22.12.2025, 15.30 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Reformen-Appell: Firmenchefs gingen in Kohlfurth über die Wupper

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Einige der UnternehmerInnen, die in der Kohlfurth zwar nicht „über die Wupper“ gingen, aber sich für ihren Weckruf nach Reformen buchstäblich nasse Füße holten: Rechts im Bild Initiator Dr. Andreas Groß mit Stahlwille-Chefin Vera Bökenbrink sowie IHK-Präsident Henner Pasch (2.v.r.). | Foto: Meinhard Koke

Dafür holten sie sich nicht nur nasse Füße, sie gingen sogar „über die Wupper“…! Allerdings nur symbolisch, denn: Die bekannte Redewendung, welche ja dafür steht, dass etwas stirbt beziehungsweise zugrunde geht, nutzten zahlreiche VertreterInnen der Bergischen Wirtschaft zu einer plakativen Aktion der Bergischen IHK: Sie stiegen heute Mittag, 22. Dezember, in der Kohlfurth in die Wupper – um auf die ihrer Meinung nach dramatischen Lage der deutschen Wirtschaft aufmerksam zu machen und dringende Reformen anzumahnen.

Den Anstoß zu dem „nassen“ Appell hatte mit Dr. Andreas Groß der Chef der Berger-Gruppe in der Kohlfurth sowie Vizepräsident der Bergischen IHK gegeben: „Die Aktion zeigt: Wir meinen es ernst“, unterstrich IHK-Präsident Henner Pasch die Notwendigkeit zum politischen Handeln. Man müsse jetzt als Gesellschaft zusammenstehen, denn die Industrie drohe zu sterben: „Wir müssen kämpfen, damit die deutsche Industrie wieder Chancen hat“, rief Pasch zu schnellem Gegensteuern auf: „Es ist kurz vor zwölf – das ist ein Weckruf, wir müssen wesentliche Aspekte umregulieren.“

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Im Anschluss an die Wupper-Aktion machten Statements der teilnehmenden Unternehmerinnen und Unternehmer, die nach Worten von Initiator Andreas Groß rund 25.000 Mitarbeitende beschäftigen, deutlich: Es herrscht gehöriger Leidensdruck, egal welche Branche, aus allen Beiträgen klang der Ruf nach Veränderungen: „Die Ampel steht auf rot“; „Mächtig unter Druck“; „Wir leiden…“ oder: „Wohl die schärfste Krise in der Unternehmensgeschichte…“, und: „Der Druck ist massiv…“ – so lauteten nur einige der durchweg dramatischen Stellungnahmen aus dem Kreis der Wirtschaftsvertreter – unisono wurden überbordende Bürokratie, zu hohe Energiekosten oder auch Regulierungswut kritisiert.

„Arbeiten wir überhaupt noch genug…?“

Massiv wurden aber nicht nur von Politik Reformen angemahnt. In der Kohlfurth ergingen auch Appelle zu einem gesellschaftlichen Umdenken: Ein Streben nach „Work-Life-Balance“ sorge zum Beispiel dafür, dass in Deutschland nicht mehr genug Fachkräfte zu gewinnen seien, reklamierte eine Unternehmerin: „Wird in Deutschland noch genug gearbeitet?“, forderte die Firmenchefin einen Bewusstseinswandel. Hierzulande werde im internationalen Vergleich ohnehin mit am wenigsten gearbeitet – dass sei ein massiver Wettbewerbsnachteil…

Initiator Andreas Groß unterstrich, dass den Unternehmen das Wasser noch nicht bis zum Hals stehe. Wenn sich aber nichts grundlegend ändert, dann drohe der Industriestandort Deutschland über die Wupper zu gehen. Der Unternehmer aus der Kohlfurth betonte weiter, dass man nicht über Patentrezepte verfüge: „Wir als UnternehmerInnen sind aber bereit, in der aktuellen schwierigen wirtschaftlichen Situation konstruktiv an Lösungen mitzuarbeiten“, forderte Groß Maßnahmen – und zwar kurzfristig, mutig und nachhaltig…!

Dr. Andreas Groß: „Nationale Industriestrategie muss her…“

Vera Bökenbrink, Chefin der Firma Stahlwille, machte klar, dass in NRW monatlich rund 2.000 Arbeitsplätze verloren gingen: „Wir müssen kämpfen, dass der Industriestandort erhalten bleibt“, mahnte die Vorstandsvorsitzende der „Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände“ eindringlich, nicht bis zu einem nächsten „Herbst der Reformen“ zu warten. Andreas Groß brachte es in seinem Schlusswort so auf den Punkt: „Es geht ums Ganze, wir brauchen eine nationale Industriestrategie – und wir sind dazu bereit, diese mitzugestalten…“