Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

24.01.2019, 16.19 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Keinen Plan? 50. Primanertag lud Schüler zur „Inspiration“ ein…

Artikelfoto

Organisator Karl W. Schröder (3.v.l.) mit Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher (vo. mi.), OB Andreas Mucke (mi.) sowie Uni-Rektor Dr. Lambert T. Koch (2.v.l.), Schulleiter Claus Baermann, Unternehmer Rüdiger Theis (2.v.r.) und Student Samuel Striewski (3.v.r.) sowie Mary Ewers (li.), die miteinander diskutierten. -Foto: Meinhard Koke

Ein „Promi-Aufgalopp“ wie nur selten zuvor herrschte im Schulzentrum Süd: Ob Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher, Oberbürgermeister Andreas Mucke oder Bezirksbürgermeisterin Ursula Abé, ob die Bundestagsabgeordneten Jürgen Hardt, Manfred Todtenhausen oder Helge Lindh, ob die Landtagsabgeordneten Josef Neumann und Dietmar Bell oder auch Sozialdezernent Dr. Stefan Kühn, Feuerwehrchef Ulrich Zander und Uni-Rektor Dr. Lambert T. Koch – sie alle kamen ins Schulzentrum Süd.

Grund war der Bergische Primanertag 2019. Dass dabei zunächst die Prominenz und weniger die Schüler in der Mehrzahl waren, hatte aber natürlich seinen Grund: Der Info-Tag für die Oberstufenschüler im Bergischen feierte diesmal seine 50ste Auflage. Karl W. Schröder, der Vorsitzende des Vereins Bergischer Primanertag und früherer Leiter des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums (CFG), hatte seine ehemalige „Wirkungsstätte“ als Schauplatz der Jubiläums-Ausgabe ausgewählt – das Pausenzentrum (PZ) am Jung-Stilling-Weg bot ausreichend Platz für einen würdigen Festakt mit viel Prominenz.

Karl Schröder „Marke ,Primanertag‘ gibt man nicht auf“

Nachdem der feierliche Teil des 50. Primaner-Tages mit einem gelungen-kurzweiligen Film eingeleitet worden war, den CFG-Ausbildungskoordinatorin Maren Sonntag mit dem Literaturkurs erstellt hatte, knüpfte Karl W. Schröder nahtlos an, indem er eine Anekdote zum Besten gab: „Wir sind die erste Realschule, die einen Primanertag ausrichtet“, zitierte er den Co-Hausherrn und Leiter der Friedrich-Bayer-Realschule, Hartmut Eulner – damit hatte Schröder die Lacher im PZ auf seiner Seite…

Schröder unterstrich, dass man bei der mittlerweile überkommenen Überschrift „Primanertag“ bleiben wolle („Der Name ist eine Marke, die gibt man nicht auf…“) und trat sogleich den Beweis an, dass die veraltete Bezeichnung nichts an der Attraktivität des Info-Tages ändere: Mit rekordverdächtigen rund 100 Experten, die zu rund 60 Berufen und Studiengängen Rede und Antwort stünden, sei der Primanertag eine wertvolle Orientierungshilfe. Und zwar nicht nur für angehende Abiturienten. Auch zum Beispiel ein Unternehmer habe ihm begeistert zugesagt, für das Format stets zur Verfügung zu stehen.

OB Mucke: „Ich wusste auch nicht, was ich mal machen sollte“

Dass der Primanertag trotz seines angestaubten Namens nichts an Aktualität eingebüßt habe, bekräftigten unisono auch die Festredner OB Mucke und Regierungspräsidentin Radermacher. „Ich wusste auch nicht, was ich einmal machen sollte“, blickte Andreas Mucke zurück, nach dem Abi selbst „noch keinen Plan“ zu seiner beruflichen Zukunft gehabt zu haben. Nicht zuletzt ob des Fachkräftemangels machte Mucke aber den wenigen anwesenden „Primanern“ Mut: „Euch stehen alle Türen offen…“

Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher wartete mit einer privaten Szene am heimischen Frühstückstisch auf: Nachdem ihr drittes Kind das Abi gemacht hatte, habe sie erleichtert durchgeatmet („Puh, geschafft…“), am Morgen nach seiner Abifeier habe sie ihr jüngster Spross aber mit der Frage überrascht: „Und was mache ich jetzt?“ Hilfestellung dabei zu geben, sei schwierig, bekannte die Regierungspräsidentin, sich als Mutter „ziemlich hilflos“ gefühlt zu haben.

Dennoch gab sie allen „Primanern“ einen Ratschlag mit auf den Weg: „Ihr müsst etwas finden, was euch wirklich Freude macht“, sagte Radermacher den künftigen Berufs- beziehungsweise Studienanfängern: „Es gibt nichts Schlimmeres, als keinen Spaß zu haben und stets darauf zu warten, dass Freitag wird…“ Dass die erste Entscheidung nicht unbedingt die endgültige sein muss, zeigte Radermacher anhand des eigenen Werdeganges auf.

Regierungspräsidentin Radermacher: „Lasst euch inspirieren“

Jura-Studium, zunächst Tätigkeit als Rechtsanwältin, dann als Kölner Beigeordnete, Polizeipräsidentin im Bergischen Städtedreieck und nunmehr als Düsseldorfer Regierungspräsidentin – Birgitta Radermacher präsentierte sich als bestes Beispiel, dass sich eine Karriere nicht unbedingt „durchplanen“ lässt und ein Berufsweg durchaus Abzweige und Richtungswechsel bereithalten kann: „Ich glaube, dass die Wenigsten in einem Beruf arbeiten, den sie mal erlernt haben.“

Insofern appellierte die Regierungspräsidentin an alle Schüler, das Angebot des „Primanertages“ und dessen zahlreiche Info- und Gesprächsangebote zu nutzen: „Lassen Sie sich inspirieren…“ Das konnten die angehenden Schulabsolventen dann am Nachmittag: Nach einem Podiumsgespräch, bei dem unter anderem Uni-Rektor Lambert T. Koch, der Langerfelder Gesamtschulleiter Claus Baermann, der Wuppertaler Unternehmer Rüdiger Theis oder auch CFG-Top-Abiturient und Neu-Student Samuel Striewski zum Thema „Plötzlich Abitur – was dann?“ führten, hieß es „Bahn frei“ für die Primaner.

Bis 17 Uhr hatten sie von „A“ wie Amerikanistik bis hin zu „W“ wie Wirtschaftsprüfer die Möglichkeit, sich in Beratungsgesprächen oder auch anhand der Studientipps von Dr. Christine Hummel, Leiterin der Zentralen Studienberatung der Uni Wuppertal, inspirieren zu lassen…