01.03.2026, 14.43 Uhr | Meinhard Koke | Artikel drucken | Instapaper | Kommentare
Stephan Ries: Erst Restart-Architekt und heute Fördervereinschef
Zunächst Mann der (fast) ersten Stunde, dann TiC-„Retter“ und heute Vorsitzender des Fördervereins TiC Club: Stephan Ries ist mit der 40-jährigen Geschichte des Cronenberger Theaters in vieler Hinsicht verbunden. | Foto: Meinhard Koke
Zufall oder Fügung? Als 2008 Stephan Ries zum Insolvenzverwalter des TiC-Theaters bestellt wurde, kehrte ein Mann an die Borner Straße zurück, der dort schon früh Verantwortung getragen hatte. Bereits kurz nach der Eröffnung 1986 – damals im Beisein von Oberbürgermeisterin Ursula Kraus – engagierte sich Ries im Verein „Borner Schule Cronenberg“. 1988 wurde er Schriftführer im Vorstand.
Zunächst ein Multikulti-Haus
Er erinnert sich an die prägenden Akteure der Anfangsjahre: an die Architekten Friedrich W. Figge und H. E. Windgaßen, an Galerist Jürgen Breucking – und an TiC-Gründer Ronald F. Stürzebecher, damals Schriftführer des Gründungsvorstandes. „Die Idee war ein Cronenberger Kulturhaus“, sagt Ries. Neben dem „Theater in der Borner Schule“ (TIBS), wie das TiC zunächst hieß, fanden auch eine Töpferei, die Bergische Musikschule, eine Stadtteilbücherei und ein Galerie-Café hier ein Zuhause. Sogar die Bezirksvertretung Cronenberg tagte zeitweise in den Räumen – bis Kulissenteile und Kostüme im Sitzungssaal irgendwann überhand nahmen. Fast vier Jahrzehnte später blickt Ries mit einem Schmunzeln zurück.
Herausforderung Insolvenz
1989 trat der Gründungsvorstand zurück, auch Ries schied aus. Doch die Verbindung riss nie ab. Als Rechtsanwalt und engagierter Cronenberger blieb er dem Haus verbunden. Er erinnert sich an das Theaterzelt im Hof, das wegen Lärmbeschwerden Polizeieinsätze auslöste. Der Erfolg des Theaters brachte Veränderungen mit sich: Galerie und Töpferei zogen sich zurück, das TiC wurde Ankermieter des Kulturzentrums. „Ronald F. Stürzebecher hat sich seinen Platz gesucht – und erkämpft“, sagt Ries anerkennend. Als 20 Jahre später der Anruf kam, er möge die Insolvenzverwaltung übernehmen, war sein erster Gedanke: „Oh, das ist aber eine große Herausforderung.“ Seine Kanzlei in Cronenberg war da längst Geschichte, Ries hatte sich als Sanierungsexperte einen Namen gemacht. Seine Devise: „Keine Panik auf der Titanic.“ Das Theater müsse weiterlaufen – und zugleich brauche es Unterstützer für eine tragfähige Neuaufstellung. „Mir war klar, dass ein Kulturbetrieb ein Zuschussgeschäft ist und ich Förderer gewinnen muss.“
Das „Restart“-Erfolgsmodell
Ries entwickelte die Konstruktion einer gemeinnützigen GmbH mit namhaften Gesellschaftern sowie einem ebenso fachkompetenten wie finanzstarken Beirat – zusätzlich zum Förderverein. „Die Idee ist von mir“, sagt er sachlich. Dieses Modell wurde zum Erfolgsfaktor und fand später auch andernorts in Wuppertal Nachahmung. Die Neuaufstellung brachte jedoch auch schmerzhafte Entscheidungen mit sich. Die Trennung von Gründer Stürzebecher sei eine der schwierigsten seines Lebens gewesen. „Das hat mir menschlich unheimlich leid getan.“ Doch ohne diesen Schritt wären Unterstützer kaum zu gewinnen gewesen. „Das war keine Entscheidung gegen Stürzebecher, sondern für das Theater.“

