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10.10.2019, 17.38 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Sternstunde „Blues Brothers“: Das TiC-Theater hat den Blues!

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Wandeln in den Fußstapfen von John Belushi und Dan Aykroyd: André Klem (li.) und Maximilian Leuchter begeistern am Steuer des Blues-Mobils als die Blues Brothers im TiC-Theater. | Foto: Martin Mazur

Auch wer den Film nicht gesehen hat, die Musik der „Blues Brothers“ kennt jeder: Stücke wie „Gimme Some Lovin‘“, „Think“ und „Soul Man“ oder auch das gecoverte „Peter Gunn Theme“ sind nach über 40 Jahren noch immer auf (fast) jeder Party ein Hit. Mit der Filmkomödie von 1980 setzte John Landis den Blues-Brüdern Jake und Elwood, den Alter Ego von John Belushi und Dan Aykroyd, ein cineastisches Denkmal, das es zu Kult-Status brachte – neuerdings auch auch im TiC-Theater, wo Patrick Stanke (Regie) und Prof. Stefan Hüfner (Musik) die „Blues Brothers“ auf die Bühne im Atelier unterkirchen brachten.

Die Geschichte: Gerade aus dem Gefängnis entlassen, gelobt Ganove Jake Besserung. Seine Mission dazu: Gemeinsam mit Bruder Elwood will er die 5.000 Dollar beschaffen, die das Waisenhaus, in dem sie aufgewachsen sind, braucht, um nicht dicht gemacht zu werden. Aber wie? Die Erleuchtung: Die Brüder wollen ihre Band wieder vereinen, also machen sie sich auf, die verstreuten Blues-Brüder für ihre Mission zu gewinnen – ausgerechnet in einem abgewrackten Polizeiauto.

Mit viel Tempo: Das Blues-Mobil rast durchs TiC-Atelier

Problem dabei: Jake und Elwood haben nach einer Polizei-Kontrolle und einer wilden Verfolgungsjagd die Ordnungshüter im Nacken. Folge des ersten Auftrittes nach ihrer „Reunion“ ist auch, dass sie mit Hardcore-Country-Fans im Clinch liegen. Zudem ist Jakes „Ex“ hinter ihm her, um sich dafür zu rächen, dass er sie am Altar stehen ließ – die turbulente „Mission Besserung“ auf dem Weg ins Chicago Symphony Center, wo die Band groß Kasse für den guten Zweck machen will, artet ins Chaos aus…

Wie schafft es Patrick Stanke, das Roadmovie, bei dem ein sechs Meter langes Blues-Mobil der fahrbare Untersatz ist, bei dessen Verfilmung sieben Polizeiwagen zerstört und ein Einkaufszentrum zerlegt wurden sowie Musik-Granden wie John Lee Hooker, James Brown, Aretha Franklin oder Ray Charles sich die Ehre gaben, auf der kleinen Musical-Bühne des TiC-Ateliers umzusetzen? Okay, das vom Himmel fallende Nazi-Auto, für das extra eine Sondergenehmigung der Luftfahrtbehörde eingeholt werden musste, bleibt im TiC-Atelier oben.

Das macht aber gar nix, die Blues Brothers im TiC sparen nicht mit Superlativen. Die Bühnenbildner Jan Bauerdick und Benedikt Fiebig bringen das Blues-Mobil nach Unterkirchen: Dank Video-Sequenzen, die im Hintergrund an die Wand geworfen werden, geht’s quer durchs Atelier mit viel Fahr-Spaß auf Verfolgungsjagd, nur ein paar Handgriffe sind nötig, schon wird aus der PS-starken Blues-Schaukel ein Ausgabeschalter im Knast oder eine Kirche und ein Fastfood-Restaurant sowie Bob’s Country-Bunker – Halleluja, Jan Bauerdick und Benedikt Fiebig! Lobpreisung auch an Karin Alberti (Kostüme) und Elke Quirmbach (Maske): Jake und Elwood in ihrem schwarzen Kult-Outfit daherkommen zu lassen, das ist machbar.

Aber die Outfits der Country-Girls, der Nonne, die Gefängnis-Overalls und Polizeiuniformen sowie das schrill-pinke Glitzer-Outfit von Murph (David Parke) an der rosaroten Steh-Schweine-Orgel im „Feuchten Flamingo“ – Karin Alberti und Elke Quirmbach sind in göttlicher Missionen unterwegs. TiC-Musik-Chef Stefan Hüfner hat den Kult-Soundtrack arrangiert, sodass die platinveredelten Blues Brothers auch musikalisch im TiC voll zünden. Wenig wäre das alles jedoch wert, wenn das Blues-Mobil nicht auch personell top-besetzt durchs Atelier brausen würde. Patrick Stanke schickt ein Ensemble auf die Piste, das nichts von den überdrehten Charakteren des kultigen Musik- und Actionfilms vermissen lässt: Maximilian Leuchter und André Klem sind als Jake und Elwood so cool – halleluja, die Blues Brothers sind wieder da!

TiC-Musical: Wie ein Gottesdienst für „Blues Brothers“-Fans

Dazu Victor Kuhlen als Mad „Guitar“ Murphy, David Parke als „knuddeliger“ Murph, Alexander Klein als Fabulous – was für eine skurrile Band! Leonie Hackländer als „üppiges“ Country-Girl Monica, Anja Bielefeld in einer Doppelrolle als Bob und Theophelia sowie Lara Erlach als „belesene“ Attentäterin – das gesamte TiC-Ensemble hat den Blues! Ein Hit ist auch Annika Tahiri: Ihr „Think“ – da ersteht Soul-Queen Aretha Franklin wieder auf.

Jennifer Pahlke lässt sie alle in wunderbaren Choreografien über die Bühne toben und durchs Atelier tanzen. Mal mit Zellen-Türen, mal mit Kochlöffeln, mal mit Luftgitarre oder Raketenwerfer – das gesamte TiC-Atelier wird zum Blues-Mobil und das Publikum kann nicht anders als einzusteigen und mitzuswingen, der Kult geht weiter im TiC! Und als die Blues-Girls Aretha Franklins „Respect“ intonieren oder auch André Klem James Browns „Soulman“ gibt, da erreicht die göttliche Mission im Atelier ihre Höhepunkte – da jubiliert das TiC-Publikum wie in einem Gospel-Gottesdienst!

Die Blues Brothers und Girls von Patrick Stanke singen, spielen und tanzen, dass es fast das Atelier zerlegt – halleluja, einer der größten Kultfilme aller Zeiten ist im Atelier wieder auferstanden. Das ist ein Muss für jeden Musical-Fan und eine Selbstverständlichkeit für alle Anhänger von Jake & Elwood – Karten gibt es unter Telefon (02 02) 47 22 11, im TiC-Büro an der Hauptstraße 3 oder online unter tic-theater.de.