Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

13.07.2020, 20.26 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Vom Stilling-Weg in die Welt? Aus Minigolfplatz wird Spiel-Paradies

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Das Schach-Feld ist schon fertig: „Brettspiel-Paradies“-Begründer Matthew Leffler (mi.) mit Ehefrau Kathrin und Freund Maximilian Rost (li.) sind am Jung-Stilling-Weg „in Stellung“. | Foto: Meinhard Koke

Ehepaar verwandelt Minigolfplatz in einen Freizeitpark mit Übergrößen-Brettspielen / Im Frühjahr 2021 soll an der Ecke Dürrweg losgespielt werden können

Der Jung-Stilling-Weg war einst eine Spaziergeh-Meile: Am Wochenende fuhr man aus dem Tal auf die Höhe, schlenderte – ohne sich dabei die Straßenschuhe schmutzig zu machen – über den asphaltierten Weg und die anschließende Zeppelinallee ins Burgholz, kehrte dort im Honigstal ein oder an der Königshöhe, schlenderte zurück, um dann im Café-Restaurant „Rigi-Kulm“ Kaffee und Kuchen oder Deftigeres zu genießen – und den tollen Ausblick aufs Tal. Und zwischendurch betätigte sich der Ausflügler vielleicht auch etwas sportlich, indem er zu Schläger und Ball griff und auf der Minigolf-Anlage an der Ecke Dürrweg dem Golfsport des kleinen Mannes frönte.

Das sind vergangene Zeiten: Auf Jung-Stilling-Weg und Zeppelinallee wird zwar noch gerne flaniert, aber das Ausflugslokal „Rigi-Kulm“ ist Wohnhäusern gewichen und über die Minigolf-Anlage wuchs in den letzten Jahren buchstäblich Gras, nachdem dort eine „hippe“ Episode mit „Supagolf“ nur kurz Bestand hatte. Selbst die augenzwinkernde „Szene-Variante“ aus dem Tal schaffte es nicht, dem „Schmalspur-Golfspiel“ ein „Revival“ zu verschaffen.

Von Schach bis Mikado – alles in Übergröße, aber auch für Kids

Das wollen nun aber Kathrin und Matthew Leffler ändern: Seit einigen Wochen sind sie eifrig und mit viel Eigenarbeit dabei, den „Urwald“ an der Kreuzung Dürrweg/Jung-Stilling-Weg zu lichten. Nicht aber, um dem Minigolfplatz neues Leben einzuhauchen. Nein, die Familie vom Ölberg möchte hier etwas machen, was es nach ihren Worten sonst nirgendwo gibt: einen Brettspiel-Park. Die einzelnen Minigolf-Bahnen werden dazu weichen und an ihre Stelle Stationen mit unterschiedlichsten (Brett-)Spielen treten. Schach, Mühle, Dame, „Mensch ärgere dich nicht“, Winkinger-Schach oder auch das Königliche Spiel von Ur, das älteste bekannte Brettspiel der Menschheit, welches bereits vor tausenden Jahren im Irak gespielt wurde, oder auch Mikado, Domino und „Vier gewinnt“ sowie einiges mehr an Spiele-Angeboten soll es in dem Freizeitpark am Jung-Stilling-Weg geben. Alles „richtig groß“, wie Matthew Leffler strahlend unterstreicht: Die Spielfiguren sollen lebensgroß sein, aber wiederum so klein, sodass sie auch von Kindern bewegt werden können.

„Spielen ist zeitlos und verbindet die Generationen…“

Mit dem besonderen Freizeitpark erfüllt sich der US-Amerikaner, der als Sohn zweier dort stationierter Armee-Angehöriger im damaligen West-Berlin zur Welt kam, einen Lebenstraum. Den Anstoß dazu gab ein „Albtraum“: Das älteste ihrer drei Kinder starb 2009 im Alter von erst neun Jahren an Krebs. Danach sei er wie aus der Bahn geworfen gewesen, blickt der gelernte Zimmermann und Dachdecker zurück. Zeitweise konnte er nicht mehr arbeiten, Matthew Leffler pilgerte entlang des Jakobswegs und stellte sich die Frage: Ob und wie solle sein Leben weitergehen, wie lange schaffte er seinen Job als Handwerker überhaupt noch körperlich? Zumal er und seine Ehefrau leidenschaftlich gerne mit ihren Kindern spielen („Spielen ist doch etwas Zeitloses, was die ganze Familie und Generationen verbindet“) gab eine Partie Schach mit Freund Maximilian Rost auf dem Großfeld hinter der Historischen Stadthalle schließlich den Anstoß.

Im Frühjahr 2021 soll das Brettspiel-Paradies fertig sein

Könnte das, was mit Schach klappt, nicht auch mit Mühle, „Mensch ärgere dich nicht“ & Co. im Großformat funktionieren? Warum nicht einen ganzen Park mit Übergrößen-Spielen machen? Freund Maximilian Rost wusste als Cronenberger gleich eine passende Lokation dafür: den brachliegenden Minigolfplatz am Jung-Stilling-Weg. Als sich Matthew Leffler am nächsten Tag dort umschaute, funkte es: „Ich habe mich hier ins Gras gelegt und gedacht: ,Hey, hier bin ich richtig‘!“ Ganz Handwerker machte der 47-Jährige rasch Nägel mit Köpfen: Mitte Juni unterschrieb er einen zweijährigen Pachtvertrag für das Minigolf-Areal.

Mit Unterstützung seiner Ehefrau, von Maximilian Rost und weiteren Freunden arbeitet der 47-Jährige seitdem Tag für Tag an der Verwirklichung seines Spiele-Paradieses. Einen endgültigen Namen für ihr „Brettspiel-Paradies“ haben Kathrin und Matthew Leffler zwar noch nicht gefunden. Spätestens im Frühjahr 2021 soll es aber an den Start gehen. Mit Legosteinen hat das Ehepaar maßstabsgerecht einen Entwurf ihres künftigen Parks erstellt. Der Eintritt soll etwa die Hälfte einer Kino-Karte kosten und der Park dann ganzjährig geöffnet sein – und auch für Familien- oder Firmenfeiern ganz oder nur stationsweise angemietet werden können.

Auch mit Bühne und zu mieten, für Grill-Partys und Märkte

Auf einer kleinen Bühne könnten Akustik-Konzerte stattfinden, schwebt den Leffers vor, für den Parkplatz an der Allee hat das Ehepaar ebenso eine Boule-Fläche im Sinn wie sie hier sogenannte Tailgate-Partys im CW-Land einführen möchten. Das sei ein Hit in den USA, wissen die Lefflers, die bis 2005 in den Staaten lebten: Wer weder Garten noch Terrasse hat, könnte dann bei ihnen im Auto vorfahren und ein paar Grill-Stunden genießen – das notwendige Equipment dazu wollen Kathrin und Matthew Leffler bereithalten. Und in der dunklen Jahreszeitkönnten im Freizeitpark auch Märkte steigen, wie zum Beispiel ein Mittelalter-Markt.

Alles in allem gilt für ihren künftigen Park: „Wir möchten die Leute wieder analog zusammenbringen“, sagen Kathrin und Matthew Leffler. Und wer weiß, wenn ihre Idee zündet, dann geht sie vom Jung-Stilling-Weg vielleicht in alle Welt hinaus, denn: „Wenn das hier klappt, dann kann das überall gehen“, sind die Lefflers überzeugt…

Weitere Infos und Kontakt

Mehr Infos zum Fortschritt des Projektes oder auch zur baldigen Eröffnung des Kioskes und erster Spiele-Felder, die noch für dieses Jahr angepeilt sind, sind über die Facebook-Seite unter „BrettspielParadies“ abrufbar.