrt, an einer Holz-Wippe sind marode Teile entfernt, der Asche-Bolzplatz ist von Grün überwuchert, das Neusiedlerheim von Graffitti übersät, die Tischtennisplatten haben Moos angesetzt und, und, und zum Beispiel die Schaukel ist fast „retro“: „Die war schon hier, als ich noch Kind war“, merkt Kira Heinrichs süffisant an – mittlerweile ist sie 36 Jahre alt und ihr kleines Kind könnte bald auf der Schaukel sitzen…

Den Zustand des Spielplatzes möchten Kira Heinrichs und eine ganze Reihe weiterer junger Mütter nicht länger hinnehmen: Zumal am Wilhelmring ein Generationenwechsel stattfinde und immer mehr junge Familien mit Kindern dort hinzögen, zumal der Spielplatz der einzige zwischen Mastweg, Küllenhahn und der Ortsmitte sei und zumal auch der benachbarte Kindergarten und eine Reihe von Tagesmüttern die Spielfläche nutzten, haben sie sich in einer WhatsApp-Gruppe zusammengetan und eine Initiative gestartet.

„Wir sind keine schimpfenden Mütter…“

„Das ist eigentlich ein total tolles Terrain“, finden Anna Hofer und Kerstin Althaus. Aber: Einige Spielgeräte seien eher eine regelrechte Gefahr, sogar die Umzäunung der gesperrten Rutsche sei gefährlich, zeigen Sabine Blömer und Sonja Lüdtke auf herausstehende Gitterstäbe: „Der Spielplatz hat seine beste Zeit längst hinter sich.“ Wenn sie sich was wünschen dürften, dann hätten sie schon einige Ideen: Für Kleinkinder zum Beispiel biete das Areal wenig, eine Hangrutsche oder auch eine Babyschaukel wären was.

Die fünf Mütter und ihre Initiative sind jedoch realistisch: Sie wissen, dass die Stadt kein Geld habe und daher nicht die Zeit für ein „Wünsch-dir-was“ ist. Sie wollen daher in Zusammenarbeit mit der Stadt eine Erneuerung anstoßen, Sponsoren gewinnen und auch selbst mit anpacken. „Wir sind keine schimpfenden Muttis“, stellen sie klar. Allerdings: „Die Stadt kann sich auch nicht ganz rausziehen“, nehmen sie die Verantwortlichen in die Pflicht: „Sie kann nicht nur an den Brennpunkten was tun, die Kinder hier haben die gleichen Rechte“, finden Anna Hofer und Kerstin Althaus.

„Schrecklich, dass Bürger für städtische Spielplätze sorgen müssen“

Das wurde mehrheitlich auch in der Bezirksvertretung (BV) Cronenberg so gesehen. Hans-Peter Abé, Sprecher der SPD-Fraktion, kündigte bereits in der Oktober-Sitzung einen Runden Tisch des Bürgervereins Hahnerberg-Cronenfeld (BHC) zu dem Spielplatz an. Zugleich schlug Abé eine Finanzspritze in Höhe von 2.500 Euro aus den freien Mitteln der BV für die Anwohner-Initiative vor: „Das wäre ein Grundstock.“

Dass am Wilhelmring etwas geschehen müsse, fanden auch alle Parteien in der BV. Für den BV-Zuschuss gab es dennoch kein Votum, denn: Erst einmal will man von der Stadt hören, ob und was auf dem städtischen Spielareal geschehen könne. „Es ist schrecklich, dass Bürger für städtische Spielplätze sorgen müssen“, kritisierte Hartmut Kissing (Linke), warum das so ist, gab Regina Orth (Grüne) zu Protokoll: Weil sich die Bürgervereine in Cronenberg um die Spielplätze kümmerten, seien Dörper Spielplätze nicht auf der Sanierungsliste der Stadt zu finden.

Das Areal am Wilhelmring gehöre aber dringend darauf und die Anwohner-Initiative verdiene Unterstützung: „Der Spielplatz ist unbespielbar.“ Ratsherr Paul-Yves Ramette (Grüne) berichtete als Mitglied des Jugendhilfe-Ausschusses, dass die etwas aufgestockten, aber dennoch knappen städtischen Mittel vor allem in sogenannten „Brennpunkt-Gebieten“ investiert würden: „Es ist wichtig, dass aber auch in den Außenbezirken etwas geschieht“, befand der Grünen-Stadtverordnete.

Morgen: Info-Abend zur Spielplatz-Initiative

Bezirksbürgermeisterin Ursula Abé berichtete, dass die Stadt mittlerweile um den maroden Zustand des Spielplatzes wisse. Es sei aber nicht klar, wann und wie die Hahnerberger Spielfläche erneuert werden könne. Auf Anregung von CDU-Vizebürgermeister Michael-Georg von Wenczowsky (CDU) soll die zuständige Verwaltung nun in der November-Sitzung der Dörper Bezirksvertretung Auskunft zu einer Perspektive für den Spielplatz Wilhelmring geben.

Auch der Bürgerverein Hahnerberg-Cronenfeld (BHC) und die Siedlergemeinschaft Wilhelmring unterstützen die Spielplatz-Initiative. Am Mittwoch, 21. November 2018, lädt der BHC daher zu einem Treffen ein, um die weiteren Schritte zur Aufwertung der Spielfläche zu koordinieren. Die Veranstaltung im Neusiedlerheim am Neuenhaus 94 beginnt um 19 Uhr, Interessierte sind willkommen.

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