Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

09.04.2021, 12.44 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Eltern-Protest an der FBR: „Einheitliche Prüfungen sind unfair!“

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Anja Bäumers (li.) und FBR-Schulpflegschaftsvorsitzende Susanne Kersting (re.) mit der stellvertretenden FBR-Schülersprecherin Carolina (15), die als Zehntklässlerin auch selbst Betroffene ist. | Foto: Meinhard Koke

Die Eltern aller 150 Zehntklässler der Friedrich-Bayer-Realschule protestieren gegen die Pläne von NRW-Schulministerin Gebauer, die Aufgaben für die kommenden ZP10-Prüfungen einheitlich zu stellen / Aufruf zur Unterzeichnung von Online-Petition.

Das laufende Schuljahr lässt sich getrost als außergewöhnlich bezeichnen, inklusive der Winter- und Osterferien, in denen man kaum wohin „ausfliegen“ konnte: Pandemiebedingt war/ist nur wenig Präsenz-Unterricht möglich, Lernen auf Distanz funktioniert an der Schule hier besser als an der Schule dort, der eine Schüler sitzt im Homeschooling am eigenen Rechner und im eigenen Zimmer, der andere hat daheim weder einen Computer noch einen Rückzugsort zum Lernen, geschweige denn die Unterstützung des Elternhauses,…

„Normal“ ist das sowieso nicht, aber kann man vor diesem Hintergrund von einheitlichen Lernbedingungen sprechen? Ganz klar „Nein“ sagen die Eltern der rund 150 Zehntklässler an der Friedrich-Bayer-Realschule (FBR): Die Unterrichts-Bedingungen im Corona-Schuljahr 2020/21 sind unterschiedlich, unter diesen Umständen dürfe es keine zentralen sogenannten ZP10-Prüfungen geben.

Insofern protestieren die Küllenhahner Eltern, und zwar energisch: Adressat ist NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), welche die Abschlussprüfungen der Zehntklässler landeseinheitlich durchführen will. Die FBR-Eltern haben nicht nur einen gemeinsamen Brief an die schulpolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen sowie das Schul-Ministerium und Oberbürgermeister Uwe Schneidewind geschickt. Sie rufen auch zur Unterstützung einer Online-Petition auf, welche eine Schülerin zwischenzeitlich unter der Überschrift „Keine ZAP/ ZP 2021“ auf der Plattform „openPetition“ gestartet hat.

Mehr Zugeständnisse für Jahrgang 2020 als für die Prüflinge 2021?

Ebenso wie die Initiatorin, eine Zehntklässlerin aus einer Gemeinde im Rhein-Sieg-Kreis, finden auch die FBR-Eltern: Das laufende Schuljahr wurde dramatisch von der Pandemie geprägt. Dass NRW-Schulministerin Gebauer dennoch an einheitlichen ZP10-Prüfungen festhält, stößt bei den Eltern vom Jung-Stilling-Weg auf völliges Unverständnis und Entsetzen. Zumal: Die Schüler des Abschlussjahres 2020 durften von den Fachlehrern ihrer Schule aufgestellte Abschlussprüfung schreiben – obwohl dieser Jahrgang von dem pandemiebedingten Schulausfall nur etwa vier Wochen betroffen war, unterstreicht Eltern-Vertreterin Anja Bäumers.

„Landeseinheitliche Prüfungen wären unfair…“

Ihre Kinder seien nun schon über 52 Wochen von Corona betroffen – „wir Eltern der jetzigen Abschlussklasse sind davon ausgegangen, dass es analoge Prüfungsbedingungen für unsere Kinder geben wird“, fordern die FBR-Eltern, dass die coronabedingt massiven Einschränkungen im laufenden Schuljahr ebenfalls in den Prüfungen berücksichtigt werden müssen. Über ein Jahr mehr Homeschooling als Präsenz-Unterricht bedeute von Schule zu Schule unterschiedliche Bedingungen, ein einheitlicher Bildungsstand sei demnach nicht gegeben. Insofern: Landeseinheitliche Prüfungen wären unfair, finden Anja Bäumers und die FBR-Eltern.

Auch Kritik von Landeselternschaft & Verbänden

Wie Bäumers berichtet, haben zwischenzeitlich auch die Landeselternschaft der Integrierten Schulen (LEiS), verschiedene Schulen in NRW, Verbände von Lehrern und Schülern sowie Gewerkschaften bereits massiv gegen das Gebauer-Vorhaben protestiert. Die LEiS sieht darin „einen völlig falschen Ansatz Bildung zu definieren“. Die Unterrichtsbedingungen in den jetzigen 10. Klassen seien zwischen den einzelnen Schulen in NRW nicht vergleichbar und sogar mitunter von Klasse zu Klasse so unterschiedlich, „dass wir nicht mehr von fairen Prüfungsbedingungen ausgehen können“, so LEiS-Vorsitzender Ralf Radke.

Dem schließen sich die Küllenhahner Eltern an: Sie fordern ebenfalls faire und gerechte Prüfungsbedingungen auch für diesen Abschlussjahrgang, soll heißen: Die Schüler sollen im Mai von den Fachlehrern erstellte Abschlussprüfungen schreiben dürfen.

Online-Petition

Eltern und Schulen, die sich dem Küllenhahner Protest anschließen möchten, können sich mit Anja Bäumers per E-Mail an gegen.zap2021@gmail.com in Verbindung setzen. Die Schüler-Petition kann unter openpetition.de/petition/online/keine-zap-zp-2021 unterschrieben werden. Mehr Infos zum Protest der landeselternschaft ist hier abrufbar: www.leis-nrw.de.