10.12.2025, 18.54 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Klaus Müller im „Portrait“: Von „Heide-Mord“ bis Sachertorte…!

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„BNetzA“-Präsident Klaus Müller (mi.) mit seinen Gastgebern, den „Portrait“-Initiatoren Prof. Dr. Martin Fleuß (li.) und Martin Probach. | Foto: Meinhard Koke

„Herzlich willkommen im kleinen Küllenhahn, Herr Präsident“, hieß es in der Reihe „Portrait“: Mit Klaus Müller war der Präsident der Bundesnetzagentur (BNetza) an der Nesselbergstraße zu Gast. Kein „Auswärtsspiel“: Müller ist gebürtiger Wuppertaler und mit Martin Probach, an der Seite von Prof. Dr. Martin Fleuß der Co-Gastgeber der „Portrait“-Reihe, seit der Jugend am Dörpfeld-Gymnasium und im CVJM befreundet. „Welche Erinnerungen an Wuppertal hast du, Klaus“, wollte Duzfreund Probach zum Einstieg wissen, und es platzte aus dem Präsidenten heraus: „Wuppertal ist steil – alles steil…!“

Budenbauen am Freudenberg, Schlittenritt auf der „Todesbahn“

Ein Vorzug indes für das, an was sich der gebürtige Südstädter – neben dem Budenbauen im Wald – erinnerte: rasante Schlittenfahrten auf der „Todesbahn“ (vermutlich am Freudenberg) oder auf der Wiese (am Altenheim Blankstraße) hinunter zum Spielplatz („Schwarzer Mann“). Latein am WDG sei ein Leid gewesen, der Mathe-Leistungskurs dagegen „fantastisch“. Ebenso denkt Müller gerne an die CVJM-„Rebellengruppe“ („Mein Freundeskreis“) zurück und die „wilden Spiele“ auf der Hardt – „eine fantastische Gemeinschaftserfahrung“, befand Klaus Müller, und die einstigen Mit-CVJMler, die ins Gemeindehaus Küllenhahn gekommen waren, stimmten zu…

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Perfekt organisiert: Bundestag-Umzug nach Berlin

„Meine herausragende Eigenschaft ist Neugier“, lässt der „Präsident der Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen“ auf der Internetseite der „BNetzA“ wissen. Gute Grundlage für den „bewegten“ Lebensweg des heute 54-Jährigen? Nach dem Zivildienst bei der „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ und Bäume pflanzen in Australien führte das VWL-Studium Müller nach Kiel. Hier trat er 1990 den Grünen bei und engagierte sich im Zuge des 2. Golf-Krieges in der Friedensbewegung („Die Welt war schwarz-weiß – einfach…“). Inzwischen bei der SH-Investitionsbank tätig, begann Ende der 1990er-Jahre die politische Karriere. In den nur acht Jahren wurde Müller Zeitzeuge zweier bedeutsamer Ereignisse. Erstens: Nach seinem Einzug in den Bundestag, 1998, der Umzug von Bonn nach Berlin. „Perfekt organisiert“, erinnert sich Müller an den Sommer 1999, allerdings: Eine Wohnung in Berlin zu finden, das sei ein Problem gewesen… Der zweite „Markstein“ folgte nach dem Ruf zurück nach Kiel, wo Müller Umweltminister in der Landesregierung von Heide Simonis wurde. Er habe erst einmal Vogelnamen lernen müssen, und die von Pflanzen ebenso…

Mit 29 Jahren Minister: „Ein Irrsinn…“

In der Beschaulichkeit des Landes zwischen den Meeren, wurde Müller im März 2005 Zeuge dessen, was als „Heide-Mord“ in die bundesdeutsche Politgeschichte einging: Heide Simonis bekam bei der Ministerpräsidenten-Wahl keine Mehrheit – obwohl sich sogar Kanzler Schröder und Vizekanzler Fischer einschalteten, über vier Wahlgänge – Simonis trat ab: „Da ist eine Ministerpräsidentin politisch hingerichtet worden“, blickte Müller auf die Kieler Ereignisse zurück, die auch sein Aus als Umweltminister bedeuteten: Müller schied 2006 aus dem Landtag aus. Verblüffend, was der Wahl-Bonner befand: „Es ist ein Irrsinn, dass ein 29-Jähriger ein Ministerium führt…“ Nüchtern kommentierte Müller sein Ende der Polit-Karriere: Politiker seien nur auf Zeit gewählt, appellierte er, eine Ausbildung abzuschließen. Für ihn fügte es sich, dass er das Diplom als Volkswirt in der Tasche hatte: Im Anschluss an Kiel wurde Müller im Sommer 2006 zunächst Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, um schließlich Vorstand des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes (vzbv) zu werden. Seit Februar 2022 ist Müller nun Präsident der Bundesnetzagentur: „Meine Behörde ist dazu da, die Märkte zu regulieren, in denen kein Wettbewerb herrscht“, erläuterte der 54-Jährige seine Tätigkeit.

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„Die Stadtwerke mögen mich nicht…“

Für so manchen brauchte es das gar nicht: Als Martin Probach und Martin Fleuß die Möglichkeit zu Publikumsfragen gaben, wurde deutlich: Ob Thema Fernwärme-Preisgestaltung, Glasfaserausbau, Gasbeschaffung nach dem russischen Überfall auf die Ukraine oder auch Stromnetze – unter den Zuhörenden im Gemeindehaus Küllenhahn waren so einige Experten – „Respekt“, meinte der Gast: „Das ist ein wahnsinnig fachkundiges Publikum hier…“

Der „BNetzA“-Chef zeigte sich entschlossen, zum Beispiel bei der Gestaltung der Preise von Fernwärme oder auch Strom für E-Autos auf die Finger zu klopfen („Die Stadtwerke mögen mich nicht“). Dass er das Durchsetzungsvermögen dazu hat, machte diese Aussage klar: „Wer in Wuppertal Fahrradfahren gelernt hat, den kann nichts mehr schocken…“ Und auch das entlockte das „Portrait“ dem Präsidenten: Klaus Müller backt gerne, nicht kleine Brötchen, sondern vielmehr Zimtschnecken, Brot und Sachertorte…