12.06.2023, 12.43 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Kommunikator & Obrams-Urgestein: Trauer um Harald Biedebach

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So kannte man ihn – und so bleibt er (auch) in Erinnerung: „Obrams“-Ehrenvorsitzender Harald Biedebach (vorne) moderierte stets auch launig die alljährlichen Mundart-Abende „em Cruembreger Platt“. | Archiv-Foto: Matthias Müller

Eine „graue Eminenz“ Cronenbergs, so jedenfalls der Cronenberger Heimat- und Bürgerverein (CHBV), ist nicht mehr: Mit Harald Biedebach ist ein langjähriges CHBV-Vorstandsmitglied im Alter von 87 Jahren verstorben. „Er beherrschte auch außerhalb seines Vorstandsamtes die seltene Gabe der indirekten, intuitiven Führung – er verstand es, mit Nebensätzen Akzente zu setzen“, würdigt der Bürgerverein in einem Nachruf das jahrzehntelange Wirken des Cronenbergers, der ein profunder Kenner seines Heimat-Stadtteils war.

„Wer etwas zu den Wurzeln alter Cronenberger Familien wissen wollte, brauchte nur ihn als „wandelnde Ahnentafel“ zu fragen“, erinnert der Bürgerverein denn auch an die „detailbewussten Kenntnisse“ Biedebachs, der entsprechend auch zu den Co-Autoren einiger Schriften der CHBV-Reihe „Blick in die Vergangenheit“ zählte. Aber der Ur-Cronenberger zog nicht nur am Schreibtisch oder auch an der Ladentheke als Inhaber des legendären Geschäfts „Schreibwaren Biedebach“, in dem Generationen Dörper Schüler ihre Schulbücher, Füller und Hefte einkauften, die Fäden. „Bim Biedebach“ war auch eine Art dörfliche Kommunikationszentrale: Hier konnte man mit leeren Taschen den Laden verlassen, aber mit vielen neuen Erkenntnissen zum Dorf-Leben…!

„Rollmopswickelmaschine“: „Ein typischer Biedebach…!

Und Harald Biedebach stand auch in der ersten Reihe: Und zwar nicht nur als Los-Verkäufer bei zahllosen Cronenberger Werkzeugkisten im Blauleinen der Plattkallergilde „De Obrams“. Als deren Mitbegründer, jahrzehntelanger Chef und Ehrenvorsitzender saß er bei den legendären Cronenberger Mundart-Abenden auch stets auf dem Podium und moderierte die „Feiertage im Cronenberger Dialekt“ – seine trocken-humorige Veranstaltungsführung war ein Plattkaller-Höhepunkt für sich: „Durchaus feinsinnig und hintergründig konnte er argumentieren und fabulieren.“ Dass er auch ein mit augenzwinkernder Schalkhaftigkeit behafteter Humorist war, bewiesen seine Dönekes rund um die „Rollmopswickelmaschine“, von deren Schicksal und Technik-Tücken wegen „rückwärtslaufendem Strom“ Harald Biedebach genüsslich zu „vertellen“ wusste – zum Staunen und vor allem zur Freude seiner Leser – ein typischer Biedebach!

Seinen Ruhestand verbrachte er mit „Bankgeschäften“: So nannte Harald Biedebach die morgendlichen Treffs auf der Bank neben dem Schmiede-Denkmal am Krings Eck, bei denen nicht nur Schwätzchen gehalten wurden, sondern auch der eine oder die andere Passant/in einen launigen und/oder frotzelnden Kommentar mit auf den weiteren Weg durchs Dorf bekam. „Cronenberg hat ein Original verloren, ein großes Herz und ein Geschichtsbuch“, erinnert der CHBV in Dankbarkeit an Harald Biedebach – und mit einem Schmunzeln: „Adjüs Harald!“