20.03.2026, 09.19 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

„Wissenwertes“: Wärmewende beginnt im eigenen Heizungskeller

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Mit Dr. Björn Uhlemeyer, dem Geschäftsführer der BMU Energy Consulting GmbH, hatte Prof. Dr. Martin Fleuß (re.) in der Reihe „Wissenswertes“ einen Experten zum Thema „Wärmewende“ zu Gast. | Foto: Meinhard Koke

Das passte: Draußen herrschten winterliche Kälte und Schnee, drinnen ging es um die Wärmewende. Der jüngste Abend der Reihe „Wissenswertes“ der Evangelischen Gemeinde Cronenberg-Küllenhahn widmete sich einem hochaktuellen und kontrovers diskutierten Thema. Trotz der winterlichen Widrigkeiten waren die Reihen im Gemeindehaus Küllenhahn recht gut gefüllt, als Prof. Dr. Martin Fleuß als Gastgeber mit Dr. Björn Uhlemeyer den Geschäftsführer der BMU Energy Consulting GmbH als Experten begrüßte. Sein Thema: die „Wärmewende im eigenen Heizungskeller“.

China: Von der „Dreckschleuder“ zum Vorreiter
Die Idee zu dem Vortrag entstand eher zufällig: Fleuß und Uhlemeyer hatten sich beim Hoffest 2025 kennengelernt und spontan beschlossen, einen „Wissenswertes“-Abend zu organisieren. Uhlemeyer berät mit seinem Unternehmen vor allem Kommunen, etwa bei der Erstellung kommunaler Wärmepläne – also nicht in erster Linie Privatverbraucher. Dennoch profitierte das Publikum von dem fundierten Überblick des Diplom-Ingenieurs. Gleich zu Beginn stellte Uhlemeyer klar: Weltweit herrsche breite Einigkeit, dass der menschengemachte Klimawandel Realität sei. Die derzeitige Erderwärmung verlaufe in einer Geschwindigkeit, „wie die Welt sie noch nicht gesehen hat“. Entgegen manchen Vorurteilen sei China inzwischen sogar ein Vorreiter bei der Wärmewende.

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Großer Handlungsbedarf in Deutschland
Der Blick auf Deutschland zeige dagegen großen Handlungsbedarf: Noch immer, so Uhlemeyer, heizen 54 Prozent der Haushalte mit Gas, 25 Prozent mit Heizöl. Lediglich vier Prozent nutzen Solarenergie, Geothermie oder Wärmepumpen. Da jede dritte Heizung älter als 20 Jahre ist, bestehe erheblicher Handlungsdruck. Zwar könnten Heizungen durchaus über 30 Jahre laufen, doch Uhlemeyers Empfehlung lautete: Wer eine Anlage hat, die älter als zwei Jahrzehnte ist, sollte sich mit einem Austausch beschäftigen.

Heizung: Reiche-Pläne kontern Habeck-Gesetz
Zum Zeitpunkt des Vortrags war die politische Entwicklung noch offen. Der Stichtag 30. Juni, bis zu dem aktuell nur der Einbau neuer fossiler Heizungen erlaubt ist, steht inzwischen jedoch auf der Kippe. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche will diese Frist des umstrittenen Heizungsgesetzes streichen. Stattdessen hat sich die Bundesregierung auf ein „Gebäudemodernisierungsgesetz“ verständigt, in dem die bislang verpflichtende 65-Prozent-Quote erneuerbarer Energien entfallen soll. Eigentümer sollen künftig wieder freier über ihre Heiztechnik entscheiden können.

Wärmepumpe-Förderung: „Ein Umstieg zahlt sich aus…“
Auch wenn damit der verpflichtende Umstieg auf Wärmepumpe oder andere erneuerbare Systeme beim Neueinbau entfallen würde, Uhlemeyer benannte starke Argumente für einen Wechsel. So die attraktiven staatlichen Förderungen: Bis zu 70 Prozent der Kosten – maximal 30.000 Euro – übernimmt der Staat beim Umstieg auf eine Wärmepumpe. Zudem dürfte die CO₂-Bepreisung weiter steigen, sodass fossile Energien teurer werden. Bis 2027 könnten sich die Kosten im Vergleich zu 2019 verdoppeln. Uhlemeyers Fazit: „Ein Umstieg zahlt sich aus.“

Wärmewende: Fernwärme im Vergleich teuer
Für ein Einfamilienhaus aus dem Baujahr 2005 rechnete der Diplom-Ingenieur beispielhaft vor, dass sich die jährlichen Heizkosten mit einer Wärmepumpe von rund 1.840 Euro auf etwa 300 Euro reduzieren könnten. Zugleich räumte er mit einem verbreiteten Vorurteil auf: Wärmepumpen funktionierten keineswegs nur in Neubauten oder ausschließlich mit Fußbodenheizungen. Auch in vielen Altbauten liefen sie problemlos – insbesondere in Gebäuden, die nach der Wärmeschutzverordnung von 1977 errichtet wurden.

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Wuppertaler Wärmeplanung vor dem Abschluss
Wer über einen Umstieg nachdenke, sollte sein gesamtes Energiesystem in den Blick nehmen, so etwa die Kombination mit einer Photovoltaik-Anlage, Stromspeichern oder einer Wallbox für ein E-Auto. Die Vorteile der oft kritisierten Wärmepumpe erläuterte Uhlemeyer auch anhand einer Übersicht, die er auf die Leinwand projizierte. Die Quintessenz: Fernwärme ist derzeit die teuerste Heizvariante – noch vor Gas und Heizöl. Gleichzeitig sei Fernwärme „das Rückgrat der Wärmewende“, so auch in Wuppertal.
Hier steht die kommunale Wärmeplanung kurz vor dem Abschluss. Wie die CW berichtete, sieht der Entwurf unter anderem Nahwärmenetze am Mastweg sowie in der Cronenberger Ortsmitte vor. Bereiche am Küllenhahn/ Hahnerberg sowie in der Südstadt sollen ans bestehende Fernwärme-Talnetz angeschlossen werden. Das Konzept fürs Dorf hatte in der Bezirksvertretung Cronenberg unter anderem Kritik der SPD ausgelöst.

„Klimaschutz beginnt im eigenen Gebäude…“
Allen politischen und praktischen Diskussionen zum Trotz: „Bezahlbares Heizen und Klimaschutz schließen sich nicht aus – sie gehören zusammen“, unterstrich Björn Uhlemeyer. Und auch wenn Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck vielfach dafür kritisiert wurde, in die Heizkeller hineinregieren zu wollen, die zentrale Erkenntnis des Abends lautete: „Klimaschutz beginnt im eigenen Gebäude.“ 

Heute nächster „Wissenswertes“-Abend
Die Reihe „Wissenswertes“ wird fortgesetzt: Am heutigen Freitagabend, 20. März, geht es im Gemeindehaus Küllenhahn um das Friedhofs- und Bestattungswesen. Ab 19.30 Uhr spricht Ingo Schellenberg, Geschäftsführer des Christlichen Friedhofsverbands Wuppertal, über die Herausforderungen in einer sich wandelnden Gesellschaft. Der Eintritt an der Nesselbergstraße 12 ist frei.