17.09.2019, 19.35 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Viertelklang: Festival machte das Dorf zum klangvollen Pflaster

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Uli Wewelsiep bestritt mit seinem „EnChor“ im Forum der Firma Knipex eines der Eröffnungskonzerte des „Viertelklang“ in Cronenberg – vor vollem Haus. | Foto: Meinhard Koke

Dass sich Cronenberg lohnt, wird ja hier und da in Abrede gestellt. Am letzten August-Samstag 2019 war das keine Frage: Sudberger Sommerfest, „Mad-Dog“-Abschied, Grill-Festival – Langeweile war Fehlanzeige. Zumal das Festival „Viertelklang“ im Dorf Station machte und an zehn Standorten für 22 Konzerte sorgte, war die Qual der Wahl angesagt.

Und zudem eine Strategie sowie gutes Schuhwerk – wer mit dem Festival-Bändchen am Handgelenk wenigstens ein paar Auftritte erleben wollte, musste sich sputen. Das Gleiche galt auch für die Künstler: Sie mussten ihre Zeitpläne natürlich einhalten, um ihre Zuhörer nicht aus dem Festival-Takt zu bringen. Rapper Horst Wegener, der in Christoph Kuberkas vollem „Kultur-Kontor“ einen umjubelten Auftritt gab, löste die „Zeit-Klemme“ geradezu charmant.

Wuppertal-Rapper Horst Wegener, der vom Radiosender 1Live für den „New Music Award“ nominiert ist, begeisterte im Rahmen des „Viertelklang“ im Kultur-Kontor von Christoph Kuberka. | Foto: Meinhard Koke

Wuppertal-Rapper Horst Wegener, der vom Radiosender 1Live für den „New Music Award“ nominiert ist, begeisterte im Rahmen des „Viertelklang“ im Kultur-Kontor von Christoph Kuberka. | Foto: Meinhard Koke

Er erklärte sein vorletztes Lied kurzerhand zum Schlussstück und den letzten Song zur Zugabe – so konnten seine begeisterten Besucher mit „Nachschlag“ zum nächsten Viertelklang marschieren. Trotz der vielen Parallel-Veranstaltungen, trotz des üppigen Festival-Angebotes, der erste „Viertelklang“ in Cronenberg war ein voller Erfolg: Das Stravinsky-Konzert im TiC-Theater oder auch der Auftritt der Nachwuchssolisten Schatz im Zentrum Emmaus hätten zwar mehr Zuhörer verdient gehabt. Alle weiteren Konzerte präsentierten sich aber sehr gut besucht bis ausverkauft – „es war wunderbar“, lautet das Resümee von Organisator Ulrich Marxcors vom Kulturbüro der Stadt: „Wir waren fast ausverkauft.“

Er sei ja zuvor etwas skeptisch gewesen, ob der Entfernung der Festival-Orte, angefangen vom Knipex-Forum bis zum TiC-Atelier in Unterkirchen. Und in der Tat war die Festival-Meile dem einen oder anderen Besucher etwas weit. Auf der anderen Seite aber sorgte der Konzert-Lindwurm dafür, dass die Bürgersteige in der Cronenberger Ortsmitte zu einem „heißen Pflaster“ wurden. Gleiches galt für die Konzertstätten: Jazz in „Policks Heimat“, Latin in der Kirche, Comedy-Oper im Autohaus Stratmann oder Pop-Chor im Knipex-Forum und nicht zuletzt Rap im Kultur-Kontor, wann könnte Cronenberg je so kunterbunt geklungen haben?

Jazz in der Bäckerei: In „Policks Heimat“ sorgte das Trio „Kehlert Klein Vilhelmsson“ für ein volles Haus. | Foto: Meinhard Koke

Jazz in der Bäckerei: In „Policks Heimat“ sorgte das Trio „Kehlert Klein Vilhelmsson“ für ein volles Haus. | Foto: Meinhard Koke

Überall herrschte ein munteres Kommen und Gehen, aber keineswegs ein hektisches Wechselspiel, sondern eine entspannte Atmosphäre. So war es denn auch kein Drama, dass eine Wichlinghauserin ihre Gruppe verloren hatte: Die waren zum TiC-Mutterhaus statt zum Atelier gegangen – kein Problem: Hier schauten sie dann erst einmal beim Grill-Festival vorbei, um dann gestärkt Unterkirchen anzusteuern.

Auch berichtete eine Besucherin begeistert zur CW, dass sie beim Milonga-Programmpunkt im „Haus der Tänze“ die Augen geschlossen und mitgetanzt habe. Ein anderer schwärmte vom Auftritt der Formation „Latin Connection“ in der Versöhnungskirche und deren Frontfrau Katrin Eggert (blond), die vor dem geistigen Auge wie eine dunkelhäutige Sängerin brilliert habe. Eine weitere Stimme aus dem Tal lobte, dass der Viertelklang im Dorf nicht so überlaufen wie zum Beispiel in der Luisenstraße gewesen sei. Einziger „Missklang“: Ein Paar, das beim Konzert-Besuch in „Policks Heimat“ direkt auch Brötchen fürs Sonntagsfrühstück kaufen wollte, ging leer aus – ausverkauft!

Begeisterndes Finale: Das TiC-Format „Mein Song“ bescherte im rappelvollen TiC-Atelier Unterkirchen das Sahnehäubchen eines denkwürdigen „Viertelklang“-Abends in Cronenberg. | Foto: Meinhard Koke

Begeisterndes Finale: Das TiC-Format „Mein Song“ bescherte im rappelvollen TiC-Atelier Unterkirchen das Sahnehäubchen eines denkwürdigen „Viertelklang“-Abends in Cronenberg. | Foto: Meinhard Koke

Zur Kirsche auf einem „Sahne-Abend“ wurde das Finale im TiC-Atelier: Als Stefan Hüfner zehn Minuten vor Beginn hinter die Kulissen verschwand, um die letzten Vorbereitungen für „Mein Song“ zu treffen, verloren sich vielleicht 15 Besucher im Atelier. Als er zurückkehrte, platzte die TiC-Musicalstätte aus allen Nähten.

Sabine Henke, Annika Tahiri und Miriam Kraft sowie Florian Siegmund begeisterten mit ihren Lieblingsliedern von „Männer muss man loben“ bis hin zum WM-Hit „Auf uns“ – „Danke für den schönen Ausklang des Viertelklangs!“, hieß es aus dem Publikum – ein wunderbares Finale eines denkwürdigen Abends im Dörper Viertel, der in Erinnerung bleiben wird… Eine Bilder-Galerie mit einigen Impressionen vom Cronenberger „Viertelklang“ findet sich weiter unten zum Durchklicken.

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