06.10.2025, 16.08 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Elberfelder Tischplanetarium: Zum 200. Jubiläum zurück ans CFG

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Greift einmal mehr am Carl-Fuhlrott-Gymnasium nach den Sternen: Michael Winkhaus möchte zum 200. Schuljubiläum daås Elberfelder Tischplanetarium zurück nach Wuppertal holen. | Foto: Meinhard Koke

Am 26. September feierten Friedrich-Bayer-Realschule und Carl-Fuhlrott-Gymnasium das 50-jährige Bestehen des Schulzentrums Süd. CFG-Lehrer Michael Winkhaus indes blickte da schon auf das nächste Jubiläum: das 200-jährige Bestehen des CFG im Jahr 2030. Und hierzu greift der Initiator der Schülersternwarte einmal mehr nach den Sternen: Michael Winkhaus möchte zu dem großen Jubiläum ein Kleinod an den Jung-Stilling-Weg holen: das historische Elberfelder Tischplanetarium.

„Das ist einzigartig in der Welt, das ist absolut spektakulär“, erläutert Michael Winkhaus zu dem „Meisterwerk der Handwerkskunst“, das seit 35 Jahren in den „Katakomben“ des Deutschen Museums in München ruht. Auf das Unikat wurde Winkhaus durch einen Beitrag des früheren Geschichtslehrers Winfried Herbers in einem CFG-Jahrbuch aufmerksam. Winkhaus stürzte sich in die Recherche und fand heraus: Das 1828 von dem Schreiner Heinrich Aeuer fertig gestellte Tischplanetarium wurde 1830 vom neugegründeten Realgymnasium Elberfeld angekauft – maßgeblich durch Carl Fuhlrott befördert, ist Michael Winkhaus überzeugt. Schließlich habe der Schulnamensgeber auch das Planetarium an der Schule initiiert…

Von Carl Duisberg nach München „abgequatscht…“

450 Taler, so hat Winkhaus weiter ermittelt, kostete die Anschaffung – auf Basis heutiger Handwerker-Saläre „wären das 80.000 bis 100.000 Euro“, unterstreicht der CFG-Astronom die Höhe der Investition damals. Was der Lehrer ebenfalls herausgefunden hat: Als die Vorgängerschule 1890 von der Herzogstraße an die Aue umzog, wurde das Tischplanetarium in einer Glasvitrine vor der Aula präsentiert – der damalige Schuldirektor Börner sei ebenfalls „Astronomie-Fan“ gewesen; entsprechend verfügte die Schule auch über ein Planetarium… Dann kam Carl Duisberg ins Spiel: Der spätere Bayer-Chef sorgte dafür, dass das Kleinod im Jahr 1907 ans Deutsche Museum kam: „Er hat es dem Schuldirektor ,abgequatscht’“, weiß Michael Winkhaus, allerdings: Es ging nur als Leihgabe nach München.

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Als Börner dann im Jahr 1915 mit einer Schülergruppe das Deutsche Museum besichtigte, sei ihm dies gehörig aufgestoßen: Das Tischplanetarium war mit dem Vermerk „Schenkung des Realgymnasiums Elberfeld“ versehen. Börner intervenierte, weiß Winkhaus – Ergebnis: München bat um Entschuldigung, fortan prangte der Hinweis „Leihgabe“ daran… Bis zum Jahr 1992 wurde die CFG-Leihgabe in der Ausstellung an der Isar präsentiert, seitdem „schlummert“ es im Museumsfundus, wie Michael Winkhaus nach einem Besuch zu berichten weiß. 

Soll zurück ins heimatliche Tal und restauriert werden: Das historische Elberfelder Tischplanetarium kam vor 110 Jahren als Leihgabe des heutigen Carl-Fuhlrott-Gymnasiums ans Deutsche Museum in München. | Foto: CFG

Soll zurück ins heimatliche Tal und restauriert werden: Das historische Elberfelder Tischplanetarium kam vor 110 Jahren als Leihgabe des heutigen Carl-Fuhlrott-Gymnasiums ans Deutsche Museum in München. | Foto: CFG

Bis zu 100.000 Euro für die Restaurierung

Zumal das einzigartige Stück keine Chance auf ein „Comeback“ in der Schau in München habe, soll es zum 200sten Schuljubiläum zurück an die Wupper. In Sabrina Engert, Expertin für Wissenschafts- und Technikgeschichte, und Prof. Dr. Johannes Grebe-Ellis hat Michael Winkhaus an der Bergischen Universität zwei Mitstreiter gefunden, damit das Tischplanetarium im Jahr 2030 restauriert zum CFG-Geburtstag im „Süd“ präsentiert werden kann. Die Kosten für die Wiederherstellung des CFG-Relikts schätzt er – ähnlich wie bei der Herstellung vor rund 200 Jahren – auf etwa 100.000 Euro: „Das schaffe ich schon irgendwie“, gibt sich Winkhaus ansteckend optimistisch, die Summe einwerben zu können. Man mag es ihm zutrauen: Für die Schülersternwarte auf dem Dach des „Süd“ und die weiteren Astronomie-Einrichtungen des CFG konnte Winkhaus insgesamt rund 1,5 Millionen Euro akquirieren – wenn Winkhaus nach den Sternen greift, dann bekommt er sie auch zu fassen…

Morgen: Vortrag zu dem historischen Kleinod

Am morgigen Dienstag, 7. Oktober, gibt Michael Winkhaus einen Vortrag zu dem Tischplanetarium: Ab 18.30 Uhr wird der CFG-Astronom in der Stadtbibliothek Elberfeld über die Geschichte, die astronomische Entschlüsselung und die geplante Heimkehr des historischen Meisterwerks der Handwerkskunst sprechen. Der Eintritt an der Kolpingstraße 8 ist frei, mehr Infos gibt es per E-Mail an etplanetarium @ uni-wuppertal.de.