06.11.2025, 15.19 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

TiC-Musical: Ein berührender Herzenswärmer in der kalten Zeit…!

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Erhielt für die Premiere im TiC-Atelier Unterkirchen „Standing Ovations“: das Ensemble des begeistert aufgenommenen Musicals „Wie im Himmel“ im TiC-Theater. | Foto: Martin Mazur

Auch ohne das neue Musical „Wie im Himmel“ des TiC-Theaters wissen es die Cronenberger bestens: „Singen macht glücklich!“ Von den vielen Chören, die es einst in fast jeder Hofschaft gab, sind zwar nur noch wenige übrig, gesungen wird nach wie vor gern und viel im Dorf…! Und so auch im schwedischen Nest Ljusåker, nur: Der Kirchenchor dort hat keine Leitung mehr. Da trifft es sich, dass Stardirigent Daniel Daréus in das Örtchen kommt. Aber: Der gefeierte Maestro ist inkognito in seinen Geburtsort zurückgekehrt, um von der Musik Abstand zu gewinnen. Das „Konzertgeschäft“, sein von fanatischem Perfektionismus getriebenes Herz für die Musik hat ihn mit einem Herzinfarkt zusammenbrechen lassen – Daniel steigt aus und zieht sich in sein Heimatdorf zurück, denn: „Jetzt ist die Zeit, die ich noch hab’…“

„Ungehobelter“ Chor trifft auf „fanatischen“ Perfektionisten

Zumal per Taxi angekommen („Gab’s hier noch nie“), hat Daniel, der wegen seines Künstlernamens für einen Fremden gehalten wird, die volle Aufmerksamkeit der „Landeier“. Ladenbesitzer Arne, Verkäuferin Lena und Pfarrersfrau Inger wittern die Gunst der Stunde: Daniel sträubt sich („Ich bin fertig mit der Musik“), letztlich aber ergibt er sich den Überredungen: Er übernimmt die Chorleitung. Bei der ersten Probe prallen Welten aufeinander: Hier die Dorfbewohner, die stricken, husten, quatschen und bei jeder Gelegenheit zu Kaffee und Rosinenbrötchen greifen – für sie ist der Chor mehr Gemeinschaft; dort Dirigent Daniel, der auch als Chorleiter ein diszipliniertes Regiment führen will… Der „ungehobelte“ Chor erobert das Herz von Daniel („Wie sie mich rühr’n, so ehrlich und rein…“) – er setzt an, den schönen Stimmen eine Seele zu geben: „Jeder hat einen Grundton – ihr müsst ihn nur finden!“

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„Grundtöne“ bringen die Dorf-Welt ins Wanken

Mit ihren „Grundtönen“ aber finden sie auch zu sich selbst, sogar der geistig beeinträchtigte Tore blüht auf… Der Pfarrer bangt derweil nicht nur um seine Autorität, sondern auch um Ehefrau Inger, die sich zu emanzipieren beginnt; der gewalttätige Conny erkennt, dass sich Gabriella (Kerstin Trant) durch Prügel nicht mehr gefügig machen lässt – unter dem „Dirigat“ von Daniel finden die Chormitglieder auch zum Grundton ihres Lebens, und das Dorfgefüge gerät damit ins Wanken… Dass Daniel vom Pfarrer gefeuert und von Conny – wie schon in der Kindheit – zusammengeschlagen wird, kann den Grundton nicht mehr zum Verstummen bringen; der Chor hält zusammen; obwohl Daniel nicht will, angetrieben vom geschäftstüchtigen Arne geht’s zu einem Chor-Wettbewerb nach Wien… Eines sei verraten: Hier endet das Musical nicht im „Happy End“, gut so: Auch wenn sich eine Premierenbesucherin das Finale anders gewünscht hatte, das wäre vielleicht zu melodramatisch…?! Zumal sich die Premierenbesucher nach zweieinhalb berührend-schönen Stunden dennoch „Wie im Himmel“ fanden…

Ein Melodram, das nicht melodramatisch ist

Regisseur Ralf Budde schafft die Gratwanderung: Er überzieht nicht, Budde zeichnet die „Rührenden“, aber auch die Antihelden und die Handlung voller schön-trauriger Momente ohne zu überzeichnen – er lässt das Stück nicht ins Melodramatische abgleiten. Ebenso besticht die TiC-Inszenierung gesanglich, mit Prof. Stefan Hüfner hat das Ensemble zum „Grundton“ gefunden…! Allen voran Leon Gleser als Daniel und Leonie Hackländer als Lena: Beide berühren schauspielerisch wie sie gesanglich begeistern, himmlisch! Ins Herz spielt und singt sich ebenso Kerstin Trant als Gabriella: Ihr Solo mit dem „Lied für Gabriella“ wurde mit Szenenjubel honoriert. Nicht der einzige: Ob Soli und Duette oder auch das rhythmische „Lied aufs Leben“ – immer wieder brandete zwischendurch Applaus auf.

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Von Bühnenbild bis Bad Boy: alles einfach überzeugend!

In die Herzen spielte sich ebenso Florian Siegmund als stets geschäftstüchtiger Arne, Monika Owart glänzt als von ihren Gefühlen hin- und hergerissene Pfarrersfrau, und auch Christian Michalak, als Ehemann Stig der „Bad Boy“, weiß in seiner Halsstarrigkeit als „Moralapostel“ zu beeindrucken. Die gelungene Inszenierung wird durch eine geschicktes Bühnenbild (Stefan Böhmer/Frank Fischer) aus rollbaren Elementen oder nicht zuletzt ein eigens produziertes Video abgerundet, welches einen Rückblick auf Kindheit und Karriere von Daniel wirft – auch hierzu Kompliment an Leonie Hackländer, und Lisa Bödefeld dazu! Herzerwärmender „Plot“, schöne Melodien, überzeugendes Schauspiel und starke Stimmen, die sich zu beeindruckenden Klangwelten zusammenfügen – das neue Musical des TiC ist wie ein warmes Leuchten in der dunklen Jahreszeit; während wir aufs „Fest der Liebe“ zusteuern, beschert es vorab: mit Gefühl, mit Gemeinschaft, mit Ehrlichkeit, mit Gänsehautmomenten – mit dem, wonach sich viele gerade vielleicht umso mehr sehnen: drei Stunden „Wie im Himmel“…!

Mehr Infos & Karten

Karten für das neue TiC-Musical „Wie im Himmel“ sind unter Telefon (0202) 47 22 11 im TiC-Kartenbüro an der Hauptstraße 3 oder auch im Netz unter tic-theater.de buchbar.