Vorsitzender Stephan Ries (li.) mit dem Vorstand des Fördervereins TiC Club, der jährlich rund 50.000 Euro zum Budget des Cronenberger Theaters beisteuern kann und damit auch eine wirtschaftliche Säule des TiC-Theaters ist. | Foto: Meinhard Koke
TiC-Neustart: „Da hingen ja Seelen dran…“
Der Erfolg gab dem Konzept recht. Unternehmen wie KNIPEX, DiGASS, Schmersal, Rinke Treuhand, die Wirtschaftsjunioren und die WK-P Beratung konnten als Gesellschafter gewonnen werden. Auch der Beirat ist prominent besetzt: AWG-Chef Sascha Grabowski, Berger-Chef Andreas Groß, Patrick Hahne von der Stadtsparkasse, Philip Schmersal von Schmersal, Daniel Siekhaus von der Pina Bausch GmbH sowie Dr. Bettina Wurm von der Wurm-Stiftung bringen wirtschaftliche und kulturelle Kompetenz ein. „Gesellschafter und Beiräte davon überzeugt zu haben, dass das TiC eine Perspektive hat, das habe ich als mein Gesellenstück betrachtet“, sagt Ries. „Da hingen für viele ja auch Seelen dran.“
Vor zwei Jahren: „Comeback“ als Club-Chef
Nach dem erfolgreichen Neustart zog sich Ries zunächst zurück – bis er vor zwei Jahren erneut Verantwortung übernahm. Nach dem Abschied von Dirk Emde wurde er Vorsitzender des TiC-Fördervereins „TiC-Club“. „Ich fühle mich dem TiC verbunden“, sagt er. Zumal er es einst gewesen war, der Emde für dieses Amt gewonnen hatte. Heute zählt der Club mehr als 715 Mitglieder und steuert jährlich rund 50.000 Euro zum Theaterbudget bei. „Das ist schon toll für ein so kleines Theater“, betont Ries. Den Club beschreibt er als „eine Familie“ – Menschen, denen die Unterstützung des Theaters Herzenssache ist. Ausflüge, Weihnachtsfeiern, Engagement bei Veranstaltungen wie dem „Langen Tisch“ oder der „Werkzeugkiste“ – das Miteinander sei geprägt von Nähe und Verlässlichkeit.
„Ehrliche Liebe zum TiC“: Kompliment an Clubberer
An seiner Seite weiß Ries ein engagiertes Vorstandsteam: Ulrike Gevers, Alexander Lurtz, Patrick Hahne und Claudia Reuffurth tragen Verantwortung. Auch Karolin Hummerich und Monika Owart, die zugleich als Schauspielerinnen auf der Bühne stehen, engagieren sich im Förderverein. „Das sind alles keine Selbstdarsteller“, sagt Ries. „Sie haben eine ehrliche Liebe zum TiC.“
Nicht Retter, sondern lieber TiC-Architekt
Und wie sieht sich der Mann, der das Theater in seiner wohl schwierigsten Phase auf Kurs brachte? „Nicht als Retter oder Sanierer“, stellt Ries klar. „Ich würde mich als Architekt sehen.“ Er habe früher Architekt werden wollen. Ihm gehe es darum, etwas aufzubauen, das bleibt. Vertrauen, Seriosität, Kompetenz und Nachhaltigkeit seien die Grundpfeiler seines Handelns. „So bin ich – und vielleicht hat es deshalb gepasst.“
Stephan Ries: Eine Art Columbo…?
Einmal habe man ihn den wohl meist unterschätzten Anwalt Wuppertals genannt. „Das war das schönste Kompliment für mich“, sagt er lachend – und gesteht seine Sympathie für die unterschätzte Figur des Columbo. Ob er selbst in dessen Mantel auf der TiC-Bühne stehen würde, wenn es nach der Produktion im Jahr 2015 ein Revival an der Borner Straße geben sollte? Eher nicht, dazu überschätzt der unterschätzte Anwalt seine Rolle nicht – Ries bleibt lieber ein Architekt im Hintergrund…!
Wer mit einer Mitgliedschaft im TiC Club zum Bestehen des Cronenberger Theaters beitragen möchte, findet mehr zu dem Theater-Förderverein hier.





