21.09.2025, 14.45 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Kommunalwahl: SPD in Stadt & Dorf vorn – satte Gewinne für AfD

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Cronenberger Wahlkampf-Impression vom Straßenrand mit Symbolkraft: „Miriam Scherff vorn, Matthias Nocke hinten“, so hieß es nach dem Wahltag am 14. September – bei der Oberbürgermeister-Stichwahl am 28. September werden die Karten indes nun neu gemischt… | Foto: Meinhard Koke

„Wir sind weiter Kommunalpartei Nummer 1“, zeigte sich NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst am vergangenen Sonntag, 14. September, zufrieden mit dem CDU-Ergebnis bei der Kommunalwahl. Während die Christdemokraten im einstigen „Herzland“ der SPD die Oberhand behielten, wählte Wuppertal anders: Ob bei der Oberbürgermeister-Wahl, der Ratswahl oder der Abstimmung zur Bezirksvertretung Cronenberg – die SPD siegte auf ganzer Linie. Das zeichnete sich bereits ab, als die ersten Ergebnisse eintrudelten. Allerdings gab es da nicht nur bei CDU-OB-Kandidat Matthias Nocke, sondern vielfach mehr oder minder lange Gesichter: In ersten Zwischenständen verbuchte die AfD satte Prozentsätze, ihr OB-Kandidat Dr. Hartmut Beucker rangierte hinter SPD-Kandidatin Miriam Scherff auf Platz 2 – „Gelsenkirchener Verhältnisse“ in Wuppertal…?

| Screenshot: www.wuppertal.de

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Im NRW-Trend: Satte Gewinne für AfD, Verluste für Grüne

Letztlich stellte sich das – zumindest teilweise – als ein Strohfeuer heraus: Die ersten Ergebnisse kamen wohl unter anderem aus Oberbarmen, wo die mitunter nur wenigen Wähler ihre Kreuzchen häufig bei der Alternative gemacht hatten. Mit zunehmendem Verlauf des Wahlabends relativierte sich das anfängliche Erschrecken. Die AfD verbuchte bei der Ratswahl zwar – ganz im NRW-Trend – satte 17,1 Prozent und damit – ebenfalls wie im Land – fast eine Verdreifachung ihres Ergebnisses 2020. CDU (22,1 %) und vor allem SPD (28,8 %) konnten die Alternative aber auf Abstand halten. Auf der Gewinnerseite ebenfalls die Linke: Mit 8,4 % legte sie im Vergleich zur Wahl 2020 (6,6 %) fast zwei Prozent zu – während das abgespaltene BSW nur auf 2,5 % kam. Verlierer gab’s vor allem zwei: Die Grünen brachen um minus 8,2 % auf 11,4 % ein – das stärkste Minus aller Parteien bei der Ratswahl. Ebenso lange Gesichter bei der FDP: Sie halbierten sich (- 3 %) fast und rutschten auf 4,2 % ab – im künftigen Rat werden die Liberalen nur noch als Gruppe vertreten sein…

| Screenshot: www.wuppertal.de

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OB-Wahl: Scherff überall vorn, Nocke über CDU-Ergebnis

Bei der Oberbürgermeister-Wahl verbuchten beide vermeintlichen „Platzhirsche“ jeweils bessere Ergebnisse als ihre Ratsparteien: Matthias Nocke (CDU) fuhr mit 23,4 % etwas über ein Prozent mehr als die Christdemokraten ein. Miriam Scherff holte bei ihrem Etappensieg mit 33,3 % sogar 4,5 % mehr als ihre SPD bei der Ratswahl, überdies kam sie in allen Stadtbezirken vor CDU-Kontrahent Nocke ins Ziel – Cronenbergs Bezirksbürgermeisterin hatte als Kandidatin gezogen… Unter den jeweiligen Parteiergebnissen blieben AfD-Bewerber Beucker (16,4 %), Linke-Kandidat Dr. Salvador Oberhaus (6,2 %) und vor allem Dagmar Liste-Frinker: Die grüne OB-Bewerberin aus Cronenberg kam auf 7,5 % und verbuchte damit fast vier Prozentpunkte weniger als ihre Partei in der Stadt. Ein etwas besseres Ergebnis als seine Rats-FDP schaffte der Liberale Marcel Hafke mit 4,9 %, einen kleinen Achtungserfolg durfte Einzelbewerber Guido Gallenkamp mit 2,3 % für sich in Anspruch nehmen.

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Cronenberg: SPD holt beide Ratswahlkreise

Und Cronenberg? Auch hier Sieg auf ganzer Linie für die SPD! Miriam Scherff nutzte ihren Bezirksbürgermeisterin-Bonus: Mit 43 % bei der OB-Wahl fuhr sie im Stadtbezirk fast doppelt so viele Stimmen ein wie CDU-Kontrahent Matthias Nocke (22,4 %). Mit einem sogar noch besseren Ergebnis (46 %) holte Scherff ihren Ratswahlkreis Cronenberg-Süd, auf den sie aus Cronenberg-Nord „umgeswitcht“ war – bei ihrem „Heimspiel“ legte Scherff auch Wuppertal-weit das beste Ergebnis aller OB-BewerberInnen hin. CDU-Mitbewerber Alexej Hundt unterlag derweil deutlich mit 19,4 % und einem nicht unbedingt satten Abstand auf den AfD-Kandidaten Bernhard Wagner (15 %).

| Screenshot: www.wuppertal.de

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Zwar nicht ganz so eindeutig, aber auch im Dörper Norden behielten die Sozialdemokraten die Nase vorn: Oliver Wagner holte mit 34,2 % auch den zweiten Cronenberger Ratswahlkreis für die SPD, Amtsinhaber Rainer Spiecker (CDU) verlor mit 23,8 % seinen Wahlkreis. Auch hier stark: die AfD-Kandidat Marcus Krause errang 14,6 %. Achtungserfolg für Regina Orth-Ramette: Die Vize-Bezirksbürgermeisterin von den Grünen erreichte 11,1 % – fast vier Prozent mehr als die Grünen in Cronenberg-Süd.

| Screenshot: www.wuppertal.de

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Bezirksvertretung: Sattes Plus für SPD & AfD, Verlust für CDU

Analog der Ausgang der Abstimmung zur Bezirksvertretung (BV) Cronenberg: Mit 35,6 % fuhr die SPD ein sattes Plus von zehn Prozent zur BV-Wahl 2020 (25,1 %) ein. Die CDU verlor derweil rund vier Prozent auf 25,6 % (2020: 29,4 %), während sich die AfD auch im Dorf auf 14,8 % fast verdreifachte (2020: 5,8 %). Die Grünen wiederum halbierten sich im Bezirk auf 10,6 % (2020: 22,4 %), ebenso die sonst in Cronenberg starke FDP: Sie rutschte von 8,4 % (2020) auf 4,3 % ab. Die Linke blieb im Bezirk mit 5 % nahezu stabil (2020: 5,2 %). 

In etwas mehr als einer Woche werden die Karten neu gemischt. Ob Matthias Nocke (CDU) oder Miriam Scherff (SPD), am Stichwahl-Sonntag, dem 28. September, wird sich beweisen, wer die meisten WählerInnen mobilisieren beziehungsweise jene für sich gewinnen konnte, der/die in der ersten Runde für die KandidatInnen von AfD, Grünen, FDP, Linke, BSW & Co. stimmten… 

| Screenshot: www.wuppertal.de

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