03.04.2019, 16.12 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Evangelisch-Küllenhahn: „Wir brauchen Sie – bereichern Sie uns!“

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Pfarrerin Dr. Sylvia Hartmann (2.v.l.), Presbyterin Martina Mohr, Mitinitiator Dr. Martin Fleuß (li.) sowie Bürgervereinschef Michael Ludwig mit dem „Briefkasten“, der neuerdings im Gemeindehaus an der Nesselbergstraße für Wünsche oder Kritik angebracht ist. -Foto: Meinhard Koke

„Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“, heißt es in Matthäus 18, 20. Ganz so dramatisch klein ist die Zahl der sonntäglichen Gottesdienst-Besucher in den deutschen Kirchen zwar nicht. Aber ihre Zahl ist drastisch gesunken. Laut einer Studie folgen an einem ganz normalen Sonntag nur noch drei bis vier Prozent der evangelischen Gläubigen dem Ruf der Glocken. Ein Magnet sind die Gotteshäuser vielfach nur noch an Festtagen: An Heiligabend 2018 gab die evangelische Kirchengemeinde im Essener Stadtteil Haarzopf erstmals Eintrittskarten für ihre Gottesdienste aus – und machte damit bundesweit Schlagzeilen.

An der Nesselbergstraße 12 gab’s zwar keine Karten, aber auch das Gemeindehaus der Evangelischen Gemeinde Küllenhahn platzt zum weihnachtlichen Familien-Gottesdienst alljährlich aus allen Nähten. An „normalen“ Sonntagen sieht es indes auch in der kleinsten selbstständigen Gemeinde des Kirchenkreises Wuppertal häufig beschaulicher aus: Mitunter sitzen nur 20 der noch rund 850 Schäfchen im Gemeindehaus – „ich traue mich manchmal kaum, andere Pfarrer für die Leitung der Gottesdienste einzuladen“, sagt Pfarrerin Dr. Sylvia Hartmann, welche die halbe Küllenhahner Pfarrstelle ausfüllt, unumwunden.

Auch wenn die 59-Jährige weiß, dass der allgemein rückläufige Besuchertrend in einer kleinen Gemeinde ganz besonders durchschlägt, auch wenn Hartmann sieht, dass die der Gemeinde besonders verbundenen älteren Mitglieder allmählich aussterben, macht sie die mitunter geringe Zahl der Gottesdienstbesucher auch persönlich betroffen: „Das ist zum Ende meiner Dienstzeit schon bedrückend“, gibt Sylvia Hartmann zu. Es hieße aber nicht „Es gibt Schwatte, Witte und Küllenhahner“, wenn Sylvia Hartmann und ihr Presbyterium diesen Trend nur bedauern würden.

„Es gibt die Menschen, wir müssen sie nur dort abholen, wo sie sind“
Wie schon vor rund 15 Jahren, als man mit viel Engagement seine Selbstständigkeit bewahrte, will man nun als „gallische“ Gemeinde dem Trend trotzen – mit viel Engagement, mit vielen neuen Angeboten, mit einem noch stärkeren Zugehen auf die Gemeindemitglieder und auch mit noch mehr Gottesdiensten außerhalb des Gemeindehauses. „Wir suchen als Gemeinde auch den Schulterschluss mit den weiteren Institutionen in unserem so lebenswerten Ortsteil“, erläutern die Küllenhahner Pfarrerin und Mitinitiator Dr. Martin Fleuß.

Gemeinsam stieen sie eine Ideen-Werkstatt an: Ob Bürgerverein, Grundschule, SSV Germania oder auch Tennisclub, Feuerwehr Hahnerberg und Kinderhospiz – „wird sind ganz offen für eine Zusammenarbeit“, unterstreichen Hartmann und Fleuß – damit die wenigen Grundfesten im Ortsteil nicht (weiter) „ihr eigenes Süppchen kochen“ und der Küllenhahn nicht allmählich zur reinen Schlafstadt verkommt. „Es gibt die Menschen, wir müssen sie nur dort abholen, wo sie sind“, ist Martin Fleuß überzeugt, dass der Küllenhahn gemeinsam als lebendiger Stadtteil erhalten werden kann: „Wir wollen zeigen, dass es uns gibt und hier Leben ist“, sagt Fleuß und Pfarrerin Hartmann ergänzt: „Uns geht es ums Jetzt – wir haben hier Potenzial und das wollen wir ausschöpfen.“

Erstmals: Bürgervereins-Treffen im Gemeindehaus
Beim Bürgerverein Küllenhahn hat die Gemeinde offene Türen eingerannt. Erstes Resultat des Schulterschlusses: Die Mitgliederversammlung des Bürgervereins fand an der Nesselbergstraße statt. „Wir wollen uns gerne stärker mit der Gemeinde verknüpfen“, unterstreicht Bürgervereinsvorsitzender Michael Ludwig dazu: „Die Gemeinde ist für uns ein fester Bestandtteil des Küllenhahn, das wollen wir unterstützen.“ Insofern sind weitere Kooperationen geplant: So will man sich gegenseitig online mehr unterstützen, verstärkt auf Veranstaltungen des anderen hinweisen und, und, und beim nächsten Spielplatzfest wird es erstmals einen Freiluft-Gottesdienst geben.

Anregungen, Kritik und Wünsche auch per E-Mail möglich
Auch mit weiteren Gottesdiensten im Freien will die Gemeinde noch stärker auf ihre Mitglieder zugehen: So sind Gottesdienste auf der Hasenwiese im Wald, am Bahnhof Burgholz und am Kinderhospiz geplant. Mit Kinder-Bibeltagen soll verstärkt der Nachwuchs angesprochen werden, der auch einen Gottesdienst selbst mitgestalten kann. Künstler haben der Gemeinde ihre Zusage für eine musikalische Umrahmung der Gottesdienste gegeben. In einer lockeren Reihe „Kunst im Gottesdienst“ werden zudem Werke namhafte Künstler Thema sein.

Unter der Überschrift „Wünsch Dir was? Ja in Küllenhahn!“ können Gottesdienstbesucher per E-Mail an pfarrerin.hartmann@kirche-kuellenhahn.de ihr Wunschlied mitteilen, das zum Ausklang des Gottesdienstes erklingen soll. Gibt es weitere Wünsche oder auch Anregungen und Kritik? Unter der neuen E-Mail-Adresse ideen@kirche-kuellenhahn.de können die Gemeindemitglieder ab sofort auch ihre Ideen loswerden. „Wir brauchen Sie! Unsere Angebote leben mit Ihnen“, laden Pfarrerin Hartmann sowie Martin Fleuß herzlich zum Kommen und Mitmachen ein: „Bereichern Sie uns und tragen Sie mit dazu bei, dass in Küllenhahn weiterhin und ab sofort wieder merklich mehr gemeindliches Leben stattfindet!“

Mehr Infos zur Gemeinde gibt es unter kirche-kuellenhahn.de.

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