24.04.2026, 13.05 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Burgholz-Massaker: Aufarbeiten – auch nach 81 Jahren notwendig!

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Die Teilnehmenden der Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestags des sogenannten „Burgholz-Massakers“ an dem Mahnmal in der Näher des ehemaligen Polizei-Schießplatzes im Burgholz. | Foto: Meinhard Koke

War es das kühle Wetter? Haben die Menschen aktuell anderes im Kopf, als sich zu erinnern? Nur wenige Teilnehmer fanden den Weg zur alljährlichen Gedenkwanderung, mit welcher der „Verein zur Erforschung der Sozialen Bewegungen in Wuppertal “ am letzten Sonntag an das sogenannte „Burgholz-Massaker“ (die CW berichtete mehrfach) erinnerte. Anlass war der 81. Jahrestag der Ermordung von 30 ZwangsarbeiterInnen durch Kriminalpolizei und Gestapo im Frühjahr 1945.

Historiker Stephan Stracke und Lieselotte Bhatia begrüßten die Interessierten an der Bushaltestelle Obere Rutenbeck. Bhatia ist die Tochter des damaligen Kripo-Beamten Wilhelm Ober, der für seine Beteiligung an dem Burgholz-Massaker als Kriegsverbrecher verurteilt wurde. Die inzwischen 86-Jährige engagiert sich seit Jahrzehnten für die Aufarbeitung der grausamen Geschehnisse. Vor vier Jahren veröffentlichte Bhatia unter der Überschrift „Meine Spurensuche“ ein Buch dazu.

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Täter kamen nach wenigen Jahren wieder frei
Ziel der Gedenkwanderung war auch in diesem Jahr der sogenannte „Erinnerungsort Burgholz“: Am Helena-Matrosowa-Platz, benannt nach dem einzigen namentlich bekannten Opfer der NS-Gräueltat, steht seit dem Jahr 2018 ein Mahnmal, das an die Gräueltat kurz vor Kriegsende erinnert. Hier erinnerten Stephan Stracke und Lieselotte Bhatia nicht nur an die Tat auf dem nahegelegenen früheren Schießplatz, die zu den schwersten NS-Verbrechen in Wuppertal zählt. Sie blickten auch auf die juristische Aufarbeitung zurück: Zwar verurteilte ein britisches Militärgericht mehrere der Täter. Keine der verhängten Todesstrafen wurde indes vollstreckt – die meisten Verurteilten waren nach wenigen Jahren wieder frei.

Kritik an Erinnerungstext
Auch diesmal in der Kritik: der Erinnerungstext auf dem schwarzen Gedenkstein. Dass in der Inschrift der Begriff „Standgericht“ genannt wird, verleihe dem Massaker eine gewisse rechtliche Legitimität, kritisierten Stracke und Bhatia: „Das ist eine Relativierung.“ Sie unterstrichen, dass die Tat nicht „rechtskonform“ gewesen sei: „Das waren Mörder.“ Ebenfalls erneuerten Bhatia und Stracke ihre Forderung nach weiteren Forschungen rund um den früheren Polizei-Schießplatz. Recherchen sowie Zeitzeugenaussagen würden darauf hinweisen, dass es weitere Erschießungen im Burgholz gegeben habe.

„Viel passiert…“: Forderung nach weiteren Untersuchungen
Insofern sei es unverständlich, dass das Landeskriminalamt weitere Untersuchungen eingestellt habe: „Im Frühjahr 1945 ist noch ganz viel passiert, aber wir wissen ganz wenig“, attestierte Stephan Stracke unverminderten Aufklärungsbedarf: „Auch nach 81 Jahren noch…!“ Nachdem an dem Mahnmal Blumen niedergelegt worden waren, endete die Gedenkwanderung am nahegelegenen Schießplatz sowie am früheren Massengrab. Aus diesem wurden die Opfer nach dem Krieg exhumiert, um sie auf den Friedhof an der Schorfer Straße zu überführen.

Auf dem Areal der denkmalgeschützten Gedenkstätte ruhen sie im Schatten eines Obelisken, den die damalige englische Militärregierung nach sowjetischen Entwürfen errichten ließ.