Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

28.04.2020, 19.12 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Katja Hausmann: Eine Dörperin gestrandet auf der leeren Insel Sylt

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Menschenleerer Strand mit nur einer Cronenbergerin: Katja Hausmanns Sylt-Quarantäne hat auch was „Märchenhaftes“… | Foto: privat

Seit rund sechs Wochen weilt die Dörper Märchen-Erzählerin nun schon auf der „Promi-Insel“ / Weil sie zur Corona-Hochrisikogruppe zählt, riet ihr der Arzt, zur Vorsicht auf Sylt zu bleiben.

Rund 2,5 Millionen Übernachtungen zählte die Insel Sylt im Jahr 2018 – die Nordsee-Insel steht in der Gunst der deutschen Eilande hinter Rügen auf Platz 2. Ob des Urlaubswetters in den letzten Wochen wäre es sicherlich auf der Insel mit dem gewissen Promi-Faktor wieder rappelvoll gewesen. Doch die Corona-Krise sorgt dafür, dass Katja Hausmann berichten kann: „Ich genieße die Einsamkeit – kilometerlange Sandstrände ohne einen einzigen Menschen, Sonnenuntergänge, bei denen niemand vor die Linse läuft, freie Strandkörbe wohin man kommt…“.

Einsamkeit und Sylt, das waren bislang fast zu jeder Jahreszeit Gegensätze. Der Corona-Lockdown auch auf der Nordsee-Insel, also die Sperrung für Besucher, hat indes dafür gesorgt, dass die Einheimischen Sylt erstmals ganz für sich allein haben. Vermeintlich eine tolle „Episode“, zumal die größte nordfriesische Insel noch ohne Corona-Fall ist. Doch der vermeintliche „Traum“ wird (auch) für die Sylter immer mehr zum Albtraum – schließlich lebt die Insel vom und mit dem Tourismus.

Zum Seminar gekommen und zur Corona-Vorsicht dageblieben

Zumindest Katja Hausmann sorgt noch für ein paar „Zusatz-Einnahmen“ im kleinen Tante-Emma-Laden in der Nähe ihres Privatzimmers – die Cronenbergerin, vielen noch als Inhaberin der früheren Märchenschule „Lesezeichen“ in Erinnerung, ist vor dem Shutdown sozusagen auf Sylt „gestrandet“. Vor sechs Wochen reiste Katja Hausmann, die eine bundesweit bekannte Märchen-Erzählerin ist, zu einem Märchen-Seminar einer Kollegin, die auf Sylt zu Hause ist: „Das wollte ich schon seit Jahren machen und nun hatte es endlich geklappt – und dann bin ich hier gestrandet.“

Hausmann wurde krank; da sie zur Corona-Hochrisikogruppe zählt und ihr Ehemann als Cronenberger Apotheker in Kontakt zu Infizierten kommen könnte, riet ihr der Arzt auf Sylt, besser auf der Insel zu bleiben. Katja Hausmann erhielt eine Sonder-Genehmigung und blieb – nun schon seit sechs Wochen hat sie die Trauminsel für sich allein, zieht man die knapp 18.000 Insulaner ab. Ein Corona-Quarantäne im Märchen, könnte man aus der Entfernung glauben. Doch ganz so märchenhaft ist es nicht.

Nach Corona: Wird ein Leben ohne Meer noch gehen?

Natürlich fehlt der Ehemann, dass sie die Geburtstage ihrer beiden Söhne kürzlich nicht mitfeiern konnte, das war auch „sehr hart“, berichtet Katja Hausmann. Und auch wenn ihr Privatzimmer bei einer Sylter Seniorin klitzeklein und kein Strandcafé geöffnet ist – Katja Hausmann hat dieses Sylt im Ausnahmezustand in ihr Herz geschlossen: „Der Sylter an sich scheint nicht der klassische Strandgänger zu sein. Morgens kriechen ein paar Angler hervor, abends ein paar Surfer für die letzten Wellen und Hundebesitzer mittags, mehr ist nicht los im Moment“, berichtet sie der CW: „Sylt sehr anders, aber traumschön! Nun weiß man wieder, warum hier jedes Jahr Tausende das Urlaubsfeeling suchen.“ Und auch sie hat „Blut geleckt“: „Ich weiß nicht, wie ich jemals wieder ohne Meer sein kann“, sagt Katja Hausmann.

Von der Insel: Jeden Sonntag neuer Märchen-Podcast

Sylt habe schon andere Krisen gesehen und andere Gestrandete als sie aufgenommen. So auch den Flüchtling aus Ostpreußen, der im 2. Weltkrieg kam und heute, mit 88 Jahren, noch zweimal am Tag mit dem Fahrrad zum Strand fährt und mit seiner Freundin Emma, einer Möwe, plaudert – ihn hätte Katja Hausmann in „normalen“ Sylt-Zeiten wohl nie kennen gelernt, für den „Möwen-Flüsterer“ und für manche andere Geschichten und Einsichten ist jetzt die Zeit.

Und die Zeit ist jetzt natürlich auch für anderes „Märchenhaftes“: So erzählte Katja Hausmann am Oster-Sonntag schon das „Märchen vom Tagelöhner“, zu welchem die Evangelische Gemeinde Cronenberg auf ihrer Internetseite einen Video-Clip veröffentlichte. Über die Podcast-App „upspeak“ veröffentlicht die Dörper Erzählerin jede Woche neue Wunsch-Lieblingsmärchen. Nach „Der Wolf und die sieben Geißlein“ zuletzt dürfen sich die Märchen-Fans auch am kommenden Sonntag wieder auf ein Neues freuen.

Und wer auch einen Lieblingsmärchen-Wunsch hat, darf sich gerne bei Katja Hausmann (noch) auf Sylt per E-Mail an maerchencoaching@online.de melden